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Newsbeitrag - 
COREMED

Medizin muss den Menschen in seiner Vielfalt sehen

Interview mit Petra Kotzbeck, Direktorin von COREMED, dem Zentrum für Regenerative Medizin und Präzisionsmedizin der JOANNEUM RESEARCH.

Petra Kotzbeck

Petra Kotzbeck, Institutsdirektorin COREMED, Foto: JOANNEUM RESEARCH/Bergmann

Mich fasziniert die Frage, wie wir Regeneration besser verstehen und Menschen helfen können, deren Heilungsprozesse gestört sind. Gerade in einer alternden Gesellschaft wird dieses Wissen immer wichtiger.
Petra Kotzbeck, Direktorin Institut COREMED

Petra Kotzbeck, welche Entwicklungen werden die Medizin künftig besonders prägen?

Wir erleben derzeit einen tiefgreifenden Wandel. Medizin wird zunehmend individueller. Ziel ist es, Krankheiten früher zu erkennen und Therapien besser auf einzelne Menschen abzustimmen. Dafür brauchen wir ein noch besseres Verständnis biologischer Prozesse und moderne Technologien, die uns dabei unterstützen.

 

Ein großes Zukunftsthema ist die Präzisionsmedizin. Was bedeutet das konkret für Patientinnen?

Präzisionsmedizin bedeutet, dass wir stärker berücksichtigen, dass Menschen unterschiedlich sind. Nicht jede Patientin reagiert gleich auf eine Therapie. Je besser wir biologische Unterschiede verstehen, desto gezielter können wir Behandlungen auswählen und ihre Wirksamkeit verbessern.

 

Wo liegen aktuell die größten Herausforderungen in der Diagnostik?

Krankheiten sind oft deutlich komplexer, als wir lange angenommen haben. Deshalb sollten wir nicht erwarten, dass ein einzelner Biomarker alle Antworten liefert. Um Erkrankungen besser zu verstehen, müssen wir verschiedene Informationen zusammenführen und im Gesamtbild betrachten.

 

Ein Thema, das viele Frauen betrifft, ist die geschlechtersensible Medizin. Warum braucht es hier mehr Aufmerksamkeit?

Weil Frauen und Männer nicht immer gleich auf Medikamente reagieren und Symptome unterschiedlich ausgeprägt sein können. Lange Zeit orientierten sich Forschung und Therapieentwicklung häufig am männlichen Standard. Diese Unterschiede stärker zu berücksichtigen, verbessert die Qualität medizinischer Versorgung für alle.

 

Wundheilung ist Ihr Spezialgebiet. Warum fasziniert Sie dieses Forschungsfeld bis heute?

Wundheilung zeigt eindrucksvoll, welche Fähigkeiten im menschlichen Körper stecken. Gleichzeitig wird deutlich, wie komplex diese Prozesse sind. Mich fasziniert die Frage, wie wir Regeneration besser verstehen und Menschen helfen können, deren Heilungsprozesse gestört sind. Gerade in einer alternden Gesellschaft wird dieses Wissen immer wichtiger.

 

Mit ihrer Ernennung zur Direktorin gehören Sie zu den wenigen Frauen in einer Spitzenposition der Forschungslandschaft. Welche Bedeutung hat das für Sie?

Ich freue mich über das Vertrauen, das mit dieser Aufgabe verbunden ist. Gleichzeitig ist es mir ein Anliegen, Frauen in Führungspositionen sichtbarer zu machen. Vielfalt in Teams und Führungsebenen bringt unterschiedliche Perspektiven zusammen – und genau das brauchen wir auch in Forschung und Innovation. Ich finde es auch wichtig, dass sich alternative Führungsmodelle etablieren. Lars-Peter Kamolz und ich teilen uns die Führung von COREMED.

 

Welchen Rat geben Sie jungen Frauen, die eine Karriere in Wissenschaft oder Management anstreben?

Sich etwas zuzutrauen und Chancen aktiv zu ergreifen – „Ja“ sagen im richtigen Moment. Es lohnt sich, den eigenen Weg konsequent zu verfolgen und die eigene Expertise sichtbar zu machen.

 

Zur Person

Petra Kotzbeck begann 2018 als Senior Scientist bei COREMED. Rasch wurde sie Leiterin der Forschungsgruppe „Geweberegeneration und Wundheilung“, kurz darauf stellvertretende Direktorin. Sie ist auch assoziierte Professorin der Klinischen Abteilung für Plastische, Ästhetische und Rekonstruktive Chirurgie der Medizinischen Universität Graz und leitet dort die „Research Unit for Tissue Regeneration, Repair and Reconstruction”. Ihre Forschungsschwerpunkte sind Regenerative Medizin, Wundheilung, Inflammation und Metabolismus.

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