• Menü menu
  • menu Menü öffnen
Newsbeitrag - 
Allgemein

Insights: Das Geschäftsfeld Sicherheit und Verteidigung

In einer unsicheren Welt wird Sicherheits- und Verteidigungsforschung immer wichtiger. Alexander Almer, Koordinator unseres Geschäftsfelds Sicherheit und Verteidigung im Interview über die aktuellen Entwicklungen.

Alexander Almer im Interview. Er ist Koordinator des Geschäftsfelds Sicherheit und Verteidigung in der Joanneum Research.

Alexander Almer ist Koordinator des Geschäftsfeldes Sicherheit und Verteidigung der JOANNEUM RESEARCH. Er ist seit 1990 im Unternehmen tätig. Foto: JOANNEUM RESEARCH/Bergmann

Machtverschiebungen in der Weltpolitik, Krieg in der Ukraine und durch den Klimawandel verstärkte Extremwetterereignisse: Die Welt hat sich innerhalb weniger Jahre radikal gewandelt und Sicherheits- und Verteidigungsforschung gewinnt zunehmend an Bedeutung. Wir haben uns mit Alexander Almer, Koordinator des Geschäftsfelds Sicherheit und Verteidigung der JOANNEUM RESEARCH, über die aktuellen Entwicklungen unterhalten.

Was sind die größten Bedrohungen für die Sicher­heit in Österreich?

Almer: Es gibt eine starke Zunah­me an hybriden Bedrohungen. Also der koordinierte Einsatz von Methoden der illegitimen Einflussnahme durch staatliche oder nicht-staatliche Akteur*innen. Beispiele hierfür sind Cyberattacken etwa auf kriti­sche Infrastruktur, die Behinderung demokratischer Entscheidungsprozesse durch massive Desinforma­tionskampagnen oder die Nutzung sozialer Medien zur Beeinflussung des politischen Narrativs. Der Bereich Cybersicherheit und Cyberkriminalität wird vom Bun­desministerium für Inneres (BMI) und dem Bundesheer abgedeckt. In Bezug auf das Katastrophenmanage­ment sind die österreichischen Feuerwehren und das Rettungswesen sehr gut aufgestellt. Unsere Feuerweh­ren sind weltweit einzigartig. Von der technischen Sei­te aus betrachtet benötigen aber sowohl Feuerwehren als auch das Bundesheer mehr Assistenzunterstützung. Und hier kommt die JOANNEUM RESEARCH ins Spiel: Wir arbeiten eng mit dem Innenministerium und den Feu­erwehren zusammen, um genau solche Assistenzsys­teme zu entwickeln.

Was kann man sich darunter vorstellen?

Almer: Aktuell ar­beiten wir zum Beispiel an Projekten im Bereich UAVs (unmanned aerial vehicles) und UGVs (unmanned ground vehicles). Ein großes Projekt, das aus dem Euro­pean Defense Fund finanziert wird, dreht sich um den Aufbau autonomer Strukturen für die Evakuierung von Verletzten durch Fahrzeuge und Drohnen aus dem Ge­lände. Dabei gilt es zunächst aus der Luft Verletzte zu detektieren und sie dann zu Lande oder über den Luft­weg mittels autonomer Fahrzeuge abzuholen. Zusätz­lich geht es um den Einsatz von Biosignalsensoren, die der Einsatzzentrale den Gesundheitszustand von Ver­letzten übermitteln. In einem anderen, zivilen Projekt beschäftigen wir uns mit der Optimierung des Zusam­menspiels zwischen UAVs, UGVs und den Einsatzteams bei Feuerwehreinsätzen. Da hat man autonom agie­rende Luft- und Bodenfahrzeuge und verschiedene Einsatzteams. Es wird zum Beispiel eine Drohne losge­schickt, die Informationen liefert. In der Einsatzzentra­le dienen die gewonnenen Daten dann als Entschei­dungsgrundlage für das weitere Vorgehen – etwa ob ein unbemanntes Fahrzeug zum Einsatzort geschickt wird oder ob tatsächlich Menschen benötigt werden. Diese können dann wiederum auf jene Infos zugreifen, die die Systeme in der Luft und am Boden bereits er­arbeitet haben. So könnten Einsatzkräfte dann schon mit dem geeigneten Equipment und der notwendigen Anzahl an Personen zum Einsatzort gelangen und die Situation bereinigen. Dieses intelligente Zusammen­spiel bedeutet, dass jedes einzelne Modul (teil-)auto­nom arbeiten muss und die Drohnen bzw. Fahrzeuge müssen so intelligent sein, dass sie sich in einem vor­definierten Bereich eigenständig zurechtfinden und zu­geordnete Aufgaben erfüllen können.

Sie sind Koordinator des Geschäftsfelds Sicherheit und Verteidigung in der JOANNEUM RESEARCH, was sind Ihre Aufgaben?

Almer: Es geht darum, umfangreiche und komplexe Aufgabenstellungen im zivilen und militäri­schen Bereich durch enge Kooperation mit wesentli­chen Stakeholdern zu definieren und das vorhandene Know-how in den Instituten der JOANNEUM RESEARCH darauf abgestimmt zu entwickeln. Die Entwicklungs­themen erfordern eine Einbindung der Expertisen aller Institute, wobei einzelne Themenbereiche spezifische Spezialisierungen erfordern. Sicherheit und Verteidi­gung ist grundsätzlich ein staatlicher Auftrag, der die militärische Landesverteidigung, innere Sicherheit so­wie den Zivil- und Katastrophenschutz umfasst. Daher ist es eine Herausforderung, ein umfassendes Kompe­tenznetzwerk mit internationalen, nationalen und regi­onalen Akteur*innen aufzubauen und strategisch wei­terzuentwickeln, um künftige Herausforderungen und Forschungsschwerpunkte zu definieren. Eine enge Ko­operation mit dem Bundesministerium für Landesver­teidigung (BMLV) und dem BMI bildet dabei die zentrale Grundlage. Für die Umsetzung von Forschungsprojek­ten ist es zudem erforderlich, die nationale und euro­päische Förderlandschaft genau zu kennen. Neben den nationalen Programmen wie KIRAS/K-PASS und FORTE, die vom Bundesministerium für Finanzen (BMF) unterstützt werden, sind auf europäischer Ebene die Horizon-Europe-Programmlinie „Zivile Sicherheit für die Gesellschaft“ sowie der European Defence Fund (EDF) und die European Defence Agency (EDA) von Bedeu­tung. Die Definition militärischer Projekte erfordert eine enge Abstimmung mit dem BMLV auf Basis der Vertei­digungsforschungsstrategie, um langfristige Zielset­zungen zu verfolgen.

Welche Themen deckt die JOANNEUM RESEARCH im Bereich Sicherheit und Verteidigung ab?

Almer: Das sind zum einen technologische Entwicklungen wie Assistenzsys­teme, (teil-)autonome boden- und luftgestützte Sys­teme, Cybersecurity, Kommunikations-, Sensor- und Simulationstechnologien sowie KI-gestützte Methoden der Bildanalyse und kooperative Managementansätze mit (teil-)autonomen Systemen. Ebenso spielen Mate­rialentwicklungen, medizinische Wundversorgung und Vitalmonitoring auf Basis von Bio-Sensorlösungen eine Rolle. Komplexe sicherheitsrelevante Lösungen erfor­dern dabei multidisziplinäre Ansätze und die Zusam­menführung verschiedener Technologien. Eine be­sondere Herausforderung ist beispielsweise die (teil-)autonome Evakuierung verletzter Personen, die aktuell in einem vom EDF geförderten internationalen Projekt umgesetzt wird. Eine besondere Bedeutung kommt dem Katastrophenschutz und dem Schutz kritischer Infrastrukturen zu. Auf nationaler Ebene sind hier die Katastrophenschutzabteilungen der Bundesländer zu­ständig, wobei bei Katastrophensituationen eine enge Abstimmung mit dem BMI und dem BMLV erfolgt. Ziel ist es, institutsübergreifende Kompetenzen zu bündeln und in Kooperation mit Stakeholdern innovative Assis­tenz-, Management- und Prognosesysteme zu entwi­ckeln.

Welche Themen werden in Zukunft verstärkt an Be­deutung gewinnen?

Almer: Künstliche Intelligenz ist ein Quer­schnittsthema, das in den meisten Bereichen, die in der Sicherheits- und Verteidigungsforschung relevant sind, eine Rolle spielt. Bei KI sind wir intensiv dran und wir ha­ben uns im Unternehmen schon eine hohe Kompetenz bei diesem Thema erarbeitet. Das absolute Zukunfts­thema ist Quantentechnologie, da machen wir erste Schritte. Das Potenzial ist sowohl im militärischen als auch im zivilen Sicherheitsbereich extrem hoch. Es geht dabei aber nicht nur um die Quantenkryptologie, also die Kommunikationssicherheit, sondern auch um die Sicherheit in der Navigation: Denn durch Jamming und Spoofing können Signale so verfälscht werden, dass Positionen, die auf GPS oder Galileo basieren, nicht mehr korrekt sind. Und dies würde viele Anwendungen ad Absurdum führen.

Interview: Petra Mravlak

Mehr Infos

 

Kontaktpersonen

Newsletter
Anmeldung
Wollen Sie mehr über JOANNEUM RESEARCH erfahren?
Bleiben Sie über die aktuellen Forschungsthemen up-to-date und verpassen Sie keines unserer spannenden Events. Die Anmeldung kann jederzeit widerrufen werden.

Weitere Beiträge aus der Kategorie

Zum Inhalt springen