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gendERC – Gendered dimensions in ERC grant selection

 

Ziel dieses Projekts, das von Dr.in Helene Schiffbänker von POLICIES geleitet und gemeinsam mit  der VU Amerstdam und tecnalia bearbeitet wurde, war die Identifizierung möglicher geschlechtsspezifischer Einflüsse auf die Bewertung der ERC (European Research Council) Starting Grant.

Dafür wurden die Konstruktion von wissenschaftlicher Exzellenz und der Peer-Review-Prozess allgemein ebenso betrachtet wie die Zusammensetzung der Review-Panels.

Die Erfolgsquoten von Frauen schwanken zwischen den Panels, aber auch zwischen den zwei Schritten im Evaluierungsprozess: Die folgende Abbildung zeigt dies für die ERC-StG panels 2014:

Die Ergebnisse zeigen, dass tatsächlich ein Gender-Bias besteht, dh dass die niedrigeren  Erfolgsquoten von weiblichen Antragstellenden im Vergleich zu männlichen Antragstellern nicht durch eine niedrigere Past-Performance erklärt werden können. Die Analyse des Bewertungsprozess zeigt Ansatzpunkte für eine Optimierung des Auswahlprozesses auf unterschiedlichen Ebenen:

  1. Exzellenzkonstruktion: Durch eine exaktere Definition von Exzellenz und die Festlegung entsprechender Kriterien könnte die Bewertung der Antragstellenden und der Projektvorschläge exakter gestaltet werden. Eine stärkere Vergleichbarkeit kann durch die Nennung entsprechender  Indikatoren erreicht werden.
  2. Dabei ist in Betracht zu ziehen, dass die Kriterien zur Definition von Exzellenz selber gegendert sein können. Forschungen zeigen, dass bspw. Publikationen von verfügbaren Ressourcen abhängen, Frauen stehen aufgrund verstärkter Betreuungsaktivitäten weniger Zeit und weniger Netzwerke, aufgrund struktureller Ungleichheiten in der Wissenschaft weniger Führungspositionen, Mitarbeiter/innen etc zur Verfügung. Publikationen von Frauen werden seltener in hochprestigen wissenschaftlichen Journalen publiziert und später seltener zitiert. Daher ist es für Frauen in Durchschnitt schwieriger als für Männer, die  wissenschaftlichen Output-Indikatoren zu erfüllen. Die gleiche Anwendung eines Indikators auf Ungleiche im Wissenschaftssystem verfestigt also Ungleichheit.
  3. Interview mit Panel-Mitgliedern haben gezeigt, dass Kriterien und Indikatoren unsystematisch und entsprechend den individuellen Präferenzen der Panel-Mitglieder angewendet werden; dies betrifft sowohl die Auswahl der angewendeten Kriterien als auch deren Gewichtung. Weil verbindliche Operationalisierungen und Richtlinien fehlen, sind die Entscheidungsprozesse suboptimal: Es  unterscheidet sich die Handhabe sowohl zwischen den 25 Panels wie auch innerhalb eines Panels.
  4. Die suboptimalen Entscheidungsprozesse führen schließlich auch dazu, dass Kriterien unterschiedlich auf Bewerberinnen und Bewerber angewendet werden: So werden bei männlichen  Bewerbern Mobilität oder Unabhängigkeit, zwei stärker männlich konnotierte Eigenschaften, weniger häufig überprüft, wovon männliche Bewerber profitieren.
  5. Schließlich zeigen die Daten auch, dass ein höherer Anteil von Frauen in den Panels nicht zu höheren Erfolgsquoten von Frauen führt: In Panels mit hohem Frauenanteil ist der Anteil geförderter Frauen geringer.

Basierend auf diesen Ergebnissen wurden Empfehlungen entwickelt, wie Forschungsförderagenturen einem möglichen Gender Bias entgegenwirken können.

 

 

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