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3 Fragen an DI Dr. Franz Graf zu akustischen Sensortechnologien

DI Dr. Franz Graf, Credit: JOANNEUM RESEARCH/ Bergmann

DI Dr. Franz Graf ist der Leiter der Forschungsgruppe Intelligente Akustische Lösungen am Institut DIGITAL.

 

Was sind die Vorteile von akustischen Sensortechnologien im Vergleich zu anderen Sensortechnologien?

Die „künstliche“ Nachbildung der menschlichen Wahrnehmung und ihrer Sinne ist eines der großen Ziele von uns Forschern/innen. Das technische Pendant des Gehörsinns sind akustische Sensoren. Diese haben technologisch viele Vorteile und ergänzen – wie auch bei der menschlichen Wahrnehmung – die anderen Sinne, beziehungsweise die Sensoren.

Mit akustischen Sensoren kann man im Gegensatz zu Videokameras „um die Ecke hören“. Sie funktionieren bei Dunkelheit, Nebel und Rauch genauso wie bei schönem Wetter und Gegenlicht. Das sind ganz entscheidende Eigenschaften im realen Einsatz und 24/7-Betrieb. Des Weiteren sind sie sehr klein, kostengünstig und die Bandbreite der Signale ist geringer als beispielsweise bei Videokameras, wodurch man Audiosignale auch einfacher mit Embedded-Systemen oder in größerer Anzahl parallel mittels künstlicher Intelligenz verarbeiten kann.

 

Welche Erfolge gibt es von AKUT, dem akustischen Tunnelmonitoring, zu berichten?

Aktuell betreiben wir AKUT in 30 Straßentunnel mit etwa 1.800 Mikrofonen mit einer Röhrenlänge von mehr als 144 km. Das entspricht in etwa der Strecke von Graz nach Wiener Neustadt. Durch die rasche Detektion von kritischen Ereignissen konnten wir in den letzten Jahren dazu beitragen, die Auswirkungen vieler Unfälle in Tunnel auf ein Mindestmaß zu reduzieren. Auch der letzte Großbrand im Gleinalmtunnel im Herbst 2018 wurde von AKUT zuerst gemeldet.

Entsprechend dem Rahmenvertrag mit der ASFINAG werden bis 2029 noch weitere 26 Tunnel folgen, womit wir im Endausbau in Österreich etwa 3.500 Mikrofone betreiben werden. Aber auch im Ausland sind wir trotz der weltweiten Pandemie aktiv: So stehen wir z.B. in Tschechien kurz vor der Beauftragung der ersten Installation.

 

Wie sind Sie ursprünglich zu Ihrem Fach gekommen?

Wie bei den meisten Akustikern/innen führt der Weg zur Akustik über die Musik. So war es auch bei mir. Nach der Matura an einer HTBL für Elektrotechnik und dem Präsenzdienst bei der Militärmusik standen für mich sowohl eine musikalisch-künstlerische als auch eine technische Laufbahn offen. Ich habe mich dann für das Studium Elektrotechnik-Toningenieur entschieden, um beide Welten vereinen zu können. Schlussendlich hat sich im Zuge des Studiums doch der eingeschlagene technische Weg etabliert. Aber die Musik spielt nach wie vor eine bedeutende Rolle in meinem Leben – auch wenn es jetzt "nur" mein Lieblingshobby und nicht mein Beruf ist.