{"id":15139,"date":"2023-09-25T12:26:30","date_gmt":"2023-09-25T10:26:30","guid":{"rendered":"https:\/\/www.joanneum.at\/?p=15139"},"modified":"2023-10-10T12:31:44","modified_gmt":"2023-10-10T10:31:44","slug":"die-demokratie-braucht-einen-digitalen-schutzschirm","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.joanneum.at\/en\/die-demokratie-braucht-einen-digitalen-schutzschirm\/","title":{"rendered":"Democracy needs a digital shield"},"content":{"rendered":"<p>Digitalisierung und Internet haben unsere Welt verkleinert und sie radikal ver\u00e4ndert \u2013 mit all ihren positiven und negativen Effekten. Virtuell kann man zu jeder Zeit jeden Ort der Welt erreichen. Freiheit und Demokratie scheinen aktuell global einen Niedergang zu erleben. Es lassen sich eine Polarisierung und der Aufstieg autorit\u00e4rer Politik sowie eine Desillusionierung und der Verlust des Vertrauens der B\u00fcrger*innen in Demokratie, klassische Medien und Wissenschaft beobachten. Soziale Medien tragen dazu bei und Desinformation, Deep Fakes oder generative KI triggern diese Entwicklung. Auch unsere hochgradig digitalisierte Infrastruktur ist verst\u00e4rkt Cyberangriffen ausgesetzt. In einem Arbeitskreis der JOANNEUM RESEARCH beim Europ\u00e4ischen Forum Alpbach kamen Expert*innen aus unterschiedlichen Fachbereichen zusammen, um die Gefahren der neuen digitalisierten Welt und Schutzschilde aufzuzeigen.<\/p>\n<h2>Verbrechen und die Aufl\u00f6sung geografischer Grenzen<\/h2>\n<p>\u201eMan wird sich an uns als die erste Generation der Menschheitsgeschichte erinnern, die sowohl in der realen als auch in der Online-Welt gelebt hat\u201c, so\u00a0<strong>Robert Lamprecht<\/strong>, Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer von\u00a0<a href=\"https:\/\/kpmg.com\/at\/de\/home.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">KPMG<\/a>. Das Internet sei das Beste und zugleich das Schlimmste in unserem Leben: Es hat die Privatsph\u00e4re und die Kriminalit\u00e4t ver\u00e4ndert. Waren Verbrechen fr\u00fcher lokal, so kennt der virtuelle Raum keine geografischen Grenzen und Entfernungen. Cyber Crime ist ein lukratives Business-Modell. Auch die Kriegsf\u00fchrung hat mit dem Internet eine Dimension erhalten, die neuen Mechanismen folgt: Cyberwaffen sind effektiv, leistbar und ihr Einsatz l\u00e4sst sich abstreiten. Mit Cyberwaffen wird, im Gegensatz zu physischen Waffen, im Verborgenen operiert. Die Gefahr, dass westliche Organisationen und Unternehmen attackiert werden, steige mit der Anzahl bewaffneter Konflikte weltweit, so Lamprecht.<\/p>\n<h2>Deep Fake und generative KI<\/h2>\n<p>Digitalisierung habe das organisierte Verbrechen stark ver\u00e4ndert, berichtete\u00a0<strong>Gerald Hesztera<\/strong>, Abteilungsleiter f\u00fcr Strategie, Sicherheitspolitik und Koordinierung im\u00a0<a href=\"https:\/\/www.bmi.gv.at\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Innenministerium<\/a>: Anstelle von starren Organisationen arbeiten nun Netzwerke aus kleinen, unterschiedlichen Gruppen in verschiedenen L\u00e4ndern f\u00fcr eine bestimmte Zeit zusammen, mit dem Ziel, an Geld und Macht zu gelangen. Die n\u00e4chste gro\u00dfe Bedrohung: Deep Fakes. Wenn die \u201eechte\u201c Stimme des Chefs am Telefon die \u00dcberweisung von Geld einfordert (CEO-Fraud) oder die Enkelin bei einem Videotelefonat Hilfe erbittet (Neffentrick) wird die Unterscheidung zwischen Fake und Wirklichkeit schwierig. Und auch generative KI wie Chat GPT bringt Kriminelle rascher ans Ziel: So gen\u00fcgt eine Person, um Propaganda korrekt in unterschiedlichen Sprachen und Tonalit\u00e4ten zu erstellen. F\u00fcr Staaten bedeute all das, dass auch sie im Kampf gegen Kriminalit\u00e4t und Falschinformationen KI einsetzen m\u00fcssen. Dabei sei es sinnvoll, mit NGOs und der Zivilgesellschaft zusammenzuarbeiten. In \u00d6sterreich besteht diesbez\u00fcglich eine Kooperation mit Mimikama, einer Plattform zur Aufkl\u00e4rung von Internetbetrug und Falschmeldungen.<\/p>\n<h2>Souver\u00e4nit\u00e4t und der Erfolg von Falschinformationen<\/h2>\n<p>Demokratie, Freiheit und Souver\u00e4nit\u00e4t gelten als Grundbausteine westlicher Gesellschaften. Versteht man unter Souver\u00e4nit\u00e4t die legitime Kontrolle, die ein Land \u00fcber seine eigenen Angelegenheiten innerhalb seiner Grenzen aus\u00fcbt, frei von \u00e4u\u00dferen Einfl\u00fcssen oder Einmischungen, so scheint dies in unserer globalisierten Welt zunehmend schwierig: Laut European Sovereignty Index ist die Souver\u00e4nit\u00e4t der EU besonders im Technologiebereich gering. Etwa bei Rohstoffen, Halbleitern, der Datenspeicherung oder bei Seekabeln. Desinformation ist eine Gefahr f\u00fcr Freiheit und Autonomie, denn sie funktioniert: \u201eFalsche Informationen verbreiten sich rascher, weiter und tiefer als richtige \u2013 und das, obwohl Sozialen Medien wenig Vertrauen entgegengebracht wird\u201c, so\u00a0<strong>Daniel Wurm<\/strong>, Berater im\u00a0<a href=\"https:\/\/www.bmlv.gv.at\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Verteidigungsministerium<\/a>. Ausgel\u00f6st durch den Ukrainekrieg ist das Erlangen von mehr Souver\u00e4nit\u00e4t ein wichtiges Thema der EU geworden: \u201eVolle Souver\u00e4nit\u00e4t zu erreichen ist kaum m\u00f6glich, es gilt an neuen Konzepten zu geteilter Souver\u00e4nit\u00e4t zu arbeiten\u201c, so Wurm.<\/p>\n<h2>Technologische Schutzschilde<\/h2>\n<p>Der Schutz sensibler Daten ist f\u00fcr Privatpersonen genauso wichtig wie f\u00fcr Unternehmen und \u00f6ffentliche Institutionen. K\u00fcnftige Quantencomputer stellen den sicheren, verschl\u00fcsselten Datentransfer vor neue Herausforderungen, denn bisherige Schutzmechanismen funktionieren in der Quantenwelt nicht mehr.\u00a0<strong>Suvi Lampila<\/strong>\u00a0of\u00a0<a href=\"https:\/\/www.ssh.com\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">SSH<\/a>\u00a0Communications Security Corp befasst sich deshalb mit der Post-Quantum-Kryptografie (PQC): \u201eNoch gibt es derartige, kryptografisch relevante Computer nicht, doch die gef\u00e4hrdeten Daten gibt es bereits. Sie k\u00f6nnten von Angreifern jetzt gespeichert und sp\u00e4ter entschl\u00fcsselt werden\u201c, so Lampila. Deshalb werde an quantensicheren L\u00f6sungen mit PQC gearbeitet, sie k\u00f6nnen die aktuelle Bedrohung des Schl\u00fcsselaustauschs in bestehenden Netzwerkumgebungen bek\u00e4mpfen. Denn eines sei klar: \u201eDer Quanten-Taifun wird fr\u00fcher oder sp\u00e4ter \u00fcber uns hereinbrechen und darauf sollten wir vorbereitet sein.\u201c An sicheren kryptographischen Algorithmen forscht auch\u00a0<strong>Maria Eichlseder<\/strong>, Assistenzprofessorin an der\u00a0<a href=\"https:\/\/www.tugraz.at\/home\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">TU-Graz<\/a>. Sie gab einen Einblick in deren komplexe Architektur und die Entwicklung kryptographischer Standards, die f\u00fcr das Internet aber auch f\u00fcr kleine Ger\u00e4te wie Sensoren in Mobiltelefonen oder medizinischen Ger\u00e4ten (Lightweight Cryptography), essenziell sind.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<ul>\n<li><a href=\"https:\/\/www.alpbach.org\/de\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Europ\u00e4isches Forum Alpbach<\/a><\/li>\n<\/ul>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Digitalisierung und Internet haben unsere Welt verkleinert und sie radikal ver\u00e4ndert \u2013 mit all ihren positiven und negativen Effekten. Virtuell kann man zu jeder Zeit jeden Ort der Welt erreichen. Freiheit und Demokratie scheinen aktuell global einen Niedergang zu erleben. 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