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Newsbeitrag - 
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Soziale (Un)gerechtigkeit: Klimawandel trifft ungleich

Hitze in der Stadt, Extremwetter, Gentrifizierung: Der Klimawandel trifft vulnerable Gruppen wie einkommensschwache Haushalte und Ältere besonders stark. Das zeigt eine Studie an der LIFE mitgewirkt hat.

Blick von unten in Baumkronen vor strahlend blauem Himmel. Symbolbild für Begrünung gegen Hitze als Folge des Klimawandels

Die Begrünung von Stadtteilen verringert die Hitzebelastung, kann aber auch zur Verdrängung der Bewohner*innen führen, wenn dadurch die Mietpreise steigen. Foto: Pexels/valiphoto

Der Klimawandel ist nicht nur eine ökologische und technische Herausforderung, er ist auch eine Frage der sozialen Gerechtigkeit. Eine aktuelle Studie unter dem Lead der Universität für Bodenkultur Wien (BOKU), an der auch unser Institut LIFE mitgewirkt hat, zeigt, dass bestimmte Bevölkerungsgruppen wie einkommensschwache Haushalte oder ältere Menschen von den Folgen urbaner Hitze oder Extremwetter besonders betroffen sind. Zudem können Maßnahmen wie die Begrünung von Stadtteilen unbeabsichtigt zur Verdrängung jener führen, die eigentlich geschützt werden sollen – wenn soziale Aspekte nicht vom Anfang an mitgedacht werden.

Klimawandel & Gentrifizierung

„Grün- und Wasserflächen können die Hitzebelastung in Städten wirksam verringern. Eine umfassende Begrünung birgt aber das Risiko, dass Mietpreise steigen und dadurch einkommensschwache Haushalte in heißere und schlechtere Wohnverhältnisse verdrängt werden“, so Sebastian Seebauer von LIFE. „Unsere Forschungen haben gezeigt, dass diese ‚grüne Gentrifizierung‘ in Wien aber noch kein Thema ist – vor allem wegen des starken sozialen Wohnbaus. Sobald aber urbane Hitzewellen durch den Klimawandel zunehmen und der private Wohnungsmarkt stärker wird, kann sich dieses Bild rasch verändern.“

Sozialer Wohnbau kann das Gentrifizierungsrisiko erheblich senken. „Jeder zusätzliche Prozentanteil an sozialem Wohnbau verringert das Risiko einer Gentrifizierung um vier bis fünf Prozent“, erklärt Michael Friesenecker von der BOKU. „Gerade vor dem Hintergrund globaler Tendenzen, Wohnen zunehmend, als Ware zu betrachten und leistbarer Wohnraum unter Druck gerät, war es uns am Beispiel Wiens – wo sozialer Wohnbau eine zentrale Rolle spielt – besonders wichtig, diesen Zusammenhang sichtbar zu machen.“ Diese Erkenntnis basiert auf der Analyse verschiedener Wohnungsmarktsegmente in Wien, die es ermöglichte, die Wechselwirkungen zwischen sozialer Ungleichheit, Wohnungsmarktstrukturen und Klimawandelanpassung zu untersuchen. „Die Verknüpfung von Klimawandelanpassung und sozialer Gerechtigkeit ist entscheidend, wenn wir als Gesellschaft langfristig resilient bleiben wollen“, so Friesenecker.

Klimaschutz & soziale Gerechtigkeit

Im Rahmen der Studie wurden auch Projektionen zur Entwicklung vulnerabler Bevölkerungsgruppen erstellt, die auf sozioökonomischen Szenarien beruhen. Die Berechnungen zeigen: In einem Szenario der geopolitischen Abschottung mit Fokus auf Sicherheit statt Sozialpolitik drohen wachsende soziale Ungleichheiten. Wenn nicht gleichzeitig Klimaschutzmaßnahmen und soziale Gerechtigkeit – insbesondere in den Bereichen Bildung und Einkommen – in den Mittelpunkt der Politik gestellt werden, drohen massive Herausforderungen bei der Bewältigung der Folgen des Klimawandels.

Die aktuelle Studie ist aus dem vom WWTF-geförderten Forschungsprojekt SENSUS und in Zusammenarbeit zwischen der BOKU University, Geosphere Austria, TU Wien, Austrian Institute of Technology und JOANNEUM RESEARCH LIFE entstanden.

 


Ein ausführlicher Artikel zur Studie ist unter dem Titel „Socially equitable climate risk management of urban heat“ im Wissenschaftsjournal Nature erschienen.

 

 

 

 

 

 

 

Kontaktpersonen

Mag. Dr. Sebastian Seebauer
Stv. Forschungsgruppenleitung
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