{"id":110224,"date":"2026-05-06T13:24:50","date_gmt":"2026-05-06T11:24:50","guid":{"rendered":"https:\/\/www.joanneum.at\/?p=110224"},"modified":"2026-05-06T13:38:46","modified_gmt":"2026-05-06T11:38:46","slug":"insights-das-geschaeftsfeld-gesundheit-und-pflege","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.joanneum.at\/en\/insights-das-geschaeftsfeld-gesundheit-und-pflege\/","title":{"rendered":"Insights: Das Gesch\u00e4ftsfeld Gesundheit und Pflege"},"content":{"rendered":"<h3>Was sind die gro\u00dfen Trends im Bereich Gesundheit und Pflege?<\/h3>\n<p>BIRNGRUBER: Zunehmend an Bedeutung gewinnen Pr\u00e4vention, Pr\u00e4zisionsmedizin bzw. personalisierte Medizin. Auch Therapieformen \u00e4ndern sich, Gen- und Zelltherapie kommen in die Anwendung, w\u00e4hrend mRNA-Technologien bereits am Markt angekommen sind (dabei wird dem K\u00f6rper ein Bauplan f\u00fcr ein Antigen geliefert, gegen das der K\u00f6rper eine Immunantwort entwickelt). Gro\u00dfe Themen sind KI, Adipositas, Kreislauferkrankungen und Krebs. In diese Bereiche flie\u00dfen enorme Mengen an Investitionen. KOTZBECK: In der Medikamentenentwicklung geht der Trend dahin, Tierversuche zu vermeiden und stattdessen Systeme zu entwickeln, die n\u00e4her am Menschen sind und die Wirkung von Medikamenten besser voraussagen.<\/p>\n<h3>In welchen Bereichen sind COREMED und HEALTH ganz vorne mit dabei?<\/h3>\n<p>KOTZBECK: In der Entwicklung dieser tierversuchsfreien Medikamententests, sogenannter New Approach Methologies (NAM), aber auch in der Entwicklung geschlechsspezifischer Modelle. Dabei besch\u00e4ftigen wir uns insbesondere mit Unterschieden im Hautbereich. BIRNGRUBER: Wir sind gut bei gewebsspezifischen Untersuchungen, wenn es darum geht, etwas dort zu beobachten, wo es passiert. Dort, wo ein Medikament oder eine Substanz andockt oder sich die Erkrankung befindet. Im Krebs, in der Haut, im Fettgewebe oder im Gehirn. Wir kombinieren gewebsspezifisches Monitoring und Metabolomics (die Analyse von Stoffwechselprodukten). Digitalisierung ist ein gro\u00dfes Thema.<\/p>\n<h3>Was sind die Vorteile, was die Herausforderungen?<\/h3>\n<p>KOTZBECK: Herausforderung ist die Datensicherheit. Vorteil ist die Datenverf\u00fcgbarkeit, wenn alle \u00c4rzt*innen die Patientenakte einsehen k\u00f6nnen. BIRNGRUBER: Die elektronische Gesundheitsakte ist ein gutes Tool, wenn sie nur eingesetzt w\u00fcrde. Durch Bereitstellen und Nutzen von Daten k\u00f6nnen Behandlungen verbessert oder die Wirkung von Gesundheitsma\u00dfnahmen evaluiert werden. Es gibt auch in der Medizin zahlreiche sinnvolle KI-Tools und die gilt es im Krankenhaus auch zuzulassen. Wir m\u00fcssen mutiger werden und neue Technologien auch einsetzen! KOTZBECK: Die Zulassung von KI-Tools ist nicht trivial, man k\u00f6nnte damit aber auch rasch in die Pr\u00e4ventionsschiene reinkommen. Etwa, wenn man bei R\u00f6ntgenaufnahmen mittels KI auch Nebendiagnosen auswertet. Die KI k\u00f6nnte vorklassifizieren, bei Abweichungen k\u00f6nnten Menschen eingreifen.<\/p>\n<h3>Gibt es L\u00e4nder, von denen wir etwas lernen k\u00f6nnen?<\/h3>\n<p>KOTZBECK: Von den skandinavischen L\u00e4ndern in Hinblick auf Pr\u00e4vention. Dort wird Zeit f\u00fcr Sport in den Arbeitsalltag integriert. Sehr sinnvoll ist auch ein Anreizsystem, etwa auch in Hinblick auf Adipositas oder Hautkrebsvorsorge. Durch Pr\u00e4vention lie\u00dfe sich viel Geld sparen. BIRNGRUBER: Die Zusammenarbeit ist international und Pharmafirmen sind international. Ich denke, dass man sich von allen L\u00e4ndern ein gutes oder schlechtes Beispiel nehmen kann. Man sollte \u00fcberlegen, wo man hin will und schauen, wie andere L\u00e4nder das machen. Und dann sollte man es einfach umsetzen. KOTZBECK: Unser Gesundheitssystem ist eines der teuersten, das birgt auch Vorteile. Eine gute Gesundheitsversorgung verursacht Kosten, doch sie sollte uns als Gesellschaft auch etwas wert sein. Privatisierungen im Gesundheitsbereich sehe ich problematisch. Um weiterhin ein gutes und effektives Gesundheitssystem bieten zu k\u00f6nnen, braucht es definitiv eine bessere Ressourcenplanung, aber auch mutigere Entscheidungen.<\/p>\n<h3>Was ist top an unserem Gesundheitswesen?<\/h3>\n<p>KOTZBECK: Der leichte Zugang zu medizinischer Leistung. In den USA beispielsweise f\u00e4llt auf, dass auch j\u00fcngere Menschen bereits auf Gehbehelfe angewiesen sind. BIRNGRUBER: Diabetes oder eine Krebserkrankung kann in den USA den finanziellen Bankrott bedeuten. In Europa befinden wir uns beim Gesundheits- und Bildungssystem\u00a0 wirklich in einer Luxussituation. Die Qualit\u00e4t h\u00e4ngt nicht nur vom pers\u00f6nlichen Verm\u00f6gen ab und die Versorgung ist f\u00fcr alle ann\u00e4hernd gleich. Medizinischer Fortschritt ist teuer. Wie k\u00f6nnen wir auch in Zukunft noch alle davon profitieren? KOTZBECK: Die Anfangsphase einer Neuentwicklung kostet sehr viel und man sollte eine gute Kosten-Nutzen-Rechnung aufstellen. Doch wenn man fr\u00fch schwere Erkrankungen erkennen und verhindern kann, kann man sp\u00e4ter an Krankenhauskosten sparen. Pr\u00e4vention mutet teuer an, ist aber letztlich eine enorme Erleichterung f\u00fcr das System. BIRNGRUBER: Es gilt Ressourcen auf allen Ebenen intelligent einzusetzen, bei der Medikamentenentwicklung, bei der Versorgung im Krankenhaus und zu Hause. Dann kommt es seltener zu station\u00e4ren Aufenthalten und teuren Therapien. So kann man sich auch teure Voruntersuchungen leisten, weil das einen Bruchteil der Kosten einer Behandlung ausmacht.<\/p>\n<h3>Was sind Ihre Aufgaben und Ziele als Gesch\u00e4ftsfeldkoordinator*innen?<\/h3>\n<p>KOTZBECK: Es gilt als Vernetzungshub zu wirken und dort, wo Forschende aus unterschiedlichen Disziplinen<br \/>\nzusammenkommen, etwa bei Kongressen oder Calls, das JOANNEUM-RESEARCH-Netzwerk aktiv nach au\u00dfen zu tragen. Entscheidend ist, das gro\u00dfe Ganze im Blick zu behalten und den Standort gemeinsam mit Partnern zu st\u00e4rken. BIRNGRUBER: Zwischen den Instituten sollen kurze Wege entstehen, sodass schnell Expertise gefunden werden kann. Wichtig ist, keine Chancen f\u00fcr eine Zusammenarbeit zu verpassen und rasch die richtigen Personen zusammenzubringen \u2013 denn genau diese Geschwindigkeit macht erfolgreiche, vernetzte Forschung m\u00f6glich.<\/p>\n<h3>Blicken wir in die Zukunft. Wo wird es in den n\u00e4chsten Jahrzehnten die gr\u00f6\u00dften Fortschritte geben?<\/h3>\n<p>KOTZBECK: Ich denke, wir werden in der Krebstherapie einen gro\u00dfen Sprung machen, auch bei regenerativen Therapien und Zelltherapien bei unterschiedlichen Krankheitsbildern. BIRNGRUBER: Wir werden unser Immunsystem besser verstehen. Sehr vielversprechend sind CAR-T-Zelltherapien, also Immuntherapien bei denen k\u00f6rpereigene T-Zellen gentechnisch so ver\u00e4ndert werden, dass sie Tumorzellen gezielt erkennen und zerst\u00f6ren.<\/p>\n<p><strong>Interview: Petra Mravlak<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Mehr zum <a href=\"https:\/\/www.joanneum.at\/en\/geschaeftsfeld\/gesundheit-pflege\/\">Gesch\u00e4ftsfeld Gesundheit und Pflege<\/a><\/strong><\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Was sind die gro\u00dfen Trends im Bereich Gesundheit und Pflege? BIRNGRUBER: Zunehmend an Bedeutung gewinnen Pr\u00e4vention, Pr\u00e4zisionsmedizin bzw. personalisierte Medizin. 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