{"id":111796,"date":"2026-06-12T12:04:23","date_gmt":"2026-06-12T10:04:23","guid":{"rendered":"https:\/\/www.joanneum.at\/?p=111796"},"modified":"2026-06-12T14:13:14","modified_gmt":"2026-06-12T12:13:14","slug":"lagebild-cybersecurity-2026-zwischen-digitaler-resilienz-und-hybriden-bedrohungen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.joanneum.at\/en\/lagebild-cybersecurity-2026-zwischen-digitaler-resilienz-und-hybriden-bedrohungen\/","title":{"rendered":"Lagebild Cybersecurity 2026: Zwischen digitaler Resilienz und hybriden Bedrohungen"},"content":{"rendered":"<p>Expert*innen aus Wirtschaft, Forschung, Sicherheitsbeh\u00f6rden und Verteidigungspolitik beleuchteten aktuelle Entwicklungen und m\u00f6gliche Handlungsstrategien. Im Zentrum der Veranstaltung stand die Pr\u00e4sentation der aktuellen Studie<strong> \u201eCybersecurity in \u00d6sterreich 2026\u201c<\/strong> of <strong>KPMG<\/strong> und dem <strong>Kompetenzzentrum Sicheres \u00d6sterreich (KS\u00d6)<\/strong>.<\/p>\n<p>Begr\u00fc\u00dfung und Einleitung durch JOANNEUM RESEARCH <strong>Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer Heinz\u00a0Mayer<\/strong> and <strong>Prokurist Helmut Wiedenhofer<\/strong>. Die Veranstaltung moderierte<strong>\u00a0Kathrin\u00a0Ficzko vom ORF<\/strong> and\u00a0<strong>Christian\u00a0Kunstmann vom Bundesministerium f\u00fcr Inneres<\/strong>.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h2><strong>Cyberangriffe bleiben eine der gr\u00f6\u00dften Bedrohungen<\/strong><\/h2>\n<p><strong>Robert Lamprecht, Partner bei KPMG Austria<\/strong> und Co-Autor der 176-seitigen Studie, pr\u00e4sentierte die Ergebnisse der mittlerweile 11. Ausgabe der Untersuchung. Grundlage sind die Angaben von 1.396 \u00f6sterreichischen Unternehmen. Die Studie zeigt, dass Cyberangriffe weiterhin zu den gr\u00f6\u00dften Gesch\u00e4ftsrisiken z\u00e4hlen. Lamprecht: \u201eDie h\u00e4ufigsten Angriffsarten haben es noch immer auf den Faktor Mensch abgesehen. Auf Platz 1 mit 75 % im Jahr 2026 findet man Angriffe via Malware, Schadsoftware, die in einem E-Mail-Anhang mit dabei ist, dahinter folgt mit 69 % die (Spear-)Phishingattacke und mit 58 % die Ausnutzung von Sicherheitsl\u00fccken (Hardware- und Software-Schwachstellen).\u201c Diese dominieren das aktuelle Bedrohungsbild. Lamprecht: \u201eEs ist viel leichter technische Schwachstellen zu umgehen, als knifflige Mails zu formulieren und zu hoffen, dass ein Mensch draufklickt.\u201c Der CEO-Fraud kommt auf den 4. Platz und Scam-Anrufe sind mit 52 % auf Platz 5. Hier gibt es positive Nachrichten, dass die raschen Meldungen der Scam-Rufnummern bei der Rundfunk- und Telekom-Regulierungs-Beh\u00f6rde Wirkung zeigen. Denn in den letzten 12 Monaten hat diese Angriffsart sich von 65 % auf 52 % verbessert. Der Appell von Lamprecht: \u201eAlso weitermachen, damit wir da besser werden.\u201c<\/p>\n<p>Ein besonderes Ph\u00e4nomen, vor allem getrieben durch die geopolitischen Konflikte, ist der Insider Threat: \u201eDas Risiko durch eine Person mit Mitarbeiterausweis innerhalb des Unternehmens, die vielleicht auch durch potenzielle Anf\u00fctterung motiviert ist, hier etwas Schadhaftes zu tun\u201c, erkl\u00e4rt Lamprecht und weist auf eine zus\u00e4tzliche Gefahr aus den eigenen Reihen hin.<\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<h3><strong>Einsatz von k\u00fcnstlicher Intelligenz ver\u00e4ndert die Angriffe<\/strong><\/h3>\n<p>Gleichzeitig ver\u00e4ndert der zunehmende Einsatz von k\u00fcnstlicher Intelligenz die Angriffslandschaft grundlegend: Bereits jedes zweite Unternehmen sieht KI-gest\u00fctzte Cyberangriffe als zentrale Herausforderung. Die Automobilindustrie \u00fcber die Lieferketten und neuerdings der Tourismus sind davon verst\u00e4rkt betroffen. Lamprecht \u201eDas bedeutet aber f\u00fcr uns, dass Cybersecurity l\u00e4ngst nicht mehr ein Thema f\u00fcr einzelne Sektoren ist, sondern zunehmend alle Branchen betrifft \u2013 auch jene, die vorher nicht im Fokus waren.\u201c<\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<h3><strong>KMUs st\u00e4rker von Cyberangriffen betroffen<\/strong><\/h3>\n<p>Fazit ist, wir m\u00fcssen in der Erkennung wieder besser werden. Welche Akteur*innen stecken dahinter und von wem gehen die Bedrohungen aus? Cyberkriminalit\u00e4t ist in der Mitte der Wirtschaft angekommen und es ist bemerkbar, dass die organisierte Kriminalit\u00e4t hier das dominierende Ph\u00e4nomen ist. Hier ist eine leichte Zunahme von F\u00e4llen zu verzeichnen. Es ist auch schwieriger geworden, die Akteur*innen zu identifizieren. Die Zahlen zur Erkennung der Akteure haben sich von 43 % im letzten Jahr auf 63 % im Jahr 2026 verschlechtert. Lamprecht erg\u00e4nzt: \u201eDie Angriffsziele gehen weg von den gro\u00dfen Unternehmen, hin zu den kleinen und mittelst\u00e4ndischen Unternehmen. Und die M\u00f6glichkeiten, die sie dort haben, sind zwar finanziell nicht so besonders gro\u00df, aber die Fl\u00e4che macht es aus.\u201c<\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<h3><strong>Ganzheitliche Strategien gegen die Professionalisierung der Angreifer<\/strong><\/h3>\n<p>Ein weiterer Schwerpunkt der Studie liegt auf Fragen der digitalen Souver\u00e4nit\u00e4t sowie auf der Umsetzung des NISG 2026. Die Ergebnisse verdeutlichen, dass Cybersecurity l\u00e4ngst nicht mehr ausschlie\u00dflich eine technische Aufgabe ist. Gefragt sind ganzheitliche Strategien, die technische Schutzma\u00dfnahmen, organisatorische Resilienz und die Sensibilisierung von Mitarbeiter*innen miteinander verbinden. Die zunehmende Professionalisierung der Angreifer und die wachsende geopolitische Unsicherheit erh\u00f6hen den Handlungsdruck zus\u00e4tzlich. Ein dringender Appell des Cybersicherheits-Experten richtet sich an alle: \u201eEine digitale Gesellschaft, so wie wir es sind, scheitert nicht daran, was sie nicht kann, sondern worauf sie sich zu lange verlassen hat. Gerade deshalb ist Cybersicherheit heute mehr als ein Schutz vor Angriffen. Es ist die bewusste Entscheidung, Verl\u00e4sslichkeit \u00fcber Bequemlichkeit, Nachvollziehbarkeit \u00fcber blo\u00dfe Geschwindigkeit und Verantwortung \u00fcber technologischen Aktionismus zu stellen.\u201c<\/p>\n<p>Und weiter: \u201eCybersecurity ist keine Option. Sie ist Voraussetzung f\u00fcr wirtschaftliches und gesellschaftliches \u00dcberleben. Die eigentliche Frage ist nicht, ob wir investieren, sondern ob wir es uns leisten k\u00f6nnen, es nicht zu tun,\u201c so der Studienautor.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h2><strong>Sicherheit als Forschungs- und Innovationsthema<\/strong><\/h2>\n<p>Zu Beginn der Veranstaltung zeigte <strong>Matthias R\u00fcther, Direktor des Instituts DIGITAL<\/strong> der JOANNEUM RESEARCH, die Bedeutung von Sicherheitsaspekten in den Gesch\u00e4ftsfeldern \u201eSicherheit und Verteidigung\u201c sowie \u201eWeltraum\u201c auf. Anhand aktueller Forschungsaktivit\u00e4ten wurde deutlich, wie digitale Technologien, intelligente Sensorik und moderne Datenverarbeitung zur St\u00e4rkung von Sicherheit, Resilienz und technologischer Souver\u00e4nit\u00e4t beitragen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p><strong>Wirtschaft als Teil der Sicherheitsvorsorge<\/strong><\/p>\n<p><strong>Thomas Fe\u00dfl von der Wirtschaftskammer \u00d6sterreich<\/strong> beleuchtete die Rolle der Wirtschaft im Rahmen der umfassenden Landesverteidigung. Im Fokus standen die Aufgaben der Stabstelle Krisenmanagement und Sicherheitsvorsorge sowie die Bedeutung kritischer Infrastrukturen und resilienter Lieferketten. Dar\u00fcber hinaus zeigte er industrielle Kooperationsm\u00f6glichkeiten im Sicherheits- und Verteidigungsbereich auf und machte deutlich, dass wirtschaftliche Leistungsf\u00e4higkeit und Sicherheit zunehmend zusammen gedacht werden m\u00fcssen.<\/p>\n<p><strong>Sicherheitspolitik im Zeichen hybrider Bedrohungen<\/strong><\/p>\n<p><strong>Gerald Hesztera vom Bundesministerium f\u00fcr Inneres<\/strong> widmete sich der \u00f6sterreichischen Sicherheitsstrategie und der internationalen Zusammenarbeit. Er skizzierte aktuelle sicherheitspolitische Herausforderungen wie hybride Kriegsf\u00fchrung, organisierte Kriminalit\u00e4t und Cyberbedrohungen sowie deren Auswirkungen auf strategische Entscheidungen. Dabei wurde deutlich, dass der Schutz kritischer Infrastrukturen und die Bew\u00e4ltigung komplexer Krisenszenarien immer st\u00e4rker internationale Kooperation erfordern.<\/p>\n<p><strong>Der hybride Krieg gegen Europa<\/strong><\/p>\n<p>Eine geopolitische Einordnung lieferte<strong> Oberst Camillo Nemec vom Bundesministerium f\u00fcr Landesverteidigung<\/strong>. Unter dem Titel \u201eDer hybride Krieg gegen Europa\u201c analysierte er die aktuellen internationalen Konfliktlagen und die zunehmende Bedeutung hybrider Bedrohungen. Neben klassischen milit\u00e4rischen Risiken r\u00fcckten dabei Desinformation, Cyberangriffe, wirtschaftlicher Druck und gezielte Einflussnahme auf demokratische Systeme in den Fokus. Seine zentrale Botschaft: Europa muss seine Resilienz und Verteidigungsf\u00e4higkeit st\u00e4rken, um in einer zunehmend konfrontativen Weltordnung bestehen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p><strong>Wenn St\u00f6rungen die medizinische Versorgung gef\u00e4hrden<\/strong><\/p>\n<p>Welche Auswirkungen Sicherheitskrisen auf das Gesundheitswesen haben k\u00f6nnen, zeigte <strong>Caroline Schober vom Research Center Pharmaceutical Engineering (RCPE)<\/strong>. Unter dem Titel \u201eMedizin unter Stress: Wie viel St\u00f6rung vertr\u00e4gt Versorgungssicherheit?\u201c verdeutlichte sie die hohe Abh\u00e4ngigkeit moderner Gesundheitssysteme von stabilen Lieferketten und funktionierenden Infrastrukturen. Bereits vergleichsweise kleine St\u00f6rungen k\u00f6nnen weitreichende Folgen f\u00fcr die Versorgung mit Medikamenten und medizinischen Leistungen haben. Die Medikamentenversorgung wurde dabei als besonders sensibles Beispiel f\u00fcr die Verwundbarkeit komplexer Systeme dargestellt.<\/p>\n<p><strong>Diskussion: Security &amp; Defence als Chance f\u00fcr die steirische Wirtschaft<\/strong><\/p>\n<p>In der abschlie\u00dfenden Podiumsdiskussion \u201eGesch\u00e4ftsfeld Security &amp; Defence als Chancen f\u00fcr die steirische Wirtschaft\u201c diskutierten unter der Moderation von Kathrin Ficzko (ORF), <strong>Matthias R\u00fcther<\/strong> (JOANNEUM RESEARCH DIGITAL), <strong>Daniela Riegler (Nortal GmbH)<\/strong>, <strong>Lydia Lukas (RLB Steiermark<\/strong>, Expertin f\u00fcr Geldw\u00e4sche- und Terrorismusfinanzierungspr\u00e4vention) sowie <strong>Thomas Propst (Dewetron)<\/strong> \u00fcber die wirtschaftlichen Potenziale eines wachsenden Security-&amp;-Defence-Sektors. Die Diskussion spannte den Bogen von digitaler Resilienz und Cybersicherheit \u00fcber regulatorische Anforderungen bis hin zu neuen Innovations- und Gesch\u00e4ftsm\u00f6glichkeiten f\u00fcr steirische Unternehmen. Dabei wurde deutlich, dass Sicherheit zunehmend zu einem strategischen Wettbewerbsfaktor f\u00fcr Wirtschaft und Gesellschaft wird.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h2><strong>Conclusions<\/strong><\/h2>\n<p>Die Veranstaltung machte deutlich: Cybersecurity ist heute weit mehr als ein IT-Thema. Sie betrifft Wirtschaft, Forschung, Gesundheitswesen und staatliche Institutionen gleicherma\u00dfen. Die aktuelle Studie zeigt, dass technologische Entwicklungen, geopolitische Spannungen und neue regulatorische Anforderungen Unternehmen vor wachsende Herausforderungen stellen. Gleichzeitig wurde klar, dass Resilienz, Zusammenarbeit und Innovation entscheidende Voraussetzungen sind, um diesen Herausforderungen erfolgreich zu begegnen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h2>Pr\u00e4sentationen:<\/h2>\n<ul>\n<li><a href=\"https:\/\/www.joanneum.at\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/KPMG-KSOe-Studie-Cybersecurity-in-Oesterreich-2026-Praesentation-20260611-Joanneum-Stmk.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">KPMG KS\u00d6 Studie Cybersecurity in \u00d6sterreich 2026, Robert Lamprecht<\/a><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.joanneum.at\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/2026_06_11_HESZTERA-BMI.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Sicherheitspolitik im Zeichen hybrider Bedrohungen, Gerald Hesztera<\/a><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.joanneum.at\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/Schober_MedizinStress_JRCybersecurity_2026-06-11_Druck.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><strong>\u00a0<\/strong>Medizin unter Stress: Wie viel St\u00f6rung vertr\u00e4gt Versorgungssicherheit?, Caroline Schober<\/a><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.joanneum.at\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/Praesentation_Thomas-Fessl.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Wirtschaft als Teil der Sicherheitsvorsorge, Thomas Fe\u00dfl<\/a><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.joanneum.at\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/20260611_Lagebild-Cybersecurty-Geschaeftsfeld-Sicherheit.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Die JOANNEUM RESEARCH Sicherheitsaspekte der Gesch\u00e4ftsfelder \u201eSicherheit und Verteidigung\u201c und \u201eWeltraum\u201c, Matthias R\u00fcther<\/a><\/li>\n<\/ul>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h2>Links:<\/h2>\n<p><a href=\"https:\/\/kpmg.com\/at\/de\/media\/publications\/cybersecurity-studie.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">KPMG Cybersecurity in \u00d6sterreich 2026\u00a0<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/kompetenzzentrum-sicheres-oesterreich.at\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Kompetenzzentrum Sicheres \u00d6sterreich (KS\u00d6)<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.silicon-alps.at\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Silicon Alps Cluster<\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Nachbericht von Renate Buchgraber<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Expert*innen aus Wirtschaft, Forschung, Sicherheitsbeh\u00f6rden und Verteidigungspolitik beleuchteten aktuelle Entwicklungen und m\u00f6gliche Handlungsstrategien. 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