Schulungsprojekte für PatientInnen mit Typ 2 Diabetes

Im Herbst 2000 wurde in Zusammenarbeit mit verschiedenen Institutionen das erste Schulungsprojekt für nicht insulinpflichtige Typ 2 Diabetiker in der Steiermark ins Leben gerufen. Ziel war es, durch gezielte Schulung der PatientInnen im niedergelassenen Bereich das Auftreten der Folgeerkrankungen einzuschränken und den selbstbewussten Umgang mit der Krankheit zu fördern. Dabei sollte vor allem die Schulung im niedergelassenen Bereich gefördert werden, wo die Betreuung dieser PatientInnen ja hauptsächlich stattfindet. Internationale Erfahrungen haben gezeigt, dass aufgeklärte und informierte PatientInnen sorgfältiger mit sich und ihrer Krankheit umgehen. Durch diese strukturierte Betreuung sollte die Erreichung der St. Vincent Ziele forciert werden.  Das Konzept sah die umfassende Dokumentation der teilnehmenden PatientInnen mit einem standardisierten Dokumentationsbogen vor, dem so genannten Basic Information Sheet (BIS). Zusätzlich bot es die Archivierung der Daten in einer zentral verwalteten Datenbank mit der Möglichkeit zur Auswertung durch die einzelnen Teilnehmer. Ein umfangreiches Berichtswesen zum Zwecke des Feedbacks mit Jahresberichten, Quartalsberichten, Einleseberichten komplettierte das Angebot. Erstmals war die Abrechnung der erbrachten Leistung und damit die Honorierung im Rahmen eines Schulungsprojekts mit einer vorab vereinbarten Institution möglich, die sich als Financier zur Verfügung stellte. Schulungsberechtigt sind ÄrztInnen der Allgemeinmedizin und der Inneren Medizin sowie Krankenhausabteilungen.


Geschult wird nach dem zweistufigen Düsseldorfer Schulungsmodell. In der ersten Stufe werden die ÄrztInnen geschult, in der zweiten Stufe schulen diese wiederum die PatientInnen. Nach absolvierter Schulung ist die Abrechnung der Leistung mit der entsprechenden Institution möglich.

Das Institut für Medizinische Systemtechnik und Gesundheitsmanagement hat in den Projekten folgende Aufgaben:

  • Inhaltliche Mitgestaltung der Ärzteschulungen
  • Bereitstellung der Dokumentationsunterlagen
  • Erfassung der Datensätze der Patienten mit dem am Institut entwickelten und betriebenen Web-Informationssystem Healthgate BARS. – Die Dokumentation der geschulten Patienten erfolgte in allen vier Bundesländern auf standardisierte Weise durch die Verwendung des FQSD Basic Information Sheet. Die Dokumentation der pseudoanonymisierten Datensätze konnte entweder auf dem Papierweg oder auch direkt in Healthgate BARS online erfolgen. Die eingegebenen Daten werden gesichert und archiviert. ·  
  • Verwaltung der teilnehmenden Zentren pro Bundesland: Die pro Bundesland zuständigen Stellen können autonom die teilnehmenden Zentren und Benutzer verwalten.
  • Vierteljährliche Erstellung von Feedbackberichten für die teilnehmenden Ärzte
  • Bereitstellung der Online-Anwendung zur Erstellung von Qualitätsmanagement Auswertungen für alle Teilnehmer: Parameter über betrachtetes Patientenkollektiv und Zeitraum können frei gewählt und somit Information interaktiv viel flexibler aufbereitet werden als durch die Berichte auf Papier.
  • Vierteljährliche Erstellung von Datenqualitätsberichten und Übermittlung an den jeweiligen Auftraggeber – diese Datenqualitätsberichte werden z.B. in der Steiermark als Grundlage für die Abrechnung mit den Ärzten verwendet. ·        
  • Jährliche Erstellung eines wissenschaftlichen Abschlussberichts pro Schulungsprojekt in einem Bundesland
  • Medizinische und ökonomische Evaluierung der Projekte

Referenzprojekte
Auch in weiteren österreichischen Bundesländern wurden danach Diabetes Schulungsprojekte gestartet. Inhalte sowie die Infrastruktur für Datenmanagement und Administration wurden aus dem steirischen Projekt übernommen. Deshalb werden mit Stand 2007 Schulungsprojekte aus folgenden Bundesländern von Joanneum Research betreut.

  • Steiermark
  • Salzburg
  • Kärnten
  • Wien

Das Steirische Schulungsprojekt wurde 2000 ins Leben gerufen. Die Idee dahinter war die Entwicklung eines umfassenden Konzepts zur Schulung und Betreuung von steirischen Patienten mit Diabetes mellitus Typ 2, die nicht insulinpflichtig waren. Die Vereinbarung wurde zwischen dem Forum Qualitätssicherung in der Diabetologie (FQSD), der Steiermärkischen Gebietskrankenkasse (StGKK), der Ärztekammer für Steiermark, dem Steiermärkischem Krankenanstaltenfinanzierungsfonds (SKAFF), dem Verband österreichischer DiabetesberaterInnen und einschlägigen Fachvereinigungen getroffen. Seit dem Jahr 2005 war auch das Institut für Medizinische Systemtechnik und Gesundheitsmanagement  Vertragspartner. Begleitend wurden auch Maßnahmen zur Dokumentation der Schulung und der Patientendaten in strukturierter Form, zur Qualitätssicherung in Form eines kontinuierlichen Benchmarkings und zur Evaluation der Ergebnisse des Projekts gesetzt. Seit 2004 werden in der Steiermark auch insulinpflichtige Patienten mit Typ 2 Diabetes mellitus im Rahmen dieses Projektes geschult.

Ergebnisse des Steirischen Typ 2 Schulungsprojektes wurden wissenschaftlich ausgewertet und unter dem Titel "Evaluation of a teaching and treatment program in more than 4000 type 2 diabetic patients after introduction of reimbursement policy for physicians" in der Zeitschrift "Diabetes Care" veröffentlicht. (Medline, zur Studie)

Die Arbeit zeigt die erfolgreiche Implementierung eines strukturierten Schulungs- und Behandlungsprogramms im niedergelassenen Bereich in der Steiermark. Es konnte eine Verbesserung aller Zielparameter erreicht werden. Auch Dokumentation und Untersuchung der Patienten auf Folgeerkrankungen konnten in Genauigkeit und Vollständigkeit verbessert werden.

Der Autor, Dr. Stephan Korsatko, ist Arzt an der Ambulanz für Diabetes und Stoffwechsel der Medizinischen Universität Graz.

Das Bundesland Salzburg entschloss sich 2003 ein eigenes Schulungsprojekt für Typ 2 Diabetiker aufzubauen. Beteiligte Institutionen sind die Landessanitätsdirektion Salzburg, der Arbeitskreis Vorsorgemedizin Salzburg (AVOS), die Salzburger Gebietskrankenkasse und die Salzburger Ärztekammer. Das Konzept der Schulung entspricht weitgehend jenem der Steiermark. Auch hier werden ÄrztInnen und PatientInnen nach dem Düsseldorfer Schulungsmodell geschult. Die Ausbildung der ÄrztInnen erfolgt durch die Salzburger Ärztekammer, die Einführung in die Dokumentation erfolgt durch das Institut für Medizinische Systemtechnik und Gesundheitsmanagement. Die Schulungen der PatientInnen erfolgen im Krankenhaus, im niedergelassenen Bereich und über mobile Teams.

Das Wiener Schulungsprojekt wurde Anfang 2004 ins Leben gerufen. Auftraggeber war die Bereichsleitung für Gesundheitsplanung und Finanzmanagement der Stadt Wien. Projektpartner war das DiabCare Office Vienna (DCO). Als gemeinsam formuliertes Projektziel wurde die Umsetzung einer strukturierten Qualitätssicherung im ambulanten, stationären sowie niedergelassenen Bereich definiert. Das Institut für Medizinische Systemtechnik und Gesundheitsmanagement war auch hier für die Bereitstellung der Dokumentationsinstrumente, das Qualitätsmanagement und die Evaluation des Projekts verantwortlich.

Seit dem Jahr 2005 ist das Institut für Medizinische Systemtechnik und Gesundheitsmanagement auch für die Betreuung des Schulungsprojektes in Kärnten zuständig.

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Ihre Ansprechperson


Auftraggeber

Kärntner Gebietskrankenkasse
www.kgkk.at

Land Steiermark
www.steiermark.at

Landessanitätsdirektion Salzburg
www.salzburg.gv.at

Magistrat der Stadt Wien
www.magwien.gv.at

Partner

AVOS - Arbeitskreis für Vorsorgemedizin Salzburg
www.avos.at

DiabCare Office Vienna

Forum Qualitätssicherung in der Diabetologie - Deutschland
www.fqsd.de

Forum Qualitätssicherung in der Diabetologie - Österreich
www.fqsd.at

Landessanitätsdirektion Kärnten
www.verwaltung.ktn.gv.at

Steiermärkische Gebietskrankenkasse (StGKK)
www.stgkk.gv.at

Ärztekammer für Steiermark
www.aekstmk.or.at