Balanceakt CO2 – Fürchtet euch nicht, so lautet der Titel der vierteiligen Veranstaltungsreihe, die Stimmen aus Forschung, Religion sowie der Land- und Forstwirtschaft vereint. Gemeinsames Ziel: unterschiedliche Aspekte des Treibhausgases Kohlendioxid (CO2) und des bisherigen und zukünftig möglichen Umgangs damit aufzuzeigen und zu diskutieren. In einem Punkt sind sich alle Beteiligten einig: Der Klimawandel ist ein globales Problem mit schwerwiegenden Umweltaspekten und ernsten sozialen, wirtschaftlichen, distributiven und politischen Dimensionen, er stellt eine der wichtigsten aktuellen Herausforderungen an die Menschheit dar.
Einfluss des Menschen
Teil 1 der vierteiligen Reihe fand im Minoritenzentrum Graz statt und nahm den Einfluss des Menschen auf den Kohlenstoffkreislauf unter die Lupe. Nach der Eröffnung durch Weihbischof Johannes Freitag von der Diözese Graz Seckau richteten Karl Steininger von der Universität Graz, Martin Halmer, von der Katholischen Kirche Steiermark und Franz Prettenthaler von JOANNEUM RESEARCH einleitende Worte an die Besucher*innen. Durch die Veranstaltung führte Birgit Bednar-Friedl von der Universität Graz.
Die Vorträge
Werner Brugner, Direktor der Landwirtschaftskammer Steiermark, ging in seinem Impulsstatement auf die Rolle der Landwirtschaft ein, die vom Klimawandel und dessen Auswirkungen ganz besonders betroffen ist. „Erneuerbare Energieträger sind ein nachhaltiges Stärkefeld für die steirischen Bäuerinnen und Bauern. Die Landwirtschaft ist zwar selbst Emittent, leistet aber auch einen wichtigen Beitrag, die Folgen der Klimaveränderung zu mildern“, so Brugner. Er plädiert für eine stärkere Vernetzung von Landwirtschaft, Industrie und Forschung, um gemeinsame Chancen noch effizienter zu nützen und den Klimawandel zu bremsen.
„Kohlenstoffkreislauf und Klimawandel: Aktuelle Wissensbasis und welche Netto-Null CO2-Emissionen die globale Erwärmung stoppen“
Gottfried Kirchengast vom Wegener Center der Universität Graz gab Einblicke in den Kohlenstoffkreislauf der Erde und den aktuellen Wissensstand zum Klimawandel, der zeigt, dass die von uns Menschen verursachten Änderungen im Kohlenstoffkreislauf eng mit der globalen Erwärmung und dem Klimawandel verknüpft sind. „Wie rasch wir Netto-Null CO2-Emissionen erreichen, um die Erwärmung zu stoppen, und die Art und Weise wie wir diesen „Netto-Null-Balanceakt CO2“ dann über Jahrzehnte und Jahrhunderte sicherstellen, entscheidet fundamental über die Klimazukunft unserer Kinder-und Enkelgenerationen“, so Kirchengast. Die Klimaerwärmung lasse sich nur aufhalten, wenn CO2-Emissionen bis 2025 auf nahezu Netto-Null sinken, eine tiefgreifende, schnelle und nachhaltige Emissionsreduktion sei der einzige Weg.
Präsentation Gottfried Kirchengast
„Wie viel CO2 ist vermeidbar?“
Frank Uhlig von der Technischen Universität Graz ging in seinem Vortrag auf die Frage ein, wie viel CO2 grundsätzlich vermeidbar sei. Als Beispiel nannte er etwa die Herstellung von Zement, die für 6 bis 9 Prozent der weltweiten CO2-Emissionen verantwortlich ist. Durch technologische Innovationen ließen sich zwar Einsparungen erzielen, dass bei der Zementherstellung CO2 entstehe, ist aber dem Produktionsprozess selbst inhärent. „Jede ernsthafte Diskussion zu umweltschädlichen Stoffen ist, wie bereits der Veranstaltungstitel ausdrückt, ein Balanceakt. Einseitige absolute Betrachtungsweisen die von ‚generell verbieten‘ auf der einen Seite und ‚völlig ignorieren‘ auf der anderen Seite propagiert werden, gehen weit an der Problematik vorbei“, so Uhlig.
„Klimawandel: Von der öffentlichen Wahrnehmung zum gemeinsamen Handeln?“
„Klimaschutz scheitert nicht an mangelnder Popularität, sondern wird durch sozial-psychologische Barrieren und unzureichende politische Rahmenbedingungen ausgebremst“, so Hermine Mitter von der Universität Graz. So gaben im Februar/März dieses Jahres 79% der österreichischen und 81% der europäischen Bevölkerung (EU27) an, das von der EU verfolgte Ziel, bis 2050 klimaneutral zu sein, zu unterstützen. Allerdings nahm die Popularität von Klimaschutz in den letzten Jahren wieder etwas ab. Die hohe Zustimmung zu Klimaschutz spiegle sich allerdings nur bedingt in wirksamem Handeln wider, so Mitter. Wesentliche Barrieren für die Umsetzung von Maßnahmen zum Klimaschutz und zur Klimawandelanpassung seien sozial-psychologische Mechanismen und politische Rahmenbedingungen.
In einer abschließenden Podiumsdiskussion ging es unter anderem um die Rolle und die Eigenverantwortung des/der Einzelnen beim Klimaschutz, die Aufgabe der Politik Rahmenbedingungen zu setzen und darum, wie man vom reinen Wissen über den Klimawandel und seine Folgen ins aktive Tun kommen kann.
Balanceakt CO2 – Fürchtet euch nicht! ist eine Veranstaltungsreihe der JOANNEUM RESEARCH, der Katholischen Kirche Steiermark und des Wegener Center für Klima und Globalen Wandel der Universität Graz, in Kooperation mit der Landwirtschaftskammer Steiermark, der Wood Vision Lab GmbH und wird durch das Land Steiermark (Ressort Wirtschaft, Arbeit, Finanzen, Wissenschaft und Forschung) unterstützt.
Weitere Termine
- Natürliche CO2-Bindung: Land- und Forstwirt*in als Klimaretter, 15. 1. 2026
- Technische Innovationen im Carbon Management: Können wir uns das leisten?, 10. 3. 2026
- Geschäftsmodell Klimawandel: Nachhaltig oder Feigenblatt?, 28. 4. 2026



