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Löwenzahn gibt Gummi

Foto: Jan Kirschner (IBOT)

Schon während des Zweiten Weltkriegs waren Forscher weltweit damit beschäftigt, eine Alternative zum Gummibaum (Hevea brasiliensis) zu finden, um Kautschuk herzustellen. Damals bereits im Fokus der Wissenschaft: der Russische Löwenzahn (Taraxacum koksaghyz/TKS). Er ist im Gegensatz zu der bei uns heimischen Löwenzahnpflanze nicht nur kleiner, sondern hat auch einen entscheidenden Vorteil: seine Wurzeln enthalten Kautschuk. Der Russische Löwenzahn ist anspruchslos. Er wächst auf Böden, die zur Produktion von Nutzpflanzen nicht geeignet sind und wäre damit problemlos auch in Europa anbaubar. Deswegen arbeitet derzeit ein europäisches Projektkonsortium – unter anderem mit einem Team der JOANNEUM RESEARCH – daran, diese Pflanze in Europa heimisch zu machen. Dadurch könnte eine ortsunabhängige Quelle zur Gewinnung von Naturkautschuk geschaffen werden. 

Das EU-Projekt „DRIVE4EU – Dandelion Rubber and Inulin Valorization and Exploitation for Europe“ befasst sich mit dieser Herausforderung und ist um einen großflächigen Anbau des Russischen Löwenzahns in heimischen Gefilden bemüht. Die Plattform, bestehend aus zwölf Partnern aus den Bereichen Industrie und angewandter Forschung, zeigt die technische und wirtschaftliche Nutzbarkeit des Russischen Löwenzahns in Hinsicht auf Naturkautschuk- und Inulin-Gewinnung auf. Dieser Naturkautschuk kann nicht nur den Rohstoff zur Reifenherstellung liefern, sondern auch für Produkte wie antiallergische Handschuhe oder Kondome und damit den Kautschuk aus dem allergieauslösenden Gummibaum ablösen. Weiters liefert der Russische Löwenzahn auch Inulin. Inulin kann in der Lebensmittelindustrie verwendet werden oder als so genannte „building blocks“ für Bioplastik. Inulin kann außerdem als Grundstoff zu Herstellung von Fructose und anderen Kohlenhydraten und Derivaten dienen.

Derzeit laufen die ersten Kultivierungsversuche. Die Aufgabe der JOANNEUM RESEARCH im Rahmen des Projektes ist die Erforschung der ökologischen und wirtschaftlichen Aspekte im gesamten Lebenszyklus der Produkte. Zudem zeichnet die steirische Forschungsgesellschaft für die Verbreitung der Projektergebnisse, zum Beispiel durch die Erstellung einer Website oder von Foldern, verantwortlich. Durch die Bewertung mittels Lebenszyklusanalyse und Lebenszykluskostenanalyse werden die Auswirkungen der Naturkautschuk- und Inulinproduktion „von der Wiege bis zur Bahre“ analysiert und mit konventionellen Produkten verglichen. So soll sichergestellt werden, dass sich der großflächige Anbau von Russischem Löwenzahn zur Kautschukproduktion auch wirklich lohnt. „Wir sind stolz darauf, federführend die ökonomischen und ökologischen Perspektiven einer europäischen Naturkautschuk-Produktion bei der JOANNEUM RESEARCH zu erarbeiten, um unsere Forschungsaktivitäten und Entwicklungen für eine wachsende ,biobased Industry‘ weiter auszubauen“, fasst Projektleiterin Mag.a Maria Hingsamer zusammen.

 

Facts & Figures:

  • DRIVE4EU läuft vom 1. Februar 2014 bis 31. Jänner 2018 und hat ein Fördervolumen von rund 4,3 Millionen Euro. Rund 550.000 Euro gehen davon in die Steiermark.
  • DRIVE4EU wird mit Mitteln aus dem 7. Forschungsrahmenprogramm der EU unterstützt.
  • Teilnehmende Länder: Österreich, Deutschland, Tschechische Republik, Niederlande, Belgien, Frankreich und Kasachstan
  • Die Methode Life-Cycle Sustainability Assessment (LCSA) bewertet die Nachhaltigkeit in den drei Dimensionen – Ökologie, Ökonomie, Soziales – entlang des gesamten Lebensweges eines Produktes und einer Dienstleistung mittels wissenschaftlich fundierter Kennzahlen. Relevante Kennzahlen für Nachhaltigkeit sind z.B. der Ressourcenbedarf, Einflüsse auf die Umwelt, die Wertschöpfung, die Relevanz für die Volkswirtschaft sowie soziale Auswirkungen auf die Bevölkerung/Beschäftigte.
  • Ziel der Forschungen ist es, aus dem Russischen Löwenzahn verwertbaren Löwenzahnkautschuk als Alternative zum heute gebräuchlichen Naturkautschuk aus dem Milchsaft des Gummibaums (Hevea brasiliensis) und synthetischen Kautschuk zu gewinnen. Die Gummipartikel, die aus dem Russischen Löwenzahn gewonnen werden, sind denen aus dem Gummibaum sehr ähnlich.

Kontakt:

Mag.a Maria Hingsamer

maria.hingsamer@joanneum.at