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Orientierung am durchschnittlichen Bürger auch für Klimapolitik problematisch

Orientierung am durchschnittlichen Bürger auch für Klimapolitik problematisch
Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus 16 Ländern diskutierten am 2nd World Symposium on Climate Change Communication im Grazer Meerscheinschlössl

Eine neue Studie zeigt auf, dass es massive Unterschiede in der Klimabilanz verschiedener Bevölkerungsgruppen gibt, und diese in der Klimapolitik zu wenig berücksichtigt werden. JOANNEUM RESEARCH LIFE schlägt daher vor, die Klimapolitik künftig wesentlich stärker auf klar definierte Zielgruppen hin auszurichten.

„In unseren Arbeiten zeigt sich immer wieder, dass der ‚durchschnittliche Bürger‘ nicht existiert. Umso interessanter ist es, dass sich Klimapolitik nach wie vor häufig am Bevölkerungsdurchschnitt orientiert. Wenn Klimaschutz-Potenziale allerdings effektiv genutzt werden sollen, ist ein genaues Bild darüber notwendig, wie Lebensverhältnisse und Emissionen zusammenhängen,“ sagt Stephan Schwarzinger von LIFE. Er präsentierte am 2nd World Symposium on Climate Change Communication einen methodisch neuen Zugang, der vor allem auf die Frage fokussiert, aus welchen Gründen verschiedene Bevölkerungsgruppen unterschiedliche Emissionsbilanzen aufweisen. Dabei werden Zielgruppen auf der Grundlage ihres Energiebedarfs und ihrer Emissionsintensität in verschiedenen Lebensbereichen identifiziert. Die Zielgruppen werden dann unter Berücksichtigung ihrer Möglichkeiten und jener Rahmenbedingungen angesprochen, die für sie besonders relevant sind.

„Das Gießkannenprinzip ist auch in der Klimapolitik nicht sehr zielführend. Oft ergibt sich das Problem, dass für große Gruppen die Nutzung einer bestimmten klimafreundlichen Alternative (z.B. öffentlicher Verkehr) zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht praktikabel ist. Durch eine bereichsübergreifende Betrachtung können wir in solchen Fällen Möglichkeiten finden, die Emissionen durch den Verkehr durch CO2-Einsparungen in anderen Bereichen zumindest teilweise zu kompensieren. Dadurch wird das Pariser Klimaabkommen zu einem Projekt, das alle Bevölkerungsgruppen im Rahmen ihrer Möglichkeiten miteinbezieht.“ 

Im Rahmen von 41 Vorträgen diskutierten Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus 16 Ländern am 2nd World Symposium on Climate Change Communication in Graz die neuesten methodischen Entwicklungen und aktuelle Forschungsergebnisse. Ein breites Spektrum an Beiträgen aus Forschung, Politik und Praxis zeigte die Vielfalt an Herausforderungen im Kontext der Klimawandel-Kommunikation. Einigkeit herrschte dabei über die vielfach vorgebrachte Feststellung, dass sowohl Vermeidungs- als auch Anpassungsstrategien ihr Potenzial nur dann ausschöpfen können, wenn eine zielgruppenorientierte Kommunikation stattfindet, die die Lebensrealitäten unterschiedlichster sozialer Gruppen berücksichtigt.