Darf Wissenschaft alles?
Im Zuge des Forschungsdialoges in Kooperation zwischen dem Bundeskanzleramt und JOANNEUM RESEARCH trafen sich am 26. Mai Expertinnen und Experten zum Thema „Ethik in der Forschung“ im Spiegelsaal des Haus des Sportes, Wien.
Der Zweck stellt sich ein. Wissenschaft plant sich selbst.
Prof. Dr. Volker Ladenthin vom Institut für Kommunikationswissenschaften der Universität Bonn eröffnete das 1. Panel des Symposiums mit seinem Grundsatzreferat, seinen zehn Hauptthesen und Forderungen. Er bekräftigte, dass Wissenschaft zweckfrei sein muss, um zu innovativen und kritischen Ergebnissen zu kommen. Seine Forderung nach einem im Sinne der Wissenschaft allgemein bildenden Hochschulstudium, im Zuge dessen die Reflexion geübt und erlernt werden soll, findet in der weiteren Diskussion Platz – „In der Bildung des einzelnen Wissenschaftlers liegt die für eine demokratische Gesellschaft sinnvolle Lösung – Bildung, verbunden mit einer funktionierenden Öffentlichkeit und einer demokratischen d.h. transparenten Politik. Mehr hat die Vernunft nicht zu bieten.“
Alle Forschung muss die Rechte und Würde der Menschen wahren.
Prof. Dr. Peter Suter lieferte einen spannenden Einblick in die Schweizer Demokratie, in der das Volk auch in den ethischen Diskurs eingebunden wird. Weiters erläutert er die Organisation von Ethikkommissionen und ihre interdisziplinäre Bedeutsamkeit. Univ.-Prof. Dr. Ulrich Körtner sprach über die internationalen Instrumente der Bioethik, Zusammenhänge und Kooperationen von Institutionen, die sich mit dem Thema Ethik beschäftigen. Körtner ruft nach ethischer Bildung in Form von Dialogen und Gruppenarbeiten an den Hochschulen. Als Vorsitzende des 1. Panels agierte Dr. Christiane Druml (Vorsitzende der österreichischen Bioethikkommission).
Wissenschaft als l’art pour l’art?
Das 2. Panel mit Univ.-Prof. Dr. Frank Madeo und Univ.-Prof. Dr. Ina Wagner eröffnete als Vorsitzender Hon.-Prof. Dr. Bernhard Pelzl. Madeo sprach für zugängliches, freies Wissen und hinterfragte den Ansatz, Forschung nach ihrer Rentabilität zu beurteilen. Die Frage „Wozu Forschung?“ wurde von ihm mit „Forschung ist schön.“ beantwortet. Wagner zeigte in ihrer Präsentation mit dem Titel „Integration ethischer Aspekte in die Technikforschung“ die Allgegenwärtigkeit ethischer Problemstellungen im Arbeitsalltag.
Jeder darf über Ethik sprechen.
Das Schlussfeuerwerk in Form einer Diskussion mit der Fragestellung „Wer darf über Ethik sprechen?“ moderierte Prof. DDr. Josef Isensee. Teilgenommen haben Univ.-Prof. Dr. Günther Bonn, Univ.-Prof. Dr. Ulrike Felt, Univ.-Prof. Dr. Leopold Neuhold und Mag. Wolfgang Polt.
Eine gelungene Kooperation und eine weitere wichtige Vertiefung des Schwerpunktthemas Ethik.




