{"id":106527,"date":"2026-03-12T10:34:48","date_gmt":"2026-03-12T09:34:48","guid":{"rendered":"https:\/\/www.joanneum.at\/?p=106527"},"modified":"2026-03-12T15:20:43","modified_gmt":"2026-03-12T14:20:43","slug":"co2-technische-innovationen-im-carbon-management","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.joanneum.at\/en\/co2-technische-innovationen-im-carbon-management\/","title":{"rendered":"CO2: Technische Innovationen im Carbon-Management"},"content":{"rendered":"<p>Die technischen M\u00f6glichkeiten, Kohlenstoff aus Abgasen abzuscheiden oder aus der Luft einzufangen, weiterzuverwenden oder dauerhaft zu speichern, standen im Mittelpunkt des dritten Teils der Veranstaltungsreihe \u201eBalanceakt CO<sub>2<\/sub> \u2013 f\u00fcrchtet euch nicht!\u201c, am 10. M\u00e4rz im Minoritenzentrum Graz. Dabei ging es auch um die Frage, ob wir uns diese technischen Innovationen \u00fcberhaupt leisten k\u00f6nnen.<\/p>\n<h2>Was ist Carbon-Management?<\/h2>\n<p>Nach der Er\u00f6ffnung durch den Direktor der Di\u00f6zese Graz-Seckau, Niklas M\u00fcller, gab Martin Beermann von JOANNEUM RESEARCH einen grundlegenden \u00dcberblick \u00fcber die M\u00f6glichkeiten des Carbon-Managements, also des Umgangs mit schwer bzw. nicht vermeidbaren Emissionen und der Verwaltung nat\u00fcrlicher und technischer CO<sub>2<\/sub>-Senken. Dabei stellte er klar: &#8222;Oberste Priorit\u00e4t muss immer die Vermeidung der Emissionen haben.&#8220; Es w\u00fcrden aber Restemissionen verbleiben, die sich technisch nicht vollst\u00e4ndig vermeiden lassen. Dazu z\u00e4hlen etwa Prozessemissionen der Zement- und Kalkproduktion, der Metallindustrie, der Abfallverbrennung sowie Treibhausgas-Emissionen der Landwirtschaft, Abfallwirtschaft und des Flugverkehrs. F\u00fcr die Erreichung des Pariser Klimaziels (+1,5 bis 2\u00b0C) st\u00fcnden drei Bausteine des technischen Carbon-Managements dieser Restemissionen zur Verf\u00fcgung.<\/p>\n<h2>M\u00f6glichkeiten des CO2-Managements<\/h2>\n<ul>\n<li>CO<sub>2<\/sub>-Abscheidung aus dem Rauchgas von Industrieanlagen und anschlie\u00dfende Speicherung (Carbon Capture and Storage CCS)<\/li>\n<li>CO<sub>2<\/sub>-Abscheidung aus dem Rauchgas und anschlie\u00dfende Nutzung (Carbon Capture and Utilisation CCU \/ Carbon Capture Utilisation &amp; Storage CCUS)<\/li>\n<li>CO<sub>2<\/sub>-Entnahme aus der Atmosph\u00e4re und anschlie\u00dfende Speicherung (Carbon Direct Removal CDR)<\/li>\n<\/ul>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.joanneum.at\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/Martin-Beermann_Einleitung-CM_Teil-3.pdf\">Pr\u00e4sentation Martin Beermann: Carbon-Management<\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Karl Rose von der Energie Steiermark pl\u00e4dierte daf\u00fcr, die sch\u00e4dlichen Wirkungen von CO<sub>2<\/sub> durch Kohlenstoffmanagement zu m\u00f6glichst positiven Wirkungen zu verkehren. \u201eWir m\u00fcssen alle unsere Instrumente einsetzen, um den Klimawandel zu verz\u00f6gern\u201c, so Rose. In \u00d6sterreich sei Carbon-Management bisher oft als Nische betrachtet worden oder als Verz\u00f6gerung einer echten Klimastrategie. Diese Skepsis f\u00fchrte 2011 sogar zu einem Verbot der geologischen Speicherung, w\u00e4hrend die EU diese Technologie immer als Teil der L\u00f6sung sah. Angesichts der Tatsache, dass es 20 bis 40 Jahre dauert, bis neue Technologien wirklich in die Praxis gebracht werden, m\u00fcsse bereits jetzt daran gearbeitet werden.<\/p>\n<h2>The lectures<\/h2>\n<h3>CCUS \u2013 Chancen und Grenzen technischer Speicher- und Nutzungsoptionen<\/h3>\n<p>Markus Lehner von der Montanuniversit\u00e4t Leoben referierte \u00fcber die Chancen und Grenzen technischer Speicher- und Nutzungsoptionen: \u201eCCUS (Carbon Capture Utilisation &amp; Storage) ist unverzichtbar. CO<sub>2<\/sub>-Neutralit\u00e4t kann anders nicht erreicht werden&#8220;, so Lehner. \u201eMindestens zehn Prozent der heutigen Emissionen lassen sich nicht einsparen, die m\u00fcssen wir speichern oder im Kreis f\u00fchren\u201c, so Lehner. In einer \u201edefossilierten\u201c Zukunft ist CO<sub>2<\/sub> zudem ein wichtiger Baustein f\u00fcr kohlenstoffhaltige Produkte.\u201c Wird CO<sub>2<\/sub> abgeschieden und gereinigt, kann man daraus beispielsweise Kunststoffe, Baustoffe, Harze oder Lacke herstellen. Allerdings wird daf\u00fcr wiederum eine gro\u00dfe Menge an Energie aus erneuerbaren Quellen ben\u00f6tigt. Zur Umsetzung brauche es industrielle Symbiosen, neue Infrastruktur und transsektorale Zusammenarbeit. Er verwies auf die Notwendigkeit einer Transportinfrastruktur vom Ort der Abscheidung zum Ort der Nutzung oder Speicherung, etwa in Form von Pipelines.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.joanneum.at\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/Markus-Lehner_CCU_S_Vortrag_Balanceakt-CO2_freigegeben.pdf\">Pr\u00e4sentation Markus Lehner<\/a><\/p>\n<h3>Einmal Kalk-Kohlenstoff-Kreislauf und zur\u00fcck \u2013 Wie Zement Kreislauf kann (CCU) und doch nicht ohne letzte Senken auskommt (CCS)<\/h3>\n<p>\u201eOhne CCS geht es nicht\u201c, betonte auch Sebastian Spaun von der Vereinigung der \u00d6sterreichischen Zementindustrie. Er verwies in seinem Vortrag auf die technologische Entwicklung in seiner Branche: \u201eDadurch sei der CO<sub>2<\/sub>-Aussto\u00df pro Tonne Zement deutlich gesunken, es gibt Effizienzsteigerungen in der Produktion, es werden alternative Roh<strong>&#8211;<\/strong>, Brenn-, und Zumahlstoffe verwendet und Material recycelt.\u201c Vielversprechend sei auch die Speicherung von CO<sub>2<\/sub> durch Karbonatisierung von gemahlenem Betonabbruch, der dann als Recyclingmaterial f\u00fcr den Bau neuer Geb\u00e4ude eingesetzt werden k\u00f6nnte. Zudem wurden bereits Pilot-Carbon-Capture-Anlagen errichtet. All das trage dazu bei, den CO2-Aussto\u00df zu reduzieren. Doch es brauche konkrete Schritte seitens der Politik, um Net Zero umzusetzen und den Standort \u00d6sterreich zu sichern, so etwa die Abschaffung des nationalen CCS-Verbots.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.joanneum.at\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/UPDATE-Spaun-20260310__CO2-Kreislauf__Einmal-Kalk-Kohlenstoff-Kreislauf-zurueck__Spaun.pdf\">Pr\u00e4sentation Sebastian Spaun<\/a><\/p>\n<h3>CCUS \u2013 (Wenn) Ja \u2013 (Aber) wie (viel)? \u2013 Potenziale und \u00f6konomische Bewertung von CCU und CCS in \u00d6sterreich<\/h3>\n<p>Valerie Pfeffer-Rodin vom Energieinstitut der JKU Linz stellte das Forschungsprojekt CaCTUS vor:\u00a0 Ziel war es, den m\u00f6glichen Beitrag von Kohlenstoffnutzung (CCU) und Kohlenstoffspeicherung (CCS) zur Erreichung der langfristigen Klimaziele \u00d6sterreichs zu evaluieren. Dazu wurden das technische Potenzial von CCU\/CCS in \u00d6sterreich erhoben, sowie quellenspezifische Klimaauswirkungen und senkenbezogene Netto-Minderungspotenziale von CCU\/CCS. Au\u00dferdem wurden die identifizierten Kohlenstoffpfade und ihr Beitrag zur Klimaneutralit\u00e4t technisch-wirtschaftlich bewertet und derzeitige Hindernisse und regulatorische M\u00e4ngel bewertet. \u201eWichtig ist es, ausreichend und g\u00fcnstig erneuerbare Energie bereitstellen zu k\u00f6nnen\u201c, so Pfeffer-Rodin. Sie betonte die Bedeutung der Kreislaufwirtschaft und der Nutzung von Synergien.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.joanneum.at\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/Ueberblick-CCUS_Pfeffer-Rodin_100326.pdf\">Pr\u00e4sentation Valerie Pfeffer-Rodin<\/a><\/p>\n<h3>CO<sub>2 <\/sub>-Bindung durch leichte Holz-Hybride in hochtechnischen Anwendungen made in Styria<\/h3>\n<p>Ulrich M\u00fcller vom Wood Vision Lab beschrieb in seinem Vortrag die M\u00f6glichkeiten der CO<sub>2 <\/sub>-Bindung durch Holz. Holz kann beispielsweise f\u00fcr Leichtbauteile in der Automobil- oder Flugzeugindustrie zum Einsatz kommen. F\u00fcr die Steiermark sei die Holz- und Forstwirtschaft ein enormer Wirtschaftsfaktor, so M\u00fcller. Als CO<sub>2<\/sub>-Speicher komme dem Rohstoff im Klimawandel eine enorme Bedeutung zu. Die Erderw\u00e4rmung bewirke aber auch, \u201edass wir eine drastische Zunahme an Laubb\u00e4umen haben werden, die es zu verwerten gilt. Wir verf\u00fcgen \u00fcber ein breites Spektrum an Holzeigenschaften. Holz ist heute\u00a0 berechenbar und die Produkte k\u00f6nnen technisch ausgelegt werden.\u201c<\/p>\n<p>In der abschlie\u00dfenden Diskussionsrunde, die von Karl Steininger vom Wegener Center der Universit\u00e4t Graz geleitet wurde, kamen die Vortragenden sowie Martin F. Karner von Weitzer Woodsolutions GmbH zu Wort.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.joanneum.at\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/WVL_CO2_Veranstaltung-10.03.2026.pdf\">Pr\u00e4sentation Ulrich M\u00fcller<\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Conclusions:<\/strong> K\u00f6nnen wir uns diese Technologien nun leisten? Wir k\u00f6nnen sie uns wohl nicht nicht leisten. Denn bestimmte Industrien ben\u00f6tigen sie, um jene Emissionen, die sich nicht einsparen lassen zu kompensieren. Die Technologie ist in vielen Bereichen bereits weit fortgeschritten und umsetzbar. Wichtig sind klare Rahmenbedingungen, eine Aufhebung des \u00f6sterreichischen Verbots der CO<sub>2<\/sub>-Speicherung und der politische Wille.<\/p>\n<h2>Weitere Termine &amp; Nachlese<\/h2>\n<ul>\n<li><strong>Teil 4:<\/strong>\u00a028.04.2026:\u00a0<a role=\"link\" href=\"https:\/\/www.joanneum.at\/en\/events\/teil-4-balanceakt-co2-fuerchtet-euch-nicht\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Gesch\u00e4ftsmodell Klimawandel: Nachhaltig oder Feigenblatt?<\/a><\/li>\n<li><strong>Nachlese Teil 1:\u00a0<\/strong><a role=\"link\" href=\"https:\/\/www.joanneum.at\/en\/wie-viel-co2-vertraegt-die-atmosphaere\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Wie viel CO2 vertr\u00e4gt unsere Atmosph\u00e4re?<\/a><\/li>\n<li><strong><strong>Nachlese Teil 2: <\/strong><\/strong><a href=\"https:\/\/www.joanneum.at\/en\/co2-bindung-land-und-forstwirtin-klimaretter\/\">Natural CO\u2082 sequestration: Farmers and foresters as climate saviours, 15 January 2026<\/a><\/li>\n<\/ul>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<hr \/>\n<p>Balanceakt CO<sub>2<\/sub>\u00a0\u2013 F\u00fcrchtet euch nicht! ist eine Veranstaltungsreihe der JOANNEUM RESEARCH, der\u00a0<a role=\"link\" href=\"https:\/\/www.katholische-kirche-steiermark.at\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><strong>Katholischen Kirche Steiermark<\/strong><\/a>\u00a0und des\u00a0<a role=\"link\" href=\"https:\/\/wegcenter.uni-graz.at\/de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><strong>Wegener Center f\u00fcr Klima und Globalen Wandel der Universit\u00e4t Graz<\/strong><\/a>, in Kooperation mit der\u00a0<a role=\"link\" href=\"https:\/\/stmk.lko.at\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><strong>Landwirtschaftskammer Steiermark<\/strong><\/a>, der\u00a0<a role=\"link\" href=\"https:\/\/www.wood-vision-lab.com\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><strong>Wood Vision Lab GmbH<\/strong><\/a>\u00a0und wird durch das\u00a0<a role=\"link\" href=\"https:\/\/www.wissenschaft.steiermark.at\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><strong>Land Steiermark<\/strong><\/a>\u00a0(Ressort Wirtschaft, Arbeit, Finanzen, Wissenschaft und Forschung) unterst\u00fctzt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die technischen M\u00f6glichkeiten, Kohlenstoff aus Abgasen abzuscheiden oder aus der Luft einzufangen, weiterzuverwenden oder dauerhaft zu speichern, standen im Mittelpunkt des dritten Teils der Veranstaltungsreihe \u201eBalanceakt CO2 \u2013 f\u00fcrchtet euch nicht!\u201c, am 10. 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