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Wissenschaftliche Integrität im Spannungsfeld

„Das Generieren von Wissen ist ein Diskurs. Dieser ist die absolute Notwendigkeit, zu Konsens zu kommen.“ (Klement Tockner)

Gerade jetzt steht Forschung nicht als Selbstzweck, sondern im Dienst der Menschen im Mittelpunkt. Während großer gesellschaftlicher, wirtschaftlicher und ökologischer Krisen ist es wichtig, dass aktuelle Forschungsergebnisse rasch sichtbar gemacht und diskutiert werden. Die JOANNEUM RESEARCH präsentiert sich nun verstärkt virtuell.

Wolfgang Pribyl, Wolfgang Polt, Caroline Schober-Trummler und Klement Tockner im Studio des Forum JOANNEUM RESEARCH. Credit: JOANNEUM RESEARCH
Wolfgang Pribyl, Wolfgang Polt, Caroline Schober-Trummler und Klement Tockner im Studio des Forum JOANNEUM RESEARCH. Credit: JOANNEUM RESEARCH/Rindler

Am 15. Oktober 2020 fand in der Reihe „Forum JOANNEUM RESEARCH“ die Diskussionsveranstaltung online mit dem Thema "Wissenschaftliche Integrität im Spannungsfeld zwischen Auftrag- und Geldgeber, Rechtsvorschriften, Erwartungshaltungen und Verschwörungstheorien"statt. Gastgeber und JOANNEUM-RESEARCH-Geschäftsführer Univ.-Prof. DI Dr. Wolfgang Pribyl, MBA begrüßte Prof. Dr. Klement Tockner, Präsident des Fonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung (FWF) und Vorstandsvorsitzender der Österreichischen Agentur für wissenschaftliche Integrität (ÖAWI), als Hauptvortragenden. Moderiert wurde die Diskussion von Mag. Wolfgang Polt, Prokurist, POLICIES-Direktor und Ombudsmann für wissenschaftliche Integrität der JOANNEUM RESEARCH. Ebenfalls am Podium vertreten war die Vizerektorin für Forschung und Internationales an der Medizinischen Universität Graz, Mag.aCaroline Schober-Trummler.

Wissenschaft ist, oder sollte es sein, in einer Demokratie – vor allem in Form von Grundlagenforschung – ein Allgemeingut. Aktuell wird so viel über Wissenschaft und Forschung diskutiert wie schon lange nicht mehr. Klement Tockner beleuchtete den einstigen Elfenbeinturm von mehreren Seiten: Das Netzwerk an Ideen – Wissenschaft – baue auf bestehendem Wissen auf. Daher ist das breite Zugänglichmachen von Wissen unerlässlich für Transparenz und (Re)Produktion von Wissen. „Als Wissenschafter muss man sein Wort erheben“, appelliert Tockner an seine Kolleginnen und Kollegen.

Auf der anderen Seite gibt es die Beschränkung des Zugangs zu Wissen etwa in der Auftragsforschung. Beobachtet werden kann, so Wolfgang Polt, dass Auftraggeber versuchen Einfluss zu nehmen auf die Resultate und die Verbreitung von einschlägiger Forschung. Nach Tockner müsse es daher auch transparente Regeln in der Auftragsforschung geben: Auftraggeber dürfen sich nicht einmischen, Studien müssen publiziert, die Daten und Quellen offengelegt werden und die Kommunikation muss aufrecht und verständlich sein. Wissenschaft muss immer unabhängig sein und es muss immer die Bereitschaft da sein, sich Diskussionen zu stellen. Tockner ortet trotz aller diesbezüglichen Bemühungen in Österreich noch ein Fehlen an Ansprechpersonen für wissenschaftliches Fehlverhalten.

Caroline Schober-Trummler brachte die beiden Aspekte Geschwindigkeit und Finanzierung ein. Aktuell herrsche ein großer Druck hinsichtlich der Geschwindigkeit, in der Forschungsergebnisse zu erwarten sind. Dazu seien auch starke Finanzierungsmodelle vonnöten, und zwar nicht nur von der öffentlichen Hand, sondern auch von privaten – industriellen – Investoren, denn die Nutzung der Forschungsergebnisse erfolge schlussendlich ja auch industriell. Eine starke Finanzierung durch die öffentliche Hand wird aber weiterhin notwendig sein, um unabhängige, objektive Wissenschaft betreiben zu können. Wolfgang Polt verwies schließlich noch auf den Umstand, dass an der Sicherung der wissenschaftlichen Integrität auf Seiten der Wissenschaft in den letzten Jahren sehr gearbeitet wurde – unter anderem mit den Aktivitäten der ÖAWI. Auf der anderen Seite ist dagegen die Akzeptanz für wissenschaftliche Integrität und die Bereitschaft auch unbequeme Forschungsergebnisse zu bekommen auf der Seite der Nachfrager (Politik, Unternehmen) nicht immer gegeben. Hier wären verstärkt Diskussionen zu führen.

Kontakt:

Mag. Wolfgang Polt, wolfgang.polt@joanneum.at