Konjunkturerhebung der Arbeiterkammer Kärnten: Nach zwei Jahren Rezession steht Österreich – und damit auch Kärnten – vor einer leichten wirtschaftlichen Erholung. Für die aktuelle Studie des Instituts POLICIES im Auftrag der Arbeiterkammer Kärnten wurden mehr als 200 Betriebe mit rund 62.000 Beschäftigten befragt. Kärntens Unternehmen kämpfen mit denselben strukturellen Problemen wie die österreichische Gesamtwirtschaft – hinzu kommt die starke Betroffenheit energieintensiver Branchen. „Nach einer zweijährigen Rezessionsphase erwarten wir für die österreichische Wirtschaft im Jahr 2025 ein leichtes Wachstum von 0,3 Prozent“ so Studienautor Eric Kirschner. „Die Rahmenbedingungen bleiben allerdings schwierig. Hohe Energiepreise, steigende Arbeitskosten, schwache Exportmärkte und eine insgesamt gedämpfte Investitionsbereitschaft belasten den Standort.“
Längste Rezession der Nachkriegszeit
Seit dem Einbruch durch die Pandemie hat sich die heimische Wirtschaft nicht vollständig erholt. Nach einem Minus von jeweils 1 Prozent in den Jahren 2023 und 2024 befindet sich Österreich laut WIFO in der längsten Rezession der Nachkriegszeit. Erst 2025 zeichnet sich eine leichte Trendwende ab, 2026 soll das Bruttoinlandsprodukt um 1,1 Prozent steigen.
„Von einer echten Wachstumsdynamik kann allerdings keine Rede sein“, so Kirschner. Die wirtschaftliche Unsicherheit bleibe hoch – unter anderem wegen der US-Handelspolitik und der schwachen globalen Nachfrage.
Kostenfaktor Arbeit als Standortnachteil
Besonders problematisch sind die hohen Arbeitskosten. Sie liegen in Österreich rund 20 Prozent über dem Durchschnitt der Eurozone und stiegen im zweiten Quartal 2025 erneut überdurchschnittlich stark. Das setzt vor allem exportorientierte Unternehmen unter Druck.
„Der Kostenfaktor Arbeit ist ein wesentlicher Standortnachteil“, so Kirschner. Beispiele wie der Personalabbau beim Faserhersteller Lenzing zeigen, dass Unternehmen zunehmend ins Ausland abwandern.
Auch die Konkurrenz aus China wirkt sich spürbar aus: In der Automobil- und Maschinenbauindustrie sinken Exporte, vor allem in die USA (–14,4 %) und nach Deutschland (–1,1 %). Kärnten verzeichnete im ersten Halbjahr 2025 ein Minus von über 6 Prozent im Handel mit Deutschland.
Bau und Industrie besonders betroffen
Die Stimmung in Kärntens Wirtschaft ist weiterhin verhalten. Das Konjunkturbarometer bleibt im negativen Bereich, am schwächsten ist die Lage im Bauwesen, im Handel und in der Technologieproduktion. Der Bereich Information und Kommunikation zeigt hingegen leichte Stabilisierungstendenzen.
Trotz des trüben Bildes bleibt der Arbeitsmarkt vergleichsweise robust: Viele Betriebe suchen weiterhin Personal, der geplante Personalabbau ist im Vergleich zum Vorjahr rückläufig.
Fachkräftemangel bleibt hartnäckig
Mehr als die Hälfte der befragten Unternehmen klagt über einen anhaltenden Fachkräftemangel – trotz konjunktureller Unsicherheiten. Der Mangel betrifft insbesondere Industrie, Bau und technische Dienstleistungen. Hinzu kommen der demografische Wandel und das sogenannte „Hoarding“ von Beschäftigten, also das Halten von Personal trotz schwächerer Auftragslage.
Investitionen rückläufig, aber stabil
Laut Befragung wird in Kärnten weiterhin investiert, allerdings zurückhaltender als in den Vorjahren. Bauliche Investitionen (50 %) und Maschinen und Anlagen (38 %) bleiben die wichtigsten Posten. Ein Drittel der Unternehmen investiert in Klima- und Umweltschutzmaßnahmen.
Belastend wirken laut Studie die heimische Bürokratie und steigende Kosten, die zu einer Verlagerung neuer Investitionen ins Ausland führen könnten. Ersatzinvestitionen überwiegen, was auf eine gewisse Vorsicht bei der Standortentwicklung hinweist.
Künstliche Intelligenz spielt noch geringe Rolle
Fragen zu KI und Digitalisierung zeigen, dass diese Themen in Kärntner Unternehmen derzeit noch wenig Relevanz haben. Zwei Drittel der Befragten sehen künstliche Intelligenz als untergeordneten Faktor in ihrer Unternehmensstrategie. Positiv ist jedoch, dass 77 Prozent keinen steigenden Leistungsdruck durch den Einsatz digitaler Technologien befürchten.
Kein Abgesang auf die Wirtschaft
Trotz anhaltender Unsicherheit sehen die Forschenden keinen Grund für Pessimismus. Viele Unternehmen bilden weiterhin Lehrlinge aus, suchen Personal und investieren in neue Anlagen.
„Für einen Abgesang der heimischen Produktion ist es zu früh“, fasst die Studie zusammen. Um Kärntens Wettbewerbsfähigkeit zu sichern, brauche es jedoch strukturpolitische Maßnahmen: eine Senkung von Steuern und Abgaben, einfachere Regulierungen, Reformen im Bildungssystem und eine Reduktion der Energiepreise. Nur durch gezielte Investitionen in Forschung und Entwicklung könne der Standort langfristig gestärkt werden.
