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Batterien als Schlüssel einer nachhaltigen Wertschöpfung – Chancen und Potenziale

Resümee des Workshops am 11.9.2025 bei den Technology Talks Austria 2025: Der Workshop hat – entlang der gesamten Wertschöpfungskette – technologische Trends und Herausforderungen, aber auch Chancen und Potenziale für den Standort aufgezeigt.

Technology Talks Austria, Batterie Workshop mit Joanneum Research

V.li.: Heinz Mayer, JOANNEUM RESEARCH, Eva Gerold, Montanuniversität Leoben, Georg Knill, Präsident IV Österreich, Vizerektorin Andrea Höglinger, TU Graz, Georg List, AVL List, Jost Bernasch, Virtual Vehicle GmbH, Batterien als Schlüssel einer nachhaltigen Wertschöpfung, Technology Talks Austria, Foto: AIT/Maltseva

Mut zur Lücke

Batterien sind zentrale Bausteine einer nachhaltigen Energiezukunft – doch Europa steht vor massiven Herausforderungen entlang der Wertschöpfungskette. Beim Workshop „Batterien als Schlüssel einer nachhaltigen Wertschöpfung – Chancen und Potenziale“ wurde deutlich: Der Wille zur Veränderung ist da, der Weg dahin braucht aber klare Strategien, Mut zur Spezialisierung und Entschlossenheit.

Recycling als Schlüssel zur Rohstoffsouveränität

Den Einstieg lieferte Eva Gerold, Assistenzprofessorin an der Montanuniversität Leoben, mit einem fundierten Überblick über technologische Entwicklungen und Recyclingstrategien. Sie betonte die Dynamik in der Zellchemie – insbesondere den wachsenden Einsatz von Lithium-Eisenphosphat-Batterien (LFP) – und die daraus resultierenden Herausforderungen für das Recycling. Ein Beispiel dafür: Schwarzmasse ist nicht gleich Schwarzmasse – die Vielfalt der Zellchemien verlangt nach flexiblen, technologisch anpassbaren Prozessen. Herausfordernd sind auch die regulatorischen Anforderungen: Hohe Recyclingquoten und verpflichtende Recyclinganteile in neuen Batterien seien ambitioniert, aber notwendig. Besonders betonte Gerold das Potenzial des „Second Life“ – also der Weiternutzung von Batterien mit reduzierter Kapazität, etwa für stationäre Energiespeicher. „Recycling ist Enabler für Nachhaltigkeit und Versorgungssicherheit“, resümierte Gerold. Und: „Den Rohstoffkreislauf zu schließen und damit wertvolle Ressourcen zu sichern, wäre ein entscheidender Standortvorteil.“

Simulation schafft Sicherheit

Große Chancen für den Standort finden sich in Nischen und Spezialisierungen, wie zum Beispiel die Spezialisierung auf die digitale Produktpalette von Batterien. Ein führender Player im Bereich Simulationen ist das VIRTUAL VEHICLE. Geschäftsführer Jost Bernasch, sieht hier enormes Potenzial. Digitale Zwillinge tragen wesentlich zur chemischen und thermalen Sicherheit in der Elektromobilität bei. Sie liefern wertvolle Erkenntnisse für die europäische Autoindustrie – auch in kritischen Situationen, in denen Gase freigesetzt werden könnten. Bernasch zieht Bilanz: „Asien ist eindeutig führend und hat systematisch die Technologie für Batteriezellen entwickelt und hochskaliert. Wir haben nun leistungsfähige Batterien aus Asien, ja, aber wir in Europa müssen jetzt darauf aufsetzen und unsere Chancen nutzen.“

Georg List, Vice President der AVL List GmbH plädierte für einen nüchternen Blick auf die Ausgangslage: „Der Markt sei sehr attraktiv und gleichzeitig auch äußerst volatil. Die moderne Batterie braucht andere Kompetenzen – wir müssen uns austauschen und zusammen­arbeiten.“ Die Stärken Europas lägen nicht in der Zellfertigung, sondern etwa in der Testsystem-Entwicklung, in Nachhaltigkeitstechnologien und im Systemverständnis. Man müsse bei Methodik, Technologie und Anwenderwissen ansetzen, um echte Differenzierung in diesem extrem spannenden Markt zu erreichen. Der Appell: Mut zur Lücke – wir decken viel ab, müssen aber nicht durchgängig alles in der nötigen Skalierung können! Nachhaltigkeit ist der Hebel, mit dem Europa punkten kann.

Fokussieren, testen, sichern

Andrea Höglinger, Vizerektorin der Technischen Universität Graz, überzeugte von der Kompetenz der steirischen Technologieschmiede. Die TU Graz ist rund um Batterietech­nologien breit aufgestellt, von der Materialentwicklung, der Produktion, dem Recycling von Batterien bis zur Integration von Batteriesystemen und Batteriespeichersystemen insgesamt. Gerade aus der Taufe gehoben wurde das COMET-Zentrum Batterie4Life, die Effizienz und Nachhaltigkeit von Batterien stehen hier im Fokus. Auf die Frage, wie es gelingen könnte an Asien in der technologischen Entwicklung näher heranzurücken, lautet ihre überzeugte Antwort: „Fokussieren, testen, absichern!“

Aber die europäische Batterieindustrie steht im globalen Wettbewerb mit dem Rücken zur Wand. Georg Knill, Präsident der Industriellenvereinigung Österreich, sieht ebenfalls die einzige Chance Europas, überhaupt noch auf der internationalen Technologiebühne mitzuspielen, in der Fokussierung auf Nischentechnologien. „Sicher, wir sind in einigen Nischen stark, aber die große Entwicklung findet woanders statt. Wir haben alles, oder zumindest 90 Prozent, an China verloren“, so Knill. Er sah eine der größten aktuellen Herausforderungen darin, die notwendigen politischen Rahmenbedingungen anzupassen. Dazu muss konsequent und agil in Forschung, Entwicklung und Innovation investiert, und damit die industrielle Basis und Position in strategischen Wertschöpfungsketten gesichert werden.

Fazit

Ein zentraler Tenor der Diskussion: Asien ist Europa Jahre voraus – vor allem, weil dort konsequent skaliert wurde. Europa dagegen setzt oft noch zu kleinteilig und zersplittert an. Der Workshop machte die Lücken unübersehbar – und zugleich die Potenziale deutlich. Wer international bestehen will, muss klare Schwerpunkte setzen, industrielle Lösungen skalieren und Innovationen systematisch testen. Nicht Vollständigkeit, sondern Spezialisierung ent­scheidet. Europa hat die Expertise – jetzt gilt es, daraus Marktvorteile zu schaffen. Mut zur Lücke wird zur Stärke, wenn daraus strategische Fokussierung entsteht.

 

Der Workshop wurde moderiert von Heinz Mayer, Geschäftsführer der JOANNEUM RESEARCH

Teilnehmer*innen:

Dr. Jost BERNASCH, CEO Virtual Vehicle GmbH

Ass.-Prof.in DIin Dr.in Eva Gerold, Montanuniversität Leoben (Impulsreferat)

Vizerektorin Mag.a Andrea HÖGLINGER, Technische Universität Graz

Georg KNILL, Präsident der Industriellenvereinigung Österreich

DI Georg LIST, MBA, Vice President Corporate Strategy and Research & Technology, AVL List GmbH

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