{"id":109802,"date":"2026-04-30T14:44:24","date_gmt":"2026-04-30T12:44:24","guid":{"rendered":"https:\/\/www.joanneum.at\/?p=109802"},"modified":"2026-04-30T17:27:03","modified_gmt":"2026-04-30T15:27:03","slug":"klimawandel-co%e2%82%82-zertifikate-als-geschaeftsmodell","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.joanneum.at\/en\/klimawandel-co%e2%82%82-zertifikate-als-geschaeftsmodell\/","title":{"rendered":"Klimawandel: CO\u2082-Zertifikate als Gesch\u00e4ftsmodell"},"content":{"rendered":"<p>Es wird viel \u00fcber gute Gesch\u00e4fte mit Klimazertifikaten gesprochen, manchmal ist sogar von einem neuen Ablasshandel die Rede. Was davon sind seri\u00f6se Gesch\u00e4ftsmodelle? Was genau sind Verschmutzungsrechte? Welche Rolle spielen die Banken bei der Dekarbonisierung der Wirtschaft? Diese und andere Fragen standen beim 4. Und letzten Teil der Diskussionsveranstaltung \u201eBalanceakt CO\u2082 \u2013 F\u00fcrchtet euch nicht!\u201c am 28. April im Minoritenzentrum in Graz zur Debatte.<\/p>\n<p>Nach der Er\u00f6ffnung durch Weihbischof Johannes Freitag von der Di\u00f6zese Graz-Seckau gaben zun\u00e4chst Franz Prettenthaler, Direktor von JOANNEUM RESEARCH LIFE und Josef-Peter Sch\u00f6ggl von der Universit\u00e4t Graz vor knapp 90 Zuh\u00f6rer*innen einen \u00dcberblick \u00fcber die Thematik aus volkswirtschaftlicher und betriebswirtschaftlicher Sicht.<\/p>\n<h2>Verpflichtende und \u2026<\/h2>\n<p>\u201eAlles, was wir auf dieser Erde tun, hat einen CO\u2082-Fu\u00dfabdruck. Manche Aktivit\u00e4ten verursachen Emissionen, die sich leicht und g\u00fcnstig vermeiden lassen, bei anderen ist das nur mit gro\u00dfem Aufwand und hohen Kosten m\u00f6glich \u2013 das ist eine \u00f6konomische Realit\u00e4t\u201c, erkl\u00e4rte Franz Prettenthaler (JOANNEUM RESEARCH). Jede CO\u2082-verursachende Aktivit\u00e4t k\u00f6nne so eingeordnet werden. Er beschrieb auch das System des reglementierten Zertifikatemarkts der EU, bei dem Verschmutzungsrechte vergeben werden. Sein Fazit: \u201eDas Klimaproblem l\u00e4sst sich aus volkswirtschaftlicher Sicht am effizientesten l\u00f6sen, wenn zuerst die g\u00fcnstigsten Einsparungsma\u00dfnahmen umgesetzt werden. Steigende Zertifikatspreise sorgen daf\u00fcr, dass immer mehr Ma\u00dfnahmen wirtschaftlich attraktiv werden, etwa auch das Speichern von Kohlenstoff (CCS).\u201c<\/p>\n<h2>\u2026 freiwillige Klimazertifikate<\/h2>\n<p>Josef-Peter Sch\u00f6ggl (Universit\u00e4t Graz) verwies darauf, dass der Klimawandel nur eines von vielen \u00f6kologischen und sozialen Problemen sei, die unsere heutigen Konsum- und Produktionsmuster verursachen w\u00fcrden. \u201eUmso wichtiger ist eine umfassende Nachhaltigkeitstransformation, in der Produktdesign und Gesch\u00e4ftsmodelle eine Schl\u00fcsselrolle spielen, um Emissionen und Ressourcenverbrauch wirksam zu senken und wirtschaftlichen Erfolg innerhalb \u00f6kologischer und sozialer Grenzen neu zu gestalten.\u201c Freiwillige Zertifikate w\u00fcrden dabei eine untergeordnete Rolle spielen und sollten als Teil einer umfassenden Nachhaltigkeitsstrategie eingeordnet werden. Eine Strategie, die auf neue Gesch\u00e4ftsmodelle beziehungsweise neue Produktgestaltungen abzielt, sollte m\u00f6glichst fr\u00fch in der Entwicklung dieser ansetzen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<hr \/>\n<h3>Arten des CO2-Zertifikatehandels<\/h3>\n<ul>\n<li><strong>Verpflichtender Handel<\/strong> (Compliance Market): beipielsweise Europ\u00e4ischer-Emissionshandel (EU-ETS), nationaler Emissionshandel<\/li>\n<li><strong>Freiwilliger Markt<\/strong> (Voluntary Carbon Market): Unternehmen kompensieren Emissionen freiwillig durch den Kauf von Zertifikaten aus Klimaschutzprojekten, etwa durch Aufforstung, erneuerbare Energien<\/li>\n<\/ul>\n<hr \/>\n<h2>The lectures<\/h2>\n<h3>Bodenkohlenstoffprojekte f\u00fcr den Klimaschutz: L\u00f6sung oder Risiko?<\/h3>\n<p>Sigrun Zwanzger vom Welthaus der Di\u00f6zese Graz Seckau f\u00fchrte die Teilnehmenden nach Afrika. Dort werden zahlreiche Bodenkohlenstoffprojekte f\u00fcr den Klimaschutz durchgef\u00fchrt, die durch den Erwerb von freiwilligen CO2-Zertifikaten durch Unternehmen finanziert werden. Was sinnvoll klingt \u2013 Kohlenstoff in landwirtschaftlichen B\u00f6den zu speichern \u2013, kann durchaus Schattenseiten haben. \u201eDer Markt der freiwilligen Kohlenstoffzertifikate birgt menschenrechtliche und \u00f6kologische Risiken\u201c, so Zwanzger. Am Beispiel eines Soil-Carbon-Projekts in Tansania zeigte sie auf, dass derartige Projekte oft mit fraglichen Klimawirkungen und globalen Macht-Asymmetrien verbunden sind. \u201eEs zeigt sich, wie daraus Druck, Rechtsunsicherheit und Risiken f\u00fcr Landrechte indigener Gemeinschaften entstehen. Gefordert sind verl\u00e4ssliche Verfahren und klare Regeln.\u201c Ihr Appell an die EU: Emissionen innerhalb Europas reduzieren.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.joanneum.at\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/20260428-Praesentation-Bodenkohlenstoffprojekte.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Pr\u00e4sentation Sigrun Zwanzger<\/a><\/p>\n<h3>Neue Erl\u00f6squelle im Forstbetrieb: K\u00f6nnen CO\u2082-Zertifikate den Waldumbau f\u00f6rdern?<\/h3>\n<p>\u201eWir suchen L\u00f6sungen bei uns in Europa\u201c, so Vincenz F\u00fcrstenberg von ESC Climate Solutions. Er zeigte anhand des Projekt ECS Klimawald, wie heimische Forstbetriebe mit freiwilligen CO2-Zertifikaten f\u00fcr die Speicherung des Treibhausgases im Wald Mittel f\u00fcr den Waldumbau und Klimaanpassung mobilisieren k\u00f6nnen: Durch gezielten Waldumbau werden stabile, klimaresistente Baumarten gef\u00f6rdert und instabile reduziert. Gleichzeitig bleiben Holzproduktion und Biodiversit\u00e4t erhalten. F\u00fcr jeden Forstbetrieb wird daf\u00fcr ein individuelles Konzept erstellt. Unternehmen kaufen CO\u2082-Zertifikate aus diesen Projekten, um unvermeidbare Emissionen auszugleichen. \u201eWichtig sind dabei Qualit\u00e4t, Transparenz und Regionalit\u00e4t\u201c, so F\u00fcrstenberg. Waldbesitzer erhalten dadurch zus\u00e4tzliche Einnahmen. So verbindet das Projekt Klimaschutz, wirtschaftlichen Nutzen und den langfristigen Erhalt gesunder W\u00e4lder.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.joanneum.at\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/ECS-Klimawald-Vorstellung-Graz-28042026_pdf.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Pr\u00e4sentation Vincenz F\u00fcrstenberg<\/a><\/p>\n<h3>Klimaschutz als Bonit\u00e4tsfaktor: Der Balanceakt zwischen Transformation und wirtschaftlicher Realit\u00e4t<\/h3>\n<p>Veronika Kulmer und Elisabeth Dobler von der Raiffeisen-Landesbank Steiermark beleuchteten die Rolle der Banken beim Klimaschutz. \u201eUnternehmen werden bei der Finanzierung zunehmend in Bezug auf ihre Nachhaltigkeit bewertet\u201c, betonte Kulmer. Der Green Deal der EU habe Banken zu zentralen Akteuren f\u00fcr die Erreichung der Klimaziele und der Dekarbonisierung gemacht. Sie m\u00fcssen Umwelt-, Sozial- und Governance-Kriterien (ESG) in ihre Bewertungen integrieren und Klimarisiken ber\u00fccksichtigen. Die n\u00f6tigen Investitionen in die Transformation sind hoch und erfordern auch privates Kapital. Banken spielen dabei eine Schl\u00fcsselrolle, indem sie nachhaltige Projekte finanzieren und klimasch\u00e4dliche Gesch\u00e4ftsmodelle zunehmend ausschlie\u00dfen. \u201eVerl\u00e4ssliche ESG-Daten sind Grundlage f\u00fcr Entscheidungen und Risikomanagement\u201c, so Dobler. Klimaschutz ist damit kein freiwilliges Ziel mehr, sondern ein wirtschaftlicher Faktor, der \u00fcber Finanzierung und Zukunftsf\u00e4higkeit entscheidet.<\/p>\n<h2>Panel discussion<\/h2>\n<p>In der abschlie\u00dfenden Diskussionsrunde wurde die Thematik des Zertifikatehandels und des Waldumbaus vertieft, Holz- und Pellets wurden als nachhaltige Energielieferanten thematisiert und Gesch\u00e4ftsmodelle diskutiert.<\/p>\n<p><strong>Die Diskutanten:<\/strong> Martin Halmer (Di\u00f6zese Graz-Seckau), Vincenz F\u00fcrstenberg (ECS Climate Solutions), Doris Stiksl (proPellets Austria), Josef-Peter Sch\u00f6ggl (Universit\u00e4t Graz), Sigrun Zwanzger (Welthaus, Di\u00f6zese Graz-Seckau), Veronika Kulmer (Raiffeisen-Landesbank Steiermark)<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<hr \/>\n<p>Balanceakt CO<sub>2<\/sub> \u2013 F\u00fcrchtet euch nicht! ist eine Veranstaltungsreihe der JOANNEUM RESEARCH, der\u00a0<a href=\"https:\/\/www.katholische-kirche-steiermark.at\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><strong>Katholischen Kirche Steiermark<\/strong><\/a>\u00a0und des\u00a0<a href=\"https:\/\/wegcenter.uni-graz.at\/de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><strong>Wegener Center f\u00fcr Klima und Globalen Wandel der Universit\u00e4t Graz<\/strong><\/a>, in Kooperation mit der\u00a0<a href=\"https:\/\/stmk.lko.at\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><strong>Landwirtschaftskammer Steiermark<\/strong><\/a>, der\u00a0<a href=\"https:\/\/www.wood-vision-lab.com\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><strong>Wood Vision Lab GmbH<\/strong><\/a>\u00a0und wird durch das\u00a0<a href=\"https:\/\/www.wissenschaft.steiermark.at\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><strong>Land Steiermark<\/strong><\/a>\u00a0(Ressort Wirtschaft, Arbeit, Finanzen, Wissenschaft und Forschung) unterst\u00fctzt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es wird viel \u00fcber gute Gesch\u00e4fte mit Klimazertifikaten gesprochen, manchmal ist sogar von einem neuen Ablasshandel die Rede. 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