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Newsbeitrag - 
Life

Ernährung: Fleisch aus Erbsen und Milch aus Hafer?

Unsere Ernährungsgewohnheiten haben massive Auswirkungen auf Umwelt und Klima. Das ist nicht nur Thema am Institut LIFE, sondern auch im Lebensmittelhandel und bei Fleischproduzenten. Auf unserer letzten Zukunftskonferenz sprachen Christoph Weigl von den Marcher Fleischwerken und Tanja Dietrich-Hübner von Billa über Fleischalternativen und Klimaschutz.

Ernährung: gedeckter Tisch mit buntem Gemüse

Ernährung: Kleine Verhaltensänderungen - große Wirkung: der CO2-Fußabdruck von pflanzlichen Nahrungsmitteln ist oft um ein Vielfaches niedriger als von tierischen. Foto: Unsplash/Victoria Shes

Unsere Ernährung ist, je nach Berechnungsweise, für etwa ein Viertel bis zu einem Drittel der globalen Treibhausgasemissionen verantwortlich. „Tierische Produkte haben einen besonders hohen CO2-Fußabdruck“, so Benjamin De Groeve vom Institut LIFE. Ganz vorne steht dabei Rindfleisch aus konventioneller Produktion mit durchschnittlich 36,4 kg CO2-Äquvalenten (CO2e) pro 1.000 Kilokalorien*. Im Gegensatz dazu schneiden Schweinefleisch (5,2 kg CO2e) und Geflügel mit (5,3 kg CO2e) vergleichsweise gut ab. „Doch der Blick auf pflanzliche Produkte zeigt das wahre Potenzial, das hinter veränderten Ernährungsgewohnheiten steckt“, so De Groeve. Tofu liegt bei 1,2 kg CO2e, Ersatzprodukte auf Weizenbasis liegen bei 0,6 kg und solche auf Erbsenbasis bei 0,3 kg. Und auch bei Milch und ihren pflanzlichen Alternativen ist der Unterschied eklatant. Mit einer Ausnahme – Kokosmilch.

Fleischproduktion

Worauf die hohen Emissionen bei Fleischprodukten zurückzuführen sind, wird am Beispiel der CO2-Bilanz von Marcher deutlich: Das Fleischverarbeitungsunternehmen mit Sitz in Villach, hat 2021 damit begonnen, seinen CO2-Fußabdruck und den seiner Produkte unter die Lupe zu nehmen: „Dafür haben wir die Treibhausgas-Bilanz für die gesamte Produktionskette erstellt – von der Aufzucht und Fütterung der Tiere über den Transport zum Schlachthof und zwischen den Betrieben, Emissionen an den Standorten samt Abwasser- und Abfallmanagement bis hin zum Pendlerverhalten der Mitarbeiter*innen“, berichtet Nachhaltigkeitsmanager Christoph Weigl. Das Ergebnis: „95 Prozent der den Marcher Fleischwerken zugeordneten Emissionen stammen aus der Aufzucht von Rindern und Schweinen, ein Faktor auf den wir selbst keinen Einfluss haben. Viele Emissionen entstehen auch bei Verpackung und Etikettierung, die Produktion selbst spielt eine vergleichsweise untergeordnete Rolle.“ Und auch bei den von Marcher hergestellten Fleischersatzprodukten wird der enorme Unterschied zwischen Fleisch und pflanzenbasierten Ersatzprodukten deutlich: So sind die Treibhausgasemissionen bei einem Burgerpatty aus Rindfleisch etwa sechs Mal so hoch wie beim Alternativprodukt auf Erbsenbasis. Noch besser schneidet eine von Marcher entwickelte Upcycling-Rezeptur aus Brauereistoffen ab.

Pflanzliche Produkte

„Wir setzen auf den Ausbau des pflanzlichen Sortiments und eine höhere Qualität bei tierischen Produkten“, so Tanja Dietrich-Hübner, die 13 Jahre lang den Bereich Nachhaltigkeit bei Billa leitete. „Essen hat ganz viel mit genießen zu tun und das geht mit pflanzlicher Ernährung genauso“, ist sie überzeugt. „Es ist unsere Aufgabe, Kunden Orientierung zu bieten und das Sortiment so zu kuratieren, dass es langfristig klimafit und zukunftsfit wird.“ Daten dazu liefert eine Studie im Auftrag von Ja natürlich und Greenpeace: Die Umstellung auf eine ausgewogene und fleischreduzierte Kost spart
28 Prozent Treibhausgasemissionen, ein Umstieg auf vegetarische Ernährung spart bis zu 47 Prozent und vegane Ernährung hat ein Einsparpotenzial von 70 Prozent gegenüber der aktuellen durchschnittlichen Ernährung. „Das bedeutet, dass man allein durch eine ausgewogenere Ernährung deutlich Emissionen reduzieren kann. Wenn man den Fleischkonsum reduziert und einen Teil der Ernährung auf Bio umstellt, dann hat das wirklich einen Effekt.“

Fazit: Da der CO2-Fußabdruck der meisten tierischen Produkte eklatant höher ist als von pflanzlichen, fallen schon kleine Verhaltensänderungen ins Gewicht. Dies wäre ein wirksamer Hebel im Kampf gegen den Klimawandel.


* CO2e / 1.000 kcal steht für CO2-Äquivalente pro 1.000 Kilokalorien und berücksichtigt neben Kohlenstoffdioxid auch andere Treibhausgase. Es gibt an, wieviel kg Treibhausgase ausgestoßen werden, um den Nährwert von 1.000 Kilokalorien eines bestimmten Produkts zu erhalten.
Bei den genannten Zahlen handelt es sich um Durchschnittswerte, die je nach Produktionsweise – und bei Fleischersatzprodukten nach Inhaltsstoffen – unterschiedlich stark variieren können.

 

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