Pfingstdialog 2026: In seiner Eröffnungsrede betonte Wirtschafts- und Wissenschaftslandesrat Willibald Ehrenhöfer die Notwendigkeit für ein neues Selbstverständnis Europas und ein neues europäisches Selbstbewusstsein, um den alten Kontinent zu stärken: „Europa steht für Freiheit, Rechtsstaatlichkeit, liberale Demokratie, Meinungsfreiheit, wirtschaftliche Stärke und hohe Innovationskraft. Es braucht ein neues Vertrauen in die eigene Gestaltungskraft. Die Steiermark ist dabei führend und nach wie vor eine starke europäische Zukunftsregion. Es geht weiterhin um grenzüberschreitende Kooperation und um das Heben vor allem der wissenschaftlichen Potenziale“.
Europas Stärken
Während der langjährige EU-Kommissar und aktuelle OeNB-Präsident Johannes Hahn für die Umsetzungsstärke von Ideen plädierte, einforderte, dass jeder Einzelne seinen Beitrag leisten sollte und für eine Mentalitätsänderung, Budgetwahrheit, eine fortschriftliche Wirtschaftspolitik und eine Verfassungs- und Verwaltungsreform eintrat, appellierten Diözesanbischof Wilhelm Krautwaschl und Superintendent Wolfgang Rehner für die Vernunft als zentrale Stärke Europas. Die Bereitschaft zum Dialog und zur Solidarität seien wichtig für jede gesellschaftliche Gemeinschaft. JR-Geschäftsführer Heinz Mayer hob die Stärke der europäischen Wissenschaft und insbesondere jene der steirischen Forschungslandschaft hervor.
Keynote: Freiheit & Sicherheit
In seiner Keynote widmete sich der renommierte Politikwissenschafter Carlo Masala dem Thema „Was Europa sein könnte“ und betrachtete das Verhältnis von Freiheit und Sicherheit. „Nur wenn man sicher ist, hat man die Freiheit, Entscheidungen für eigenständige Entwicklungen zu treffen.“ Die Freiheit Europas ist von außen wie von innen massiv bedroht. Europas Existenz steht auf dem Spiel. Masala sieht eine militärische Bedrohung durch Russland, die wirtschaftliche Herausforderung durch China und die Bedrohung durch die USA. Gerade der Wandel der USA bedingt hier eine neue Weltordnung. Die inneren Feinde Europas sieht Masala in dem Aufstieg von rechtspopulistischen und rechtsradikalen Kräften. Er schloss seine fundierten Ausführungen mit folgender Formulierung: „Sicherheit ist das Fundament für eine freie gesellschaftliche Entwicklung. Aber sie hat einen politischen und ökonomischen Preis. Für Regierungen bedeutet das, klare Entscheidungen zu treffen. Man braucht also politische Führung, um die eigenen Gesellschaften zu erreichen und um Europa so zu schützen.“
Herausforderungen im Fokus
Namhafte Expert*innen wie Johannes Benigni von JBC Vienna, die renommierten Ökonom*innen Gabriel Felbermayr and Monika Köppl-Turyna, Anette Klinger von der IFN-Internorm-Gruppe und der Präsident der Industriellenvereinigung Steiermark Kurt Maier diskutierten am Abend des ersten Tages die verschiedenen Herausforderungen und letztlich Optionen eines notwendigen wirtschaftlichen Aufschwungs in Europa. Der anregende theologische Impuls des Erzbischofs von Belgrad, Kardinal Laszlo Nemet, und die Literarische Intervention des Verlegers und Publizisten Lojze Wieser bildeten den eindrucksvollen Abschluss des ersten Tages.
Weltraumforschung
Mit einer kurzen Begrüßung der Ehrengäste durch „Geist & Gegenwart“-Koordinator Herwig Hösele starteten die Debatten am zweiten Tag. Im Morgen-Forum fand die Podiumsdiskussion – in Kooperation mit STYRIA Ethics – zum Thema „Zukunft Weltraum“ statt. Die Weltraumforschung in Europa, Österreich und der Steiermark erhält aktuell einen neuen Schub, nicht zuletzt, um nicht den Anschluss im globalen Wettbewerb zu verlieren. Gerade in der Satellitenkommunikation, Fahrzeug- und Flugzeugnavigation und Fernerderkundung (Überwachung der Erdoberfläche mit dem Blick von oben) sind Bereiche vorhanden, in denen Erkenntnisse von der Grundlagenforschung in die anwenderorientierte Forschung überführt werden, wie etwa JR-Geschäftsführer Heinz Mayer ausführt. Neue Sicherheitsbedürfnisse in Europa befeuern Forschungen für den Verteidigungssektor und führen in diesem Bereich zu gesteigerten Budgets. Auch in der Optimierung der Wasserkraft in Österreich sowie in der Agrarförderung und auch beim U-Bahnbau werden zunehmend Satellitendaten benötigt. Die Stärken Österreichs in der Weltraumforschung liegen in der Zuverlässigkeit durch gute, organisierte Vernetzung. Österreichs Community ist hier gut aufgestellt. Klaus G. Strassmeier vom Leibniz-Institut für Astrophysik Potsdam meint: „ARIANE ist die wichtigste Säule der europäischen Forschung – dieses Projekt ist essenziell.“ Gleichzeitig fordert er mehr Grundlagenforschung an den österreichischen Universitäten. Heinz Mayer: „Letztlich stärken zusätzliche finanzielle Mittel Europa in diesem Bereich – und wünschenswert wäre mehr Einheit in der Forschung.“ Für Henriette Spyra vom BMIMI braucht es für eine Stärkung Europas „Daten, Daten und nochmals Daten.“ Die Exzellenz in der Weltraumforschung hat in der Steiermark ein hohes Niveau und trägt viel bei, etwa beim richtungsweisenden Projekt des Weltraumteleskops PLATO.
Insiemegruppen
Die über Mittag tagenden Insiemegruppen dienten der vertiefenden Behandlung von ausgewählten Fragestellungen wie „Freiheit als europäische Identität“, „Kreativität in Bildung, Forschung und Technologieentwicklung“, „Universitäten und liberale Demokratie“, „Klimaschutz, Marktwirtschaft und sozialer Zusammenhalt“ und etwa auch „Innovationsregion Alpe Adria“. In diesen Insiemegruppen wurden erste Vorschläge erarbeitet, die in den nächsten Tagen auf der Website des Pfingstdialogs veröffentlicht werden.
Religiöse Unterschiede – gemeinsame Werte?
Ein Höhepunkt am Donnerstag war ohne Zweifel die Keynote des israelisch-deutschen Psychologen und Autors Ahmad Mansour und das thematisch richtigerweise daran folgende Forum „Freiheit und Religionsvielfalt“ mit dem Ethiker Matthias Beck von der Universität Wien, dem Schweizer Publizisten Roger de Weck, mit Barbara Krenn vom ORF und mit der Publizistin Danielle Spera. Im Zentrum dieser Diskussion stand nicht zuletzt die Frage, ob religiöse Unterschiede in einer Gesellschaft ausgehalten und letztlich gemeinsame Werte gefunden werden können, um Demokratie, Offenheit und Freiheit in Europa zu bewahren.
Forum Generale: Strategie Europa
Das abschließende Forum Generale zum Thema „Strategie Europa“ startete mit der Keynote des renommierten Politologen von der Humbold Universität zu Berlin, Herfried Münkler, und gab Ein- und Ausblicke in mögliche strategische Szenarien für eine Neupositionierung Europas im politischen Machtspiel der globalen Player. Die Diskussionsteilnehmer*innen waren u. a. Wirtschafts- und Wissenschaftslandesrat Willibald Ehrenhöfer, Politologe Herfried Münkler, Othmar Karas, Präsident des European Forum Alpbach, die Ökonomin Monika Köppl-Turyna und die Demokratieforscherin an der Universität Graz, Katrin Praprotnik.
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„Geist und Gegenwart“ ist eine Veranstaltungsreihe von Club Alpbach Steiermark, JOANNEUM RESEARCH und Land Steiermark in Kooperation mit der Diözese Graz-Seckau.



