{"id":78480,"date":"2025-06-11T09:41:50","date_gmt":"2025-06-11T07:41:50","guid":{"rendered":"https:\/\/www.joanneum.at\/?p=78480"},"modified":"2025-06-11T13:23:56","modified_gmt":"2025-06-11T11:23:56","slug":"pfingstdialog-2025-europa-im-spannungsfeld","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.joanneum.at\/en\/pfingstdialog-2025-europa-im-spannungsfeld\/","title":{"rendered":"Pfingstdialog 2025: Europa im Spannungsfeld"},"content":{"rendered":"<p>Zwei Tage, ein Ort, viele Perspektiven: Zum Pfingstdialog &#8222;Geist und Gegenwart&#8220; kamen auf Schloss Seggau in der S\u00fcdsteiermark zahlreiche Pers\u00f6nlichkeiten zusammen. In Podiumsdiskussionen, Vortr\u00e4gen und Insieme-Gruppen drehte sich unter dem Leitthema \u201eChallenge.Europe\u201c alles um die Zukunft Europas \u2013 zwischen globalen Krisen, innerer St\u00e4rke und gesellschaftlichem Zusammenhalt.<\/p>\n<p>Zur feierlichen Er\u00f6ffnung des 13. Pfingstdialogs begr\u00fc\u00dfte &#8222;Geist &amp; Gegenwart&#8220;-Koordinator <strong>Herwig H\u00f6sele<\/strong> die zahlreichen G\u00e4ste und betonte die Rolle der Steiermark als Ort eines offenen, liberalen und interdisziplin\u00e4ren Dialogs. Auch Landeshauptmann-Stellvertreterin <strong>Manuela Khom<\/strong> sprach zur Bedeutung Europas als Friedensprojekt: \u201eEuropa ist wie eine Familie. Wir verteidigen seine hohen Werte.\u201c Der steirische Wissenschaftslandesrat <strong>Willibald Ehrenh\u00f6fer<\/strong> forderte mehr Resilienz f\u00fcr Europa: \u201eDie Stimmen aus den Regionen m\u00fcssen st\u00e4rker geh\u00f6rt werden \u2013 Dialog und Diskurs sind der Schl\u00fcssel.\u201c<\/p>\n<p>Ein H\u00f6hepunkt des ersten Tages war die Keynote des Historikers <strong>Christopher Clark<\/strong> (University of Cambridge), der unter dem Titel \u201eDas Ende der \u00d6ffentlichkeit\u201c die zunehmende Verrohung des \u00f6ffentlichen Diskurses durch die Trump-Regierung thematisierte. Er mahnte, Europas Zukunft nicht zu untersch\u00e4tzen. Seine Ausf\u00fchrungen schlossen mit der Warnung, dass Europa vor einer Zerrei\u00dfprobe st\u00fcnde, nicht zuletzt vor dem Hintergrund des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine, denn Europas Existenz steht auf dem Spiel. \u201eWer meint, die Lage in der Ukraine sei ein fernes Land, dessen Schicksal uns nicht direkt tangiert, wer meint die Beihilfe zur Verteidigung der Ukraine sei nichts als Kriegshetze, das sind die Schlafwandler von heute.&#8220;<\/p>\n<p>Im Panel \u201eWer gestaltet den \u00f6ffentlichen Diskurs?\u201c diskutierten unter anderem <strong>Bernhard P\u00f6rksen<\/strong> (Universit\u00e4t T\u00fcbingen) und <strong>Johannes Bruckenberger<\/strong>, Chefredakteur des ORF, die Verantwortung von Medien in Zeiten digitaler Aufmerksamkeits\u00f6konomien.<\/p>\n<p>Den Abschluss des ersten Tages bildete die Debatte \u201eEuropa zwischen Wohlstand und Sicherheit\u201c. Neben <strong>Christopher Clark<\/strong> sprachen <strong>Barbara Stelzl-Marx<\/strong> (Universit\u00e4t Graz) und <strong>Arnold Kammel<\/strong>, Generalsekret\u00e4r im Verteidigungsministerium, \u00fcber Europas sicherheitspolitische Handlungsf\u00e4higkeit. Die zentrale Frage lautete: Kann Europa eine globale Rolle spielen, wenn milit\u00e4rische Kapazit\u00e4ten fehlen?<\/p>\n<h2>Souver\u00e4nit\u00e4t, Selbstbewusstsein &amp; Wissenschaft<\/h2>\n<p>Am zweiten Tag er\u00f6ffnete erneut <strong>Herwig H\u00f6sele<\/strong> die Veranstaltung \u2013 mit dem Hinweis, dass sich die Herausforderungen nicht verringert h\u00e4tten. Im anschlie\u00dfenden Panel \u201eWie viel Souver\u00e4nit\u00e4t ist m\u00f6glich?<em>\u201c<\/em> analysierten <strong>Wolfgang Sch\u00fcssel <\/strong>(Bundeskanzler a. D.), <strong>Gabriel Felbermayr<\/strong> (Direktor des WIFO), <strong>Othmar Karas<\/strong> (Pr\u00e4sident des European Forum Alpbach), <strong>Katrin Praprotnik<\/strong> (Universit\u00e4t Graz) und <strong>Anja Wehler-Sch\u00f6ck<\/strong> (Berliner Tagesspiegel) unter der Moderation von <strong>Hubert Patterer<\/strong>, Chefredakteur der \u201eKleinen Zeitung\u201c, die Spielr\u00e4ume europ\u00e4ischer Selbstbestimmung.<\/p>\n<p><strong>Wolfgang Sch\u00fcssel<\/strong> forderte ein neues Selbstbewusstsein f\u00fcr Europa: \u201eWir m\u00fcssen unsere Freiheit neu definieren.\u201c <strong>Gabriel Felbermayr<\/strong> sah im europ\u00e4ischen Defizitverfahren ein kooperatives Instrument zur Budgetkonsolidierung. <strong>Anja Wehler-Sch\u00f6ck<\/strong> and <strong>Katrin Praprotnik<\/strong> unterstrichen die Rolle der Medien f\u00fcr das \u201eNarrativ Europa\u201c. <strong>Othmar Karas<\/strong> kritisierte: \u201eWir haben uns in Abh\u00e4ngigkeiten begeben, die nicht notwendig waren.\u201c<\/p>\n<p>Seit 2005 bei jedem Pfingstdialog fester Bestandteil des Programms, dienen die tagenden Insiemegruppen der vertiefenden Behandlung von ausgew\u00e4hlten Fragestellungen. In diesem Jahr waren es die Themen \u201eRechtsstaatlichkeit und liberale Demokratie&#8220;, \u201eTechnologie als Machtinstrument&#8220;, \u201eReindustrialisierung durch Aufr\u00fcstung?&#8220; \u201eKann KI Wertsch\u00f6pfung?&#8220;, \u201eSpin-offs&#8220;, \u201eDialogkultur in Zeiten multipler Krisen und Transformationen&#8220;, \u201eEuropean Universities &#8211; Gamechanger oder Selbstzweck?&#8220; und \u201eSoziale Herausforderungen&#8220;. Einigkeit herrschte, dass ein Schl\u00fcssel zur Bew\u00e4ltigung der zahlreichen Herausforderungen eine Hinwendung zu innovativen L\u00f6sungen sein werde.<\/p>\n<p>Am Nachmittag folgte das Panel \u201eAkademische Freiheit als Eckpfeiler europ\u00e4ischer Werte\u201c <strong>mit Andrea Schenker-Wicki<\/strong> (Rektorin, Universit\u00e4t Basel), <strong>Martin Polaschek<\/strong> (ehem. Bildungsminister) und <strong>Hannes Raffaseder<\/strong> (FH St. P\u00f6lten). In Zeiten politischer Polarisierung wurde die Bedeutung unabh\u00e4ngiger Wissenschaft betont.<\/p>\n<p>Den inhaltlichen Schlusspunkt setzte das &#8222;Forum Generale&#8220; mit einer Keynote von Politikwissenschafter <strong>Carlo Masala<\/strong>, der Europa zu mehr au\u00dfenpolitischer Klarheit aufrief. In der abschlie\u00dfenden Diskussion sprachen Wissenschaftslandesrat <strong>Willibald Ehrenh\u00f6fer<\/strong>, <strong>Carlo Masala<\/strong>, <strong>Monika K\u00f6ppl-Turyna<\/strong> (Eco Austria), <strong>Matthias Beck<\/strong> (Universit\u00e4t Wien) und Europaministerin<strong> Claudia Plakolm<\/strong> \u00fcber Zukunftsperspektiven Europas im globalen Kontext. Betont wurde von allen, dass es notwendig sein werde, neue Anstrengungen in allen Lebensbereichen zu unternehmen, um die Herausforderungen in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft zu meistern und eine Zukunft Europas zu gew\u00e4hrleisten.<\/p>\n<h2>Pfingstdialog mit Memorandum von Seggauberg 2025<\/h2>\n<p>Im Zentrum des Memorandums, das den Dialog zusammenfasst, steht die \u00dcberzeugung, dass Europa auch in schwierigen Zeiten handlungsf\u00e4hig ist \u2013 wenn es seine St\u00e4rken erkennt und nutzt. Drei zentrale Herausforderungen wurden identifiziert:<\/p>\n<ul>\n<li><strong>Sicherheitspolitisch:<\/strong> Die EU muss Lehren aus dem Krieg in der Ukraine und einer instabilen transatlantischen Partnerschaft ziehen.<\/li>\n<li><strong>Wirtschaftspolitisch:<\/strong> Europa steht vor der Aufgabe, im Wettbewerb mit den USA, China und den BRICS-Staaten bestehen zu k\u00f6nnen \u2013 durch eine \u00f6kosoziale Marktwirtschaft.<\/li>\n<li><strong>Gesellschaftspolitisch:<\/strong> Die liberale Demokratie und akademische Freiheit m\u00fcssen aktiv verteidigt und gef\u00f6rdert werden.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Das Memorandum schlie\u00dft mit einem Appell an Politik, Wissenschaft, Medien und Zivilgesellschaft: Nur durch gemeinsame Anstrengungen lassen sich Frieden, Freiheit, Wohlstand und \u00f6kologische Nachhaltigkeit bewahren. Europa bleibt ein offenes Projekt \u2013 mit enormem Potenzial.<\/p>\n<h2>Geist &amp; Gegenwart<\/h2>\n<p>Die seit 2005 auf Schloss Seggau stattfindenden Pfingstdialoge \u201eGeist &amp; Gegenwart&#8220; reflektieren die Herausforderungen, Chancen und Problemstellungen Europas. \u201eGeist &amp; Gegenwart&#8220; ist eine Veranstaltungsreihe des Club Alpbach Steiermark, JOANNEUM RESEARCH und Land Steiermark in Kooperation mit der Di\u00f6zese Graz-Seckau. Die Pfingstdialoge werden durch regelm\u00e4\u00dfige Dialogveranstaltungen erg\u00e4nzt.<\/p>\n<hr \/>\n<p><strong>Weitere Infos, Bilder und das Memorandum in voller L\u00e4nge auf <a href=\"https:\/\/www.pfingstdialog-steiermark.at\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">pfingstdialog-steiermark.at<\/a><\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zwei Tage, ein Ort, viele Perspektiven: Zum Pfingstdialog &#8222;Geist und Gegenwart&#8220; kamen auf Schloss Seggau in der S\u00fcdsteiermark zahlreiche Pers\u00f6nlichkeiten zusammen. In Podiumsdiskussionen, Vortr\u00e4gen und Insieme-Gruppen drehte sich unter dem Leitthema \u201eChallenge.Europe\u201c alles um die Zukunft Europas \u2013 zwischen globalen Krisen, innerer St\u00e4rke und gesellschaftlichem Zusammenhalt. Zur feierlichen Er\u00f6ffnung des 13. 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