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Pfingstdialog 2025: Europa im Spannungsfeld

Am 4. und 5. Juni stand Schloss Seggau in der Südsteiermark im Zeichen des europäischen Diskurses. Beim Pfingstdialog diskutierten Expert*innen aus Wissenschaft, Politik und Medien über zentrale Herausforderungen und Perspektiven für Europa.

Pfingstdialog 2025: Herwig Hösele, Willibald Ehrenhöfer, Moderatorin Sandra Thier, Christopher Clark, Manuela Khom, Heinz Mayer, v.l. Foto: Pfingstdialog/Fischer

„Geist & Gegenwart"-Schirmherr Herwig Hösele, Landesrat Willibald Ehrenhöfer, Moderatorin Sandra Thier, Historiker Christopher Clark, Landeshauptmann-Stellvertreterin Manuela Khom, JR-Geschäftsführer Heinz Mayer, v.l. Foto: Pfingstdialog/Fischer

Zwei Tage, ein Ort, viele Perspektiven: Zum Pfingstdialog „Geist und Gegenwart“ kamen auf Schloss Seggau in der Südsteiermark zahlreiche Persönlichkeiten zusammen. In Podiumsdiskussionen, Vorträgen und Insieme-Gruppen drehte sich unter dem Leitthema „Challenge.Europe“ alles um die Zukunft Europas – zwischen globalen Krisen, innerer Stärke und gesellschaftlichem Zusammenhalt.

Zur feierlichen Eröffnung des 13. Pfingstdialogs begrüßte „Geist & Gegenwart“-Koordinator Herwig Hösele die zahlreichen Gäste und betonte die Rolle der Steiermark als Ort eines offenen, liberalen und interdisziplinären Dialogs. Auch Landeshauptmann-Stellvertreterin Manuela Khom sprach zur Bedeutung Europas als Friedensprojekt: „Europa ist wie eine Familie. Wir verteidigen seine hohen Werte.“ Der steirische Wissenschaftslandesrat Willibald Ehrenhöfer forderte mehr Resilienz für Europa: „Die Stimmen aus den Regionen müssen stärker gehört werden – Dialog und Diskurs sind der Schlüssel.“

Ein Höhepunkt des ersten Tages war die Keynote des Historikers Christopher Clark (University of Cambridge), der unter dem Titel „Das Ende der Öffentlichkeit“ die zunehmende Verrohung des öffentlichen Diskurses durch die Trump-Regierung thematisierte. Er mahnte, Europas Zukunft nicht zu unterschätzen. Seine Ausführungen schlossen mit der Warnung, dass Europa vor einer Zerreißprobe stünde, nicht zuletzt vor dem Hintergrund des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine, denn Europas Existenz steht auf dem Spiel. „Wer meint, die Lage in der Ukraine sei ein fernes Land, dessen Schicksal uns nicht direkt tangiert, wer meint die Beihilfe zur Verteidigung der Ukraine sei nichts als Kriegshetze, das sind die Schlafwandler von heute.“

Im Panel „Wer gestaltet den öffentlichen Diskurs?“ diskutierten unter anderem Bernhard Pörksen (Universität Tübingen) und Johannes Bruckenberger, Chefredakteur des ORF, die Verantwortung von Medien in Zeiten digitaler Aufmerksamkeitsökonomien.

Den Abschluss des ersten Tages bildete die Debatte „Europa zwischen Wohlstand und Sicherheit“. Neben Christopher Clark sprachen Barbara Stelzl-Marx (Universität Graz) und Arnold Kammel, Generalsekretär im Verteidigungsministerium, über Europas sicherheitspolitische Handlungsfähigkeit. Die zentrale Frage lautete: Kann Europa eine globale Rolle spielen, wenn militärische Kapazitäten fehlen?

Souveränität, Selbstbewusstsein & Wissenschaft

Am zweiten Tag eröffnete erneut Herwig Hösele die Veranstaltung – mit dem Hinweis, dass sich die Herausforderungen nicht verringert hätten. Im anschließenden Panel „Wie viel Souveränität ist möglich? analysierten Wolfgang Schüssel (Bundeskanzler a. D.), Gabriel Felbermayr (Direktor des WIFO), Othmar Karas (Präsident des European Forum Alpbach), Katrin Praprotnik (Universität Graz) und Anja Wehler-Schöck (Berliner Tagesspiegel) unter der Moderation von Hubert Patterer, Chefredakteur der „Kleinen Zeitung“, die Spielräume europäischer Selbstbestimmung.

Wolfgang Schüssel forderte ein neues Selbstbewusstsein für Europa: „Wir müssen unsere Freiheit neu definieren.“ Gabriel Felbermayr sah im europäischen Defizitverfahren ein kooperatives Instrument zur Budgetkonsolidierung. Anja Wehler-Schöck und Katrin Praprotnik unterstrichen die Rolle der Medien für das „Narrativ Europa“. Othmar Karas kritisierte: „Wir haben uns in Abhängigkeiten begeben, die nicht notwendig waren.“

Seit 2005 bei jedem Pfingstdialog fester Bestandteil des Programms, dienen die tagenden Insiemegruppen der vertiefenden Behandlung von ausgewählten Fragestellungen. In diesem Jahr waren es die Themen „Rechtsstaatlichkeit und liberale Demokratie“, „Technologie als Machtinstrument“, „Reindustrialisierung durch Aufrüstung?“ „Kann KI Wertschöpfung?“, „Spin-offs“, „Dialogkultur in Zeiten multipler Krisen und Transformationen“, „European Universities – Gamechanger oder Selbstzweck?“ und „Soziale Herausforderungen“. Einigkeit herrschte, dass ein Schlüssel zur Bewältigung der zahlreichen Herausforderungen eine Hinwendung zu innovativen Lösungen sein werde.

Am Nachmittag folgte das Panel „Akademische Freiheit als Eckpfeiler europäischer Werte“ mit Andrea Schenker-Wicki (Rektorin, Universität Basel), Martin Polaschek (ehem. Bildungsminister) und Hannes Raffaseder (FH St. Pölten). In Zeiten politischer Polarisierung wurde die Bedeutung unabhängiger Wissenschaft betont.

Den inhaltlichen Schlusspunkt setzte das „Forum Generale“ mit einer Keynote von Politikwissenschafter Carlo Masala, der Europa zu mehr außenpolitischer Klarheit aufrief. In der abschließenden Diskussion sprachen Wissenschaftslandesrat Willibald Ehrenhöfer, Carlo Masala, Monika Köppl-Turyna (Eco Austria), Matthias Beck (Universität Wien) und Europaministerin Claudia Plakolm über Zukunftsperspektiven Europas im globalen Kontext. Betont wurde von allen, dass es notwendig sein werde, neue Anstrengungen in allen Lebensbereichen zu unternehmen, um die Herausforderungen in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft zu meistern und eine Zukunft Europas zu gewährleisten.

Pfingstdialog mit Memorandum von Seggauberg 2025

Im Zentrum des Memorandums, das den Dialog zusammenfasst, steht die Überzeugung, dass Europa auch in schwierigen Zeiten handlungsfähig ist – wenn es seine Stärken erkennt und nutzt. Drei zentrale Herausforderungen wurden identifiziert:

  • Sicherheitspolitisch: Die EU muss Lehren aus dem Krieg in der Ukraine und einer instabilen transatlantischen Partnerschaft ziehen.
  • Wirtschaftspolitisch: Europa steht vor der Aufgabe, im Wettbewerb mit den USA, China und den BRICS-Staaten bestehen zu können – durch eine ökosoziale Marktwirtschaft.
  • Gesellschaftspolitisch: Die liberale Demokratie und akademische Freiheit müssen aktiv verteidigt und gefördert werden.

Das Memorandum schließt mit einem Appell an Politik, Wissenschaft, Medien und Zivilgesellschaft: Nur durch gemeinsame Anstrengungen lassen sich Frieden, Freiheit, Wohlstand und ökologische Nachhaltigkeit bewahren. Europa bleibt ein offenes Projekt – mit enormem Potenzial.

Geist & Gegenwart

Die seit 2005 auf Schloss Seggau stattfindenden Pfingstdialoge „Geist & Gegenwart“ reflektieren die Herausforderungen, Chancen und Problemstellungen Europas. „Geist & Gegenwart“ ist eine Veranstaltungsreihe des Club Alpbach Steiermark, JOANNEUM RESEARCH und Land Steiermark in Kooperation mit der Diözese Graz-Seckau. Die Pfingstdialoge werden durch regelmäßige Dialogveranstaltungen ergänzt.


Weitere Infos, Bilder und das Memorandum in voller Länge auf pfingstdialog-steiermark.at

 

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