{"id":6541,"date":"2023-04-03T16:06:36","date_gmt":"2023-04-03T14:06:36","guid":{"rendered":"https:\/\/www.joanneum.at\/digital\/?p=6541"},"modified":"2023-10-05T08:48:30","modified_gmt":"2023-10-05T06:48:30","slug":"ueber-antrieb-wende-und-verantwortung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.joanneum.at\/digital\/ueber-antrieb-wende-und-verantwortung\/","title":{"rendered":"\u00dcber Antrieb, Wende und Verantwortung"},"content":{"rendered":"<p><strong>Digitale Mobilit\u00e4tswende: Welche Trends orten Sie?<\/strong><\/p>\n<p><em>R\u00fcther:<\/em> Der gro\u00dfe Trend steckt im Begriff selbst. Die Digitalisierung ist ein wesentlicher Antrieb, um eine nachhaltige Mobilit\u00e4tswende zu schaffen. \u00adDigitalisierung erm\u00f6glicht uns, Mobilit\u00e4t zunehmend als Dienstleistung zu begreifen, die uns von A nach B bringt. Sie \u00ader\u00f6ffnet aber auch neuen Mobilit\u00e4tsanbietern die M\u00f6glichkeit, sich zu integrieren und eine Nische zu besetzen. \u00adE-Scooter sind hier ein anschauliches Beispiel der letzten Jahre.<\/p>\n<p><strong>Ist die Gesellschaft schon dort, wo sie technologisch sein k\u00f6nnte?<\/strong><\/p>\n<p><em>R\u00fcther:\u00a0<\/em>Die Technologie kann M\u00f6glichkeiten bieten, aber sie soll die Anliegen und Bed\u00fcrfnisse unserer Gesellschaft unterst\u00fctzen. Derzeit zeichnet sich ab, dass sich nachhaltige Mobilit\u00e4tskonzepte einfacher in Form zentralisierter Systeme realisieren lassen. Damit erzeugen wir ein Spannungsfeld zwischen dem Bed\u00fcrfnis nach Individualit\u00e4t und der Nachhaltigkeit von Massentransportmitteln. Gerade ein Land mit der Geografie \u00d6sterreichs wird letztlich beides brauchen, hoffentlich in einer nahtlosen Kooperation.<\/p>\n<p><strong>Wo liegen die Stolpersteine, die den Fortschritt hemmen?<\/strong><\/p>\n<p><em>R\u00fcther:\u00a0<\/em>Heute wird die Mobilit\u00e4tswende gleichgesetzt mit multimodalem Verkehr. Das bedeutet, dass wir Verkehrsmittel so kombinieren, wie es am besten unserem Mobilit\u00e4tsbed\u00fcrfnis f\u00fcr bestimmte Strecken entspricht. Die Kunst liegt in der Zusammenarbeit unterschiedlicher Mobilit\u00e4tsanbieter, ohne dabei das Prinzip des freien Wettbewerbs aufgeben zu m\u00fcssen. Die \u00adHerausforderungen beginnen bei scheinbar einfachen Themen wie dem gegenseitigen Informationsaustausch und gehen bis hin zur gemeinsamen Verrechnung einer Transportleistung. An diesen und anderen organisatorischen Themen wird mit Hochdruck gearbeitet, was auch der \u201eAktionsplan Digitale Transformation in der Mobilit\u00e4t\u201c des Bundesministeriums f\u00fcr Klimaschutz, Umwelt, Energie, \u00adMobilit\u00e4t, Innovation und Technologie unterstreicht.<\/p>\n<p><strong>Welche Rolle spielt autonomes Fahren beim Mobilit\u00e4tswendepunkt?\u00a0<\/strong><\/p>\n<p><em>R\u00fcther:\u00a0<\/em>Mit zunehmendem Personalmangel wird es der \u00f6ffentliche Verkehr noch schwerer haben, Verkehrsanbindungen in guter Verbindungsqualit\u00e4t anzubieten. Autonome Shuttles k\u00f6nnen hier auf bestimmten Strecken eine gute Erg\u00e4nzung bieten. Umweltfreundliche autonome Fahrzeuge k\u00f6nnen aber auch das Platzproblem in Ballungsr\u00e4umen entsch\u00e4rfen, wenn sie fern von ihrem Zielort abgestellt werden. Damit kann Raum f\u00fcr alternative Transportmittel geschaffen werden.<\/p>\n<p><strong>Lenkerlose Fahrzeuge sind nach wie vor selten. Warum?<\/strong><\/p>\n<p><em>R\u00fcther:\u00a0<\/em>Technisch und rechtlich abgesicherte Funktionen sind sogar schon sehr weitverbreitet: Spurhalte-, Abstands- und Notbremsassistenten haben ihren Weg in den Massenmarkt gefunden. Einparkhilfen und Spurwechselassistenten sind im Kommen. Derzeit dominieren noch die digitalen Assistenten, da hier die Letztverantwortung bei den Lenker*innen bleibt. Die gro\u00dfe H\u00fcrde liegt wohl nach wie vor in der \u00dcbernahme dieser Verantwortung durch den Hersteller und in einem entsprechenden Zulassungsverfahren, das dann internationale G\u00fcltigkeit hat.<\/p>\n<p><strong>Wie ist Ihre Prognose \u2013 ab wann werden wir in \u00d6sterreich das Steuer aus der Hand geben und lesend am Lenkrad sitzen?<\/strong><\/p>\n<p><em>R\u00fcther:\u00a0<\/em>Unter bestimmten Fahrbedingungen ist das in manchen Fahrzeugen bereits m\u00f6glich. Wir werden diese Weiterentwicklung aber wohl zuerst in Nutzfahrzeugen sehen. Auch wenn das Lesen am Lenkrad komfortabel ist, der gro\u00dfe Nutzen liegt woanders. Ein vollautonomes Fahrzeug l\u00e4sst sich wesentlich einfacher mit anderen teilen und kann Transportauftr\u00e4ge \u00fcbernehmen. In Kombination mit einer umweltfreundlichen Antriebstechnologie werden wir sie in 10 Jahren vermehrt auf unseren Stra\u00dfen sehen.<\/p>\n<p><strong>Auf welche innovativen, umweltvertr\u00e4glichen Verkehrstechnologien w\u00fcrden Sie setzen und welchen Dienstleistungen geben Sie die gr\u00f6\u00dften Chancen am Mobilit\u00e4tsmarkt?<\/strong><\/p>\n<p><em>R\u00fcther:\u00a0<\/em>Ich pers\u00f6nlich gebe integrierten Mobilit\u00e4tsl\u00f6sungen, die auf bestehender Infrastruktur aufbauen, die gr\u00f6\u00dfte Chance. Unsere Verkehrsnetze haben sich \u00fcber viele Jahrzehnte entlang unserer Mobilit\u00e4tsbed\u00fcrfnisse entwickelt. Derzeit sieht man \u00fcberall massive Anstrengungen, die Umweltvertr\u00e4glichkeit weiter zu erh\u00f6hen: auf Schienen, Stra\u00dfen, Seewegen und in der Luftfahrt. Digitalisierung kann hier eine Br\u00fccke zwischen den Systemen schlagen und Mobilit\u00e4t auf einer neuen Ebene anbieten, auf welcher das \u201eGef\u00e4\u00df\u201c, in dem man sich bewegt, eine untergeordnete Rolle einnimmt.<\/p>\n<p><strong>Welche Forschungsthemen spielen bei der digitalen Mobilit\u00e4tswende die Hauptrolle und wo findet sich DIGITAL dabei?<\/strong><\/p>\n<p><em>R\u00fcther:\u00a0<\/em>Die gro\u00dfe Vision ist ein vollintegrierter digitaler Zwilling aller Verkehrssysteme. Mit einer vollst\u00e4ndigen Abbildung der Infrastrukturen und Echtzeit-Information \u00fcber alle Verkehrsmittel und Auslastungen. Auf dieser Basis wird man eine breite Palette an digitalen Services anbieten, aber auch Verkehrsszenarien simulieren und Systeme weiter optimieren k\u00f6nnen. Bis dahin ist es noch ein weiter Weg, aber \u00d6sterreich setzt hier gute Akzente, beispielsweise mit der \u201eVerkehrsauskunft \u00d6sterreich\u201c. Die Forschung entwickelt hier innovative L\u00f6sungen f\u00fcr eine effiziente Erfassung der Daten. Sie treibt aber auch deren Nutzung in Simulation und Prognose voran. Je komplexer das Gesamtsystem, desto mehr wird man sich auf eine automatische Analyse \u2013 beispielsweise durch KI \u2013 verlassen m\u00fcssen, ohne Abstriche in der Sicherheit zu machen. Das wird \u00e4u\u00dferst herausfordernd.<\/p>\n<p><strong>Welche Ziele haben Sie mit Ihrem Team von DIGITAL, die Mobilit\u00e4t f\u00fcr Morgen smarter und gr\u00fcner zu machen?<\/strong><\/p>\n<p><em>R\u00fcther:\u00a0<\/em>Unser Schwerpunkt liegt in der intelligenten Datenerfassung vor Ort und in der Datenbereitstellung als digitale Zwillinge. Verkehrsnetze k\u00f6nnen tausende von Kilometern umfassen und trotz aller Digitalisierung ist teilweise wenig Information verf\u00fcgbar, was drau\u00dfen auf der Strecke tats\u00e4chlich passiert. In vielen Bereichen k\u00f6nnen wir diese L\u00fccke schlie\u00dfen, indem wir etwa den Stra\u00dfenzustand erfassen, um den Stra\u00dfenbelag zu schonen, oder Echtzeitinformation \u00fcber gef\u00e4hrdete Verkehrsteilnehmer*innen erfassen und verteilen. Wir bauen Warnsysteme f\u00fcr eine sichere Mobilit\u00e4t und unterst\u00fctzen auch verkehrslenkende Ma\u00dfnahmen f\u00fcr die Smart-Citys der Zukunft, indem wir unter anderem Ger\u00e4uschemissionen und -immissionen punktgenau erfassen und objektiv bewerten.<\/p>\n<p><strong>Abschlie\u00dfend: Worauf w\u00fcrden Sie zugunsten einer gr\u00fcneren Mobilit\u00e4t verzichten? Ist aus Ihrer Sicht Verzicht oder Umdenken notwendig?<\/strong><\/p>\n<p><em>R\u00fcther:\u00a0<\/em>Mir pers\u00f6nlich ist ein nachhaltiger Lebensstil wichtig, daher verlasse ich mich das ganze Jahr \u00fcber auf mein E-Bike im Stadtverkehr. Neben dem Umweltgedanken erhalte ich eine merkbare Zeitersparnis und bin, zumindest im Stadtbereich, nicht in der Reichweite beschr\u00e4nkt. Mein Fazit ist, es lohnt sich immer, Alternativen in Betracht zu ziehen und die Vorteile zu suchen, anstatt sich auf Einschr\u00e4nkungen zu konzentrieren.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Digitale Mobilit\u00e4tswende: Welche Trends orten Sie? R\u00fcther: Der gro\u00dfe Trend steckt im Begriff selbst. Die Digitalisierung ist ein wesentlicher Antrieb, um eine nachhaltige Mobilit\u00e4tswende zu schaffen. \u00adDigitalisierung erm\u00f6glicht uns, Mobilit\u00e4t zunehmend als Dienstleistung zu begreifen, die uns von A nach B bringt. 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