Geophysik und Geothermie

Die Erkundung der Struktur und der physikalischen Eigenschaften des Untergrunds in einem Tiefenbereich von wenigen Zentimetern bis zu mehreren Kilometern sowie die Untersuchung von anthropogenen Einlagerungen und die Zustandserhebung von Bauwerken sind zentrale Zielsetzungen von Forschungsprojekten der angewandten Geophysik. Mit Seismik, Bodenradar, Geoelektrik, Magnetik, Gravimetrie, Erschütterungs- und Bohrlochmessungen stehen einzigartige Paletten von Mess- und Bearbeitungsmethoden sowie ein über Jahrzehnte erarbeitetes Fachwissen zur Verfügung. Von besonderer Forschungsrelevanz sind Fragestellungen, die eine komplexe Akquisition und Interpretation von Daten unterschiedlicher Methoden und darauf aufbauend die Ableitung spezifischer Merkmale zur Charakterisierung der Untergrundeigenschaften erfordern. Es sind dies im Wesentlichen die Reservoircharakterisierung in der Kohlenwasserstoffindustrie (KW-Industrie) bzw. die hydraulisch-hydrogeologische Beschreibung von Aquiferen oder hydrothermalen Reservoiren.

Die Reflexionsseismik mit Datenakquisition, Datenprocessing und geowissenschaftlicher Interpretation bildet den Schwerpunkt der Forschungsgruppe. Hier hat in den vergangenen 10 Jahren eine permanente Adaptierung der Methodik hinsichtlich Auflösungsvermögen und Einsatztiefen stattgefunden. Die Exploration und nachhaltige Bewirtschaftung von Tiefengrundwässern bzw. geothermalen Ressourcen basiert auf der komplexen Anwendung von geologisch-geophysikalischen Erkundungsmethoden. In den vergangenen Jahren hat sich die Forschungsgruppe in diesem Bereich durch die Einbeziehung von geophysikalischen Verfahren, die bis dato vorwiegend für die Kohlenwasserstoff-Exploration verwendet wurden (im Speziellen eine kombinierte Anwendung seismischer, bohrloch-geophysikalischer, geologischer und hydrogeologischer Untersuchungen; enge Zusammenarbeit mit nationalen und internationalen Auftraggebern), eine anerkannte und fachlich fundierte Position erarbeitet.

Die methodischen Schwerpunkte liegen bei einer für die jeweiligen Untersuchungstiefen optimierten seismischen Datenakquisition und Bearbeitung sowohl für 2D- als auch 3D-Projekte. Die kompetente geologisch-hydrogeologische Interpretation der geophysikalischen Daten (Seismik, Geoelektrik, geophysikali- sche Bohrlochmessung, Petrophysik) unter Einbeziehung von Bohr- und Pumpversuchsdaten ist ein entscheidendes nationales Alleinstellungsmerkmal. Ziel einer fachlich fundierten Exploration ist eine möglichst dreidimensionale strukturgeologische sowie allenfalls fazielle Modellierung, die die Basis für eine interdisziplinäre hydrogeologische Analyse liefert.

Weitere Anwendungsgebiete der angewandten Geophysik umfassen Problemlösungen im Bereich der Bauwerksuntersuchung (Straßen, Brücken, Tunnels, Dämme und Deiche), der Erkennung von Risikobereichen (Massenbewegungen, Hohlräume, Schwächezonen), der Erkundung und Bewertung von Verdachtsflächen und Altlasten sowie der Ortung unterirdischer Objekte, im Speziellen auch im Zuge der Archäologie.

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