{"id":105420,"date":"2026-03-03T15:11:04","date_gmt":"2026-03-03T14:11:04","guid":{"rendered":"https:\/\/www.joanneum.at\/?p=105420"},"modified":"2026-03-03T15:13:02","modified_gmt":"2026-03-03T14:13:02","slug":"bildungsaufstieg-studie-zur-erwachsenenbildung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.joanneum.at\/en\/bildungsaufstieg-studie-zur-erwachsenenbildung\/","title":{"rendered":"Bildungsaufstieg als Risiko: Studie zur Erwachsenenbildung"},"content":{"rendered":"<p>Bildungsentscheidungen entstehen nicht aus einem spontanen Impuls, sondern auf Basis einer n\u00fcchternen Risiko-Nutzen-Abw\u00e4gung. Das ist das Ergebnis einer Studie von Joanneum Research POLICIES im Auftrag der Arbeiterkammer Vorarlberg (AK) und des Arbeitsmarktservice Vorarlberg (AMS). Finanzierbarkeit, Vereinbarkeit, Erfolgschancen und Signale der Arbeitgeber sind entscheidend. Studienautor Andreas Niederl r\u00fcckt dabei die Lebensrealit\u00e4t der Betroffenen in den Mittelpunkt: \u201eBildungsentscheidungen sind keine spontanen Impulse \u2013 sie sind das Ergebnis eines sehr bewussten Abgleichs mit der eigenen Lebensrealit\u00e4t\u201c, so Niederl. \u201eF\u00fcr Menschen in stabilen, aber gering qualifizierten Jobs wird Qualifizierung erst dann zum Thema, wenn sie als konkrete Sicherheitsgarantie wahrgenommen wird.\u201c<\/p>\n<h2>Weiterbildung als Absicherung<\/h2>\n<p>Die Untersuchung analysiert die Situation geringqualifizierter Personen in Vorarlberg vor dem Hintergrund eines stabilen, industriell gepr\u00e4gten Arbeitsmarkts mit hoher Nachfrage nach Fachkr\u00e4ften \u2013 insbesondere mit Lehrabschluss. Gleichzeitig zeigt sich: Ein niedriger formaler Bildungsabschluss f\u00fchrt nicht automatisch zu Arbeitslosigkeit oder geringem Einkommen. Viele geringqualifizierte Frauen und M\u00e4nner sind langfristig stabil besch\u00e4ftigt, ein relevanter Teil erzielt vergleichsweise hohe Einkommen.<\/p>\n<p>Weiterbildung wird daher h\u00e4ufig nicht als Aufstiegsinstrument verstanden, sondern als strategische Absicherung \u2013 etwa gegen gesundheitliche Belastungen, betriebliche Umbr\u00fcche oder konjunkturelle Risiken. Entscheidend sind dabei vier Faktoren: finanzielle Realisierbarkeit, Vereinbarkeit mit Erwerbs- und Sorgearbeit, realistische Erfolgsaussichten sowie klare Signale der Arbeitgeber. Besonders relevant sind sogenannte \u201eChancenfenster\u201c \u2013 Phasen wie drohende Arbeitsplatzverluste oder gesundheitlicher Druck, in denen die Bereitschaft zur Ver\u00e4nderung steigt.<\/p>\n<h2>Zentrale Erkenntnisse der Studie<\/h2>\n<ul>\n<li>Geringqualifizierte bilden keine homogene Gruppe. Rund zwei Drittel sind stabil in den Arbeitsmarkt integriert. Ein Teil erzielt hohe Einkommen. Niedrige formale Abschl\u00fcsse sind integraler Bestandteil der regionalen Besch\u00e4ftigungsstruktur.<\/li>\n<li>Trotz hoher Fachkr\u00e4ftenachfrage bleibt die formale H\u00f6herqualifizierung geringqualifizierter Personen niedrig. Bildungsentscheidungen folgen einer rationalen Abw\u00e4gung: Der erwartete Nutzen \u2013 etwa h\u00f6heres Einkommen, geringere k\u00f6rperliche Belastung oder mehr Besch\u00e4ftigungsstabilit\u00e4t \u2013 muss den Aufwand und Risiken klar \u00fcbersteigen. Betriebliche Nachfrage und konkrete Perspektiven sind zentrale Signalgeber.<\/li>\n<li>Zentrale H\u00fcrden liegen weniger in fehlender Motivation als in strukturellen Barrieren: finanzielle Risiken, Opportunit\u00e4tskosten, mangelnde Vereinbarkeit mit Erwerbs- und Sorgearbeit, kumulative Problemlagen, Basisbildungs- und Sprachdefizite sowie fehlende betriebliche Unterst\u00fctzung.<\/li>\n<\/ul>\n<h2>Handlungsans\u00e4tze<\/h2>\n<p>Aus den Ergebnissen leiten AK und AMS konkrete Handlungsans\u00e4tze ab. AMS-Landesgesch\u00e4ftsf\u00fchrer Bernhard Bereuter betont die Bedeutung modularer Ausbildungswege, die in kleinen, planbaren Schritten zu einem Abschluss f\u00fchren. Ebenso notwendig sei eine existenzsichernde finanzielle Absicherung w\u00e4hrend l\u00e4ngerer Qualifizierungsphasen, etwa durch stipendien\u00e4hnliche Modelle. Arbeitsmarktpolitische Stiftungen sollen weiterentwickelt und f\u00fcr Betriebe verst\u00e4ndlicher kommuniziert werden.<\/p>\n<p>AK-Pr\u00e4sident Bernhard Heinzle sieht einen klaren politischen Auftrag: Bildungsentscheidungen seien f\u00fcr viele Menschen existenziell. K\u00fcrzungen bei Bildungskarenz oder im AMS-Budget seien daher das falsche Signal. Notwendig seien realistische Rahmenbedingungen f\u00fcr Qualifizierung w\u00e4hrend aufrechter Besch\u00e4ftigung. Es sei volkswirtschaftlich sinnvoller, Weiterbildung im Erwerbsverh\u00e4ltnis zu erm\u00f6glichen, als Qualifizierung erst im Fall von Arbeitslosigkeit zu finanzieren. Die vom AMS vorgeschlagenen Modul-Modelle bewertet er als richtigen Schritt.<\/p>\n<p>Ein erster konkreter Baustein ist der seit 1. J\u00e4nner 2026 reformierte Vorarlberger Bildungszuschuss mit h\u00f6heren F\u00f6rders\u00e4tzen f\u00fcr Personen mit maximal Pflichtschulabschluss und neuer Einkommensstaffelung. Zudem soll die Beratung ausgebaut und Qualifizierungswege gemeinsam mit Betrieben praxisnah gestaltet werden.<\/p>\n<p><strong>Weitere Infos und die gesamte Studie zum Download:<\/strong> <a href=\"https:\/\/vbg.arbeiterkammer.at\/service\/presse\/Bildungsaufstieg-als-Risiko-AK-und-AMS-Studie.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Arbeiterkammer Vorarlberg<\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bildungsentscheidungen entstehen nicht aus einem spontanen Impuls, sondern auf Basis einer n\u00fcchternen Risiko-Nutzen-Abw\u00e4gung. Das ist das Ergebnis einer Studie von Joanneum Research POLICIES im Auftrag der Arbeiterkammer Vorarlberg (AK) und des Arbeitsmarktservice Vorarlberg (AMS). Finanzierbarkeit, Vereinbarkeit, Erfolgschancen und Signale der Arbeitgeber sind entscheidend. Studienautor Andreas Niederl r\u00fcckt dabei die Lebensrealit\u00e4t der Betroffenen in den Mittelpunkt: [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":39,"featured_media":105426,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[4800,4801,4797,4798,4799,4803,4140,4802],"class_list":["post-105420","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-allgemein","tag-ak-vorarlberg","tag-ams-vorarlberg","tag-bildung","tag-erwachsenenbildung","tag-pressekonferenz","tag-qualifizierung","tag-studie","tag-vorarlberg","institutes-policies","business_areas-politik-und-gesellschaft"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.joanneum.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/105420","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.joanneum.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.joanneum.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.joanneum.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/users\/39"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.joanneum.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=105420"}],"version-history":[{"count":7,"href":"https:\/\/www.joanneum.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/105420\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":105448,"href":"https:\/\/www.joanneum.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/105420\/revisions\/105448"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.joanneum.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media\/105426"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.joanneum.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=105420"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.joanneum.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=105420"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.joanneum.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=105420"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}