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Mehr Wert: Mit der Lebenszyklusanalyse zu besseren Produkten

Sara Carniello ist Forscher*in am Institut LIFE und Geschäftsfeldkoordinatorin. Im Interview spricht sie über den Mehrwert der Lebenszyklusanalyse (LCA).

Sara Carniello im Interview. Thema: Lebenszyklusanalyse

Sara Carniello arbeitet in der Forschungsgruppe Klimaneutrale Energiesysteme und Lebensstile am Institut LIFE. Sie ist eine der beiden Koordinator*innen des Geschäftsfelds Umwelt und Nachhaltigkeit. Foto: JOANNEUM RESEARCH/Raiser

Alles, was wir tun und jedes Produkt, das auf den Markt kommt, hat Auswirkungen auf Umgebung und Umwelt. Der Impact von Produkten und Dienstleistungen lässt sich mittels Lebenszyklusanalyse (LCA) bestimmen. Wir haben uns darüber mit Sara Carniello vom Institut LIFE unterhalten.

Was ist die Lebenszyklusanalyse?

Carniello: Die LCA ist eine Methode zur Bewertung der Auswirkungen eines Produkts oder einer Dienstleistung entlang des gesamten Lebenszyklus – von der Rohstoffgewinnung bis zur Entsorgung oder zum Recycling. Ihr Mehrwert geht jedoch über den Umweltaspekt hinaus, da sie auch soziale und wirtschaftliche Dimensionen berücksichtigen kann. So lassen sich Innovationen und Risiken entlang der Lieferkette aufzeigen. Die Analyse identifiziert „hot spots“, also Hebel, an denen man ansetzen kann, um Produkte zu verbessern. Wichtig ist, sie bereits während der Produktentwicklung einzusetzen.

Wofür wird bei JOANNEUM RESEARCH die LCA eingesetzt?

Carniello: Zum einen in Forschungsprojekten, um verschiedene technologische Optionen zu prüfen und die technische Entwicklung entsprechend zu steuern. Zum anderen beraten wir Unternehmen, die die Auswirkungen ihrer Produkte verstehen, vergleichen oder optimieren wollen. Unser Vorteil liegt darin, dass wir dank unserer Erfahrung mit F&E-Projekten Technologien schon in der Entwicklungsphase bewerten können. Unser Team setzt sich aus Techniker*innen, Soziolog*innen und Ökonom*innen zusammen und kann auch komplexe Fragestellungen optimal untersuchen, und dabei alle drei Perspektiven – Umwelt, Soziales und Ökonomie – berücksichtigen.

Müssen diese Maßnahmen immer teuer sein?

Carniello: Nicht unbedingt. Häufig geht es um effizientere Abläufe oder den Personaleinsatz, nicht zwingend um große Investitionen. Neue Anlagen oder Energieversorgungssysteme erfordern anfangs Kosten, bringen aber langfristig Ersparnisse, Planbarkeit und Unabhängigkeit. Investitionen in nachhaltige Innovationen sind meistens langfristig angelegt und müssen zur Strategie des Unternehmens passen.

Gibt es aktuelle Beispiele für Firmenkooperationen?

Carniello: Wir begleiteten etwa die Ino GmbH bei der Entwicklung eines neuen Beschichtungsprozesses, der in Zusammenarbeit mit unserem Institut MATERIALS entwickelt wurde, indem wir die relevanten „hot spots“ identifizierten. In einem anderen Projekt verglichen wir den Prozess der Wasserstoffherstellung eines österreichischen Start-ups mit konventionellen Prozessen. Mit Rosenbauer analysierten wir im Rahmen einer Technologiekooperation mit der IEA (Internationale Energieagentur) die Umweltauswirkungen von elektrischen und Diesel-Feuerwehrfahrzeugen.

Auf globaler Ebene, aber auch in der EU, gibt es Rückschritte bei Umweltmaßnahmen – was bedeutet das?

Carniello: Für das Klima ist das natürlich nachteilig. Für die Wirtschaft letztendlich auch, denn die Diskussion um Umweltauflagen lenkt ab von den echten Ursachen der Probleme. Viele Unternehmen bleiben dennoch aktiv, weil sie die Vorteile für ihre Innovationskraft und Geschäftsmodelle erkennen. Umweltauflagen werden oft als unangenehm empfunden, mit der Konnotation, dass sie mühsam und teuer sind. Tatsächlich können sie Innovation fördern: weniger Ressourceneinsatz, höhere Effizienz, resilientere Lieferketten.

Sie waren lange in der Privatwirtschaft in der technischen Entwicklung tätig. Warum der Wechsel zur Nachhaltigkeitsbewertung bei JOANNEUM RESEARCH?

Carniello: In einem Unternehmen hat man ein bestimmtes Produkt oder eine Branche im Blick. Hier ist das Spektrum viel breiter: Weit gefächerte Themen, technische, wirtschaftliche und regulatorische Fragestellungen sowie die Zusammenarbeit mit ganz unterschiedlichen Akteur*innen. Es entstehen Synergien und Ideen lassen sich von einem Sektor auf einen anderen übertragen – das macht die Arbeit für mich spannender und bereichernder.

Interview: Petra Mravlak

 

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