Policies

Wissenschaftliche Publikation

RR38 2004/04 "Wirtschaftsbericht Steiermark 2003"

Publikation aus Policies

M. Gruber, DI Clemens Habsburg-Lothringen, MAS (GIS), R. Kurzmann, Mag. Michael Ploder

, 4/2004

Abstract:

Die Konjunktur zeigte in der Steiermark kein einheitliches Bild: Nach einem Rückgang in der ersten Jahreshälfte stieg die abgesetzte Produktion in der Sachgüterproduktion erst ab der zweiten Jahreshälfte wieder an. Über das ganze Jahr hinweg ergab sich jedoch noch ein Rückgang von -0,7 %. Die Gesamtbeschäftigung in der Steiermark entwickelte sich im Österreichdurchschnitt. Nach einem Rückgang 2002 konnte diese 2003 um +0,2 % ausgeweitet werden. Das Wachstum reichte damit nicht aus um den Rückgang des Vorjahres zu kompensieren.
Dem Trend der vergangenen Jahre folgend erfuhr der Sachgüterbereich 2003 mit -1,1 % einen leichten Rückgang, während die Beschäftigung im Dienstleistungsbereich um +1,1 % stieg. Während mittel- bis langfristig der Anteil der Sachgütererzeugung an der Wertschöpfung relativ stabil bleibt, kommt es aufgrund von Produktivitätsgewinnen, Auslagerungen aus der industriellen Produktion sowie endogenem Wachstum innerhalb des Dienstleistungsbereiches zu einer Verschiebung in der Beschäftigungsstruktur.

In den Ausläufern des langsam überwundenen Konjunkturtiefs ist keine Entspannung des Arbeitsmarktes festzustellen. Mit 7,3 % liegt die Arbeitslosenquote in der Steiermark 2003 unmerklich über dem Vorjahrsniveau von 7,2 % (Österreich 2003: 7,0 %; 2002: 6,9 %). Bemerkenswerterweise war die Arbeitslosenquote bei den Männern (wie bereits 2002) höher als bei den Frauen. (Männer: 7,8 %; Frauen: 6,8 %) Der Abstand der Arbeitslosenquote zu Österreich blieb gegenüber dem Vorjahr unverändert.

Von der Steiermark wurden auch im Jahr 2003 beachtliche Mittel im Rahmen der direkten monetären Wirtschaftförderung eingesetzt. Insgesamt wurden im Bereich der Wirtschafts-, Qualifizierungs- und Tourismusförderung des Landes 3.064 Genehmigungen (davon 790 personenbezogene Förderungen) mit einem Fördervolumen im Ausmaß von 102,789 Mio. € zugesagt. Damit ist gegenüber dem Vorjahr die Zahl der Fälle um 14 % und das Fördervolumen (inkl. EFREKofinanzierungsanteile) um 61 % gestiegen, was abgesehen von den EU-Programmen auch auf eine gestiegene Investitionsfreudigkeit der Unternehmen zurückzuführen ist.

Die steirische Industrie hat nach den Strukturschwächen der achtziger und frühen neunziger Jahre erstaunliche Anpassungsfähigkeit bewiesen. Der Umstrukturierungsprozess wurde nicht nur von der Fahrzeugindustrie, sondern von einer breiten Branchenpalette mitgetragen. Ein schrittweises technologisches Up-grading ermöglichte einen Übergang vom Preiswettbewerb am Massenmarkt zum Qualitätswettbewerb in Nischensegmenten. Anhand der vorliegenden Daten bestätigt sich in dynamischen Bereichen einhergehend mit entsprechendem Wachstum ein Zusammenspiel von hoher Sachkapitalinvestition, guter Humankapitalausstattung, Forschungsaktivitäten und überdurchschnittlicher Exportorientierung.

Künftige Herausforderungen für die Steiermark betreffen damit zum einen die Sicherung der vorhandenen Stärken und zum anderen den Ausbau von Kompetenzen in neue technologieorientierten Bereiche. Ansässige international aktive und mit der Wissensinfrastruktur gut kooperierende Großunternehmen bilden eine starke Innovationsspitze in der Steiermark, die Innovationsaktivitäten auch gut in wirtschaftliche Erfolge umsetzen kann. In Hinkunft gilt es eine Verbreiterung der Innovationsspitze mit gezielten Maßnahmen auf der Ebene von Mittelbetrieben anzustreben. Ein wesentlicher Faktor wird dabei auch die Intensivierung grenzüberschreitender Kooperationen mit Süd-Ost-Europa sein, welche über die interregionale Arbeitsteilung, d.h. Fragmentierung der Wertschöpfungskette über die Ländergrenzen hinweg, zu einer Anhebung des technologischen Niveaus auf beiden Seiten führen können. Wenngleich die Entwicklungspotentiale für unternehmensnahe Dienstleistungsunternehmen aufgrund fehlender Agglomerationsvorteile teilweise beschränkt sind, gilt es umso mehr die Internationalisierung endogen gewachsener Dienstleister rund um die vorhandene Ingenieurskompetenz zu forcieren.

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