PrestoSpace - Preservation towards storage and access. Standardised Practices for Audiovisual Contents in Europe

Institutionen, die traditionellerweise die langfristige Sicherung audiovisueller Daten zur Aufgabe haben (Rundfunk-Anstalten, Forschungseinrichtungen, Bibliotheken, Museen, usw...), sehen sich nun mit neuen Herausforderungen hinsichtlich Technik und Organisation, Ressourcen und rechtlichen Belangen bei der Migration zu digitalen Formaten und der Erhaltung bereits digitalisierter Bestände konfrontiert. Technische Überalterung von Geräten und physischer Verfall der Trägermaterialien verlangen eine wohlüberlegte Strategie und effiziente technische Abläufe in der digitalen Langzeitsicherung. Das Hauptziel dabei ist der Aufbau von Einrichtungen, die die notwendigen Voraussetzungen für diese Langzeitsicherung zur Verfügung stellen und die allen Verantwortlichen zugänglich sind, um ihre Bestände zu verwalten und zu verbreiten.
Ziele
Der Weg mit dem Ziel einer „Sicherung aller audiovisuellen Bestände“ verfolgt einen integrativen Ansatz, indem langfristig haltbare Bestände produziert und für die Nutzung durch Fachleute als auch durch die breite Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Die Hauptidee dabei ist: ein (öffentlich) zugängliches Archivstück (=Inhalt) ist wertvoller als eines, das im Regal verstaubt. Ein integrativer Prozess erlaubt diesen (öffentlichen) Zugang, der die Mittel für die Finanzierung dieser Aktivitäten und die Erhaltung des Archivbestandes sichert.
In früheren EU-Projekten wie PRESTO wurden effiziente Preservation-Technologien für Broadcaster u.ä. entwickelt. Dabei wurde aufgezeigt, dass durch eine Strategie eines halbautomatisierten, fliesbandartigen Ansatzes, bei der jeder „Operator“ (Techniker, etc.) mehrere Sicherungs-Straßen gleichzeitig betreut, 50% der Aufwendungen eingespart werden können.
Voraussetzungen für vollen Zugriff auf Archivinhalte sind: vollständige Dokumentation aller Bestände mit den dazugehörigen Metadaten inklusive Rechteeklärung und Rechtemanagement; (falls notwendig) Restaurierung; ein effizientes (Vertriebs-)System für den kommerziellen als auch öffentlichen Zugang. Noch immer gibt es ungelöste Probleme bei Digitalisierung, Metadaten-Extrahierung, Restaurierung, Lagerung, Netzwerkbandbreite, Sicherheitsvorkehrungen und Auslieferung an den „End-User“. Partielle Lösungen existieren zwar, sind aber meist noch zu wenig stabil, nicht skalierbar oder finanziell nicht tragbar, und definitiv nicht in ein nachhaltiges kommerzielles und rechtliches Modell integriert. Heutzutage werden viele Initiativen geboren, die auf einer „project-to-project“-Basis beruhen, welche eine denkbar schlechte Basis für langfristige Strategien und Bemühungen auf gesamt-europäischer Ebene in diesem Bereich darstellen.
Um jedem europäischen Archivbetreiber, von der kleinsten Sammlung bis hin zur größten, die Anwendung einer autonomen und realistischen Archivpolitik, die die Sicherung und Nutzung von digitalen Beständen beinhaltet, zu ermöglichen, weitet PRESTOSPACE die Grenzen gegenwärtiger Technologien über den Stand der Technik hinaus und bringt Industrien, Forschungseinrichtungen und Interessensvertreter auf europäischer Ebene zusammen, um Produkte und Dienstleistungen anzubieten, die eine erfolgreiche automatisierte Sicherung und den Zugang zu den vielfältigen audiovisuellen Sammlungen Europas ermöglichen.
Inhalt
Das vorige Jahrhundert eröffnete neue Möglichkeiten der Sicherung des Kulturerbes durch audiovisuelle Technologien. Schlüsselereignisse wurden aufgezeichnet, audiovisuelle Medien stellten die neue Form kulturellen Ausdrucks und eine erweiterte Darstellung der Menschheitsgeschichte dar. Diese neuen historischen, kulturellen und kommerziellen Vermögensgüter sind weitaus fragiler als konventionelle Kunstwerke (Malereien, Dokumente, Baudenkmäler...) und sind hochgradig vom Verfall bedroht. Nach Schätzungen der UNESCO existieren weltweit audiovisuelle Bestände von insgesamt 200 Millionen Stunden, davon in Europa ca. 50 Millionen Stunden. Das gesamte Audio-, Video- und auch Filmmaterial muss innerhalb der nächsten 20 Jahre migriert werden, falls es nicht unwiederbringlich verloren gehen soll. Dies bedeutet eine große Herausforderung für lokale wie nationale Archive, Universitäten, Bibliotheken, Museen als auch unternehmensinterne wie private Sammlungen.
Audiovisuelle Inhalte sind weit verbreitet und Archive sind heterogen in ihrer Größe und organisatorischen Struktur: Institutionen, Firmen, regionale und lokale Einrichtungen, etc... Bislang stellen die hohen Kosten sowie die technologische Komplexität für die unterschiedlichen Archivbetreiber ein grosses Hindernis dar ihre eigene Archivpolitik zu planen und umzusetzen, während auf allgemein gültige Richtlinien und Unterstützung von übergeordneten öffentlichen Stellen gewartet wird.
Obwohl die großen Rundfunkanstalten bereits damit begonnen haben, ihre Bestände zu digitalisieren - verbunden mit sehr hohen Kosten und der Anwendung modernster Technologien - besteht die Notwendigkeit nun darin, das Konzept einer „Preservation Factory“ einzuführen, die integrierte halbautomatisierte Lösungen bzw. darauf aufbauende Dienstleistungen zur Verfügung stellt mit dem Ziel, Kosten soweit zu minimieren, dass auch kleinere Sammlungen mit Hilfe von einfachen, standardisierten Verfahren gesichert werden können. Diese Dienstleistungen werden auf die Gegebenheiten der z.T. sehr unterschiedlichen audiovisuellen Bestände zugeschnitten, und zwar hinsichtlich: ökonomischer und sozialer Modelle, Lager-, Software- und auch Personalkosten, sowie von den Archivhaltern angewandter Firmenpolitiken und Praktiken.
Siehe auch: PrestoSpace



