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CO2: Technische Innovationen im Carbon-Management

Veranstaltungsreihe Balanceakt CO2: Welche technischen Möglichkeiten gibt es, um Kohlenstoff aus Abgasen abzuscheiden oder der Atmosphäre zu entnehmen und diesen sinnvoll weiterzuverwenden bzw. dauerhaft zu speichern?

Balanceakt CO2 - Technische Innovationen im Carbon-Management: Helmut Wiedenhofer (JOANNEUM RESEARCH), Karl Steininger (Wegener Center, Universität Graz), Ulrich Müller (Wood Vision Lab), Markus Lehner (Montanuniversität Leoben), Sebastian Spaun (Österreichische Zementindustrie), Gabriele Katz & Martin Beermann (JOANNEUM RESEARCH), Karl Rose (Energie Steiermark), Martin F. Karner (Weizer Woodsolutions), Niklas Müller (Diözese Graz-Seckau)

Balanceakt CO2: Helmut Wiedenhofer (JOANNEUM RESEARCH), Karl Steininger (Wegener Center, Universität Graz), Ulrich Müller (Wood Vision Lab), Markus Lehner (Montanuniversität Leoben), Sebastian Spaun (Österreichische Zementindustrie), Gabriele Katz & Martin Beermann (JOANNEUM RESEARCH), Karl Rose (Energie Steiermark), Martin F. Karner (Weitzer Woodsolutions), Niklas Müller (Diözese Graz-Seckau) v.l., Foto: JOANNEUM RESEARCH/Kubista

Die technischen Möglichkeiten, Kohlenstoff aus Abgasen abzuscheiden oder aus der Luft einzufangen, weiterzuverwenden oder dauerhaft zu speichern, standen im Mittelpunkt des dritten Teils der Veranstaltungsreihe „Balanceakt CO2 – fürchtet euch nicht!“, am 10. März im Minoritenzentrum Graz. Dabei ging es auch um die Frage, ob wir uns diese technischen Innovationen überhaupt leisten können.

Was ist Carbon-Management?

Nach der Eröffnung durch den Direktor der Diözese Graz-Seckau, Niklas Müller, gab Martin Beermann von JOANNEUM RESEARCH einen grundlegenden Überblick über die Möglichkeiten des Carbon-Managements, also des Umgangs mit schwer bzw. nicht vermeidbaren Emissionen und der Verwaltung natürlicher und technischer CO2-Senken. Dabei stellte er klar: „Oberste Priorität muss immer die Vermeidung der Emissionen haben.“ Es würden aber Restemissionen verbleiben, die sich technisch nicht vollständig vermeiden lassen. Dazu zählen etwa Prozessemissionen der Zement- und Kalkproduktion, der Metallindustrie, der Abfallverbrennung sowie Treibhausgas-Emissionen der Landwirtschaft, Abfallwirtschaft und des Flugverkehrs. Für die Erreichung des Pariser Klimaziels (+1,5 bis 2°C) stünden drei Bausteine des technischen Carbon-Managements dieser Restemissionen zur Verfügung.

Möglichkeiten des CO2-Managements

  • CO2-Abscheidung aus dem Rauchgas von Industrieanlagen und anschließende Speicherung (Carbon Capture and Storage CCS)
  • CO2-Abscheidung aus dem Rauchgas und anschließende Nutzung (Carbon Capture and Utilisation CCU / Carbon Capture Utilisation & Storage CCUS)
  • CO2-Entnahme aus der Atmosphäre und anschließende Speicherung (Carbon Direct Removal CDR)

 

Präsentation Martin Beermann: Carbon-Management

 

Karl Rose von der Energie Steiermark plädierte dafür, die schädlichen Wirkungen von CO2 durch Kohlenstoffmanagement zu möglichst positiven Wirkungen zu verkehren. „Wir müssen alle unsere Instrumente einsetzen, um den Klimawandel zu verzögern“, so Rose. In Österreich sei Carbon-Management bisher oft als Nische betrachtet worden oder als Verzögerung einer echten Klimastrategie. Diese Skepsis führte 2011 sogar zu einem Verbot der geologischen Speicherung, während die EU diese Technologie immer als Teil der Lösung sah. Angesichts der Tatsache, dass es 20 bis 40 Jahre dauert, bis neue Technologien wirklich in die Praxis gebracht werden, müsse bereits jetzt daran gearbeitet werden.

The lectures

CCUS – Chancen und Grenzen technischer Speicher- und Nutzungsoptionen

Markus Lehner von der Montanuniversität Leoben referierte über die Chancen und Grenzen technischer Speicher- und Nutzungsoptionen: „CCUS (Carbon Capture Utilisation & Storage) ist unverzichtbar. CO2-Neutralität kann anders nicht erreicht werden“, so Lehner. „Mindestens zehn Prozent der heutigen Emissionen lassen sich nicht einsparen, die müssen wir speichern oder im Kreis führen“, so Lehner. In einer „defossilierten“ Zukunft ist CO2 zudem ein wichtiger Baustein für kohlenstoffhaltige Produkte.“ Wird CO2 abgeschieden und gereinigt, kann man daraus beispielsweise Kunststoffe, Baustoffe, Harze oder Lacke herstellen. Allerdings wird dafür wiederum eine große Menge an Energie aus erneuerbaren Quellen benötigt. Zur Umsetzung brauche es industrielle Symbiosen, neue Infrastruktur und transsektorale Zusammenarbeit. Er verwies auf die Notwendigkeit einer Transportinfrastruktur vom Ort der Abscheidung zum Ort der Nutzung oder Speicherung, etwa in Form von Pipelines.

Präsentation Markus Lehner

Einmal Kalk-Kohlenstoff-Kreislauf und zurück – Wie Zement Kreislauf kann (CCU) und doch nicht ohne letzte Senken auskommt (CCS)

„Ohne CCS geht es nicht“, betonte auch Sebastian Spaun von der Vereinigung der Österreichischen Zementindustrie. Er verwies in seinem Vortrag auf die technologische Entwicklung in seiner Branche: „Dadurch sei der CO2-Ausstoß pro Tonne Zement deutlich gesunken, es gibt Effizienzsteigerungen in der Produktion, es werden alternative Roh, Brenn-, und Zumahlstoffe verwendet und Material recycelt.“ Vielversprechend sei auch die Speicherung von CO2 durch Karbonatisierung von gemahlenem Betonabbruch, der dann als Recyclingmaterial für den Bau neuer Gebäude eingesetzt werden könnte. Zudem wurden bereits Pilot-Carbon-Capture-Anlagen errichtet. All das trage dazu bei, den CO2-Ausstoß zu reduzieren. Doch es brauche konkrete Schritte seitens der Politik, um Net Zero umzusetzen und den Standort Österreich zu sichern, so etwa die Abschaffung des nationalen CCS-Verbots.

Präsentation Sebastian Spaun

CCUS – (Wenn) Ja – (Aber) wie (viel)? – Potenziale und ökonomische Bewertung von CCU und CCS in Österreich

Valerie Pfeffer-Rodin vom Energieinstitut der JKU Linz stellte das Forschungsprojekt CaCTUS vor:  Ziel war es, den möglichen Beitrag von Kohlenstoffnutzung (CCU) und Kohlenstoffspeicherung (CCS) zur Erreichung der langfristigen Klimaziele Österreichs zu evaluieren. Dazu wurden das technische Potenzial von CCU/CCS in Österreich erhoben, sowie quellenspezifische Klimaauswirkungen und senkenbezogene Netto-Minderungspotenziale von CCU/CCS. Außerdem wurden die identifizierten Kohlenstoffpfade und ihr Beitrag zur Klimaneutralität technisch-wirtschaftlich bewertet und derzeitige Hindernisse und regulatorische Mängel bewertet. „Wichtig ist es, ausreichend und günstig erneuerbare Energie bereitstellen zu können“, so Pfeffer-Rodin. Sie betonte die Bedeutung der Kreislaufwirtschaft und der Nutzung von Synergien.

Präsentation Valerie Pfeffer-Rodin

CO2 -Bindung durch leichte Holz-Hybride in hochtechnischen Anwendungen made in Styria

Ulrich Müller vom Wood Vision Lab beschrieb in seinem Vortrag die Möglichkeiten der CO2 -Bindung durch Holz. Holz kann beispielsweise für Leichtbauteile in der Automobil- oder Flugzeugindustrie zum Einsatz kommen. Für die Steiermark sei die Holz- und Forstwirtschaft ein enormer Wirtschaftsfaktor, so Müller. Als CO2-Speicher komme dem Rohstoff im Klimawandel eine enorme Bedeutung zu. Die Erderwärmung bewirke aber auch, „dass wir eine drastische Zunahme an Laubbäumen haben werden, die es zu verwerten gilt. Wir verfügen über ein breites Spektrum an Holzeigenschaften. Holz ist heute  berechenbar und die Produkte können technisch ausgelegt werden.“

In der abschließenden Diskussionsrunde, die von Karl Steininger vom Wegener Center der Universität Graz geleitet wurde, kamen die Vortragenden sowie Martin F. Karner von Weitzer Woodsolutions GmbH zu Wort.

Präsentation Ulrich Müller

 

Conclusions: Können wir uns diese Technologien nun leisten? Wir können sie uns wohl nicht nicht leisten. Denn bestimmte Industrien benötigen sie, um jene Emissionen, die sich nicht einsparen lassen zu kompensieren. Die Technologie ist in vielen Bereichen bereits weit fortgeschritten und umsetzbar. Wichtig sind klare Rahmenbedingungen, eine Aufhebung des österreichischen Verbots der CO2-Speicherung und der politische Wille.

Weitere Termine & Nachlese

 


Balanceakt CO2 – Fürchtet euch nicht! ist eine Veranstaltungsreihe der JOANNEUM RESEARCH, der Katholischen Kirche Steiermark und des Wegener Center für Klima und Globalen Wandel der Universität Graz, in Kooperation mit der Landwirtschaftskammer Steiermark, der Wood Vision Lab GmbH und wird durch das Land Steiermark (Ressort Wirtschaft, Arbeit, Finanzen, Wissenschaft und Forschung) unterstützt.

 

 

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