Die Versorgung älterer, multimorbider Patientinnen und Patienten gehört zu den komplexesten und zugleich dringlichsten Aufgaben unseres Gesundheitssystems. Wie erfolgreich und zielgerichtet diese hochspezialisierte Betreuung in Österreich geleistet wird, dokumentiert der neu veröffentlichte „Akutgeriatrie-Bericht 2025“. Die jährlich erscheinende Publikation, herausgegeben von der Österreichischen Gesellschaft für Geriatrie und Gerontologie (ÖGGG) und dem Institut HEALTH der JOANNEUM RESEARCH, liefert auf Basis strukturierter Qualitätsdaten einen fundierten und transparenten Einblick in die akutgeriatrische Versorgung.
Ein umfassender Blick auf die Daten
Für das Berichtsjahr 2025 wurden die stationären Behandlungsverläufe von insgesamt 8.539 Patientinnen und Patienten aus 16 teilnehmenden österreichischen Akutgeriatrie- und Remobilisationseinheiten (AG/R) statistisch ausgewertet. Das untersuchte Kollektiv spiegelt die typische demografische Verteilung in diesem Fachbereich wider: Mit 5.646 behandelten Frauen zu 2.893 Männern machten weibliche Patientinnen fast das Doppelte der Fälle aus. Das durchschnittliche Alter lag bei den Frauen bei 81,6 Jahren und bei den Männern bei 79,7 Jahren.
Die Auswertungen zeigen ein gewohnt klares Bild bezüglich der klinischen Ausgangslage: Zu den häufigsten auslösenden Aufnahmediagnosen zählten bei beiden Geschlechtern Frakturen des Oberschenkelknochens, gefolgt von Verletzungen der unteren Extremitäten.
Messbare Erfolge bei Mobilität und Selbstständigkeit
Die Kernphilosophie der Akutgeriatrie liegt nicht primär in der isolierten Therapie einzelner Diagnosen, sondern in der ganzheitlichen Wiederherstellung von Funktion und Selbstständigkeit. Dass dieser multiprofessionelle, interdisziplinäre Ansatz greift, belegen die im Bericht angeführten Behandlungsergebnisse eindrucksvoll:
- Steigerung der Selbsthilfefähigkeit: Während ihres akutgeriatrischen Aufenthalts konnten die Patientinnen und Patienten ihre Selbsthilfefähigkeit im Alltag signifikant verbessern – im etablierten Barthel-Index wurde eine durchschnittliche Verbesserung von beachtlichen 14,2 Punkten erzielt. Bei 37,4 % der Betroffenen verbesserte sich die Einstufung der Selbsthilfefähigkeit im Zuge des Aufenthaltes direkt. Eine Verschlechterung trat hingegen lediglich bei 1,7 % auf.
- Mobilitätsgewinn und Sturzprävention: Nach der Esslinger Transferskala – welche die notwendige Unterstützung beim Wechsel vom Bett zum Rollstuhl misst – konnte bei einem Drittel der Patient:innen (33,1 %) eine direkte Verbesserung der Mobilität erreicht werden. Zudem gelang es durch gezielte therapeutische Interventionen, das Sturzrisiko (gemessen mit dem Mobilitätstest nach Tinetti) bei 40,5 % der Patientinnen und Patienten aktiv zu senken.
- Erfolgreiche Reintegration: Das oberste Ziel der Remobilisation, die Rückkehr in das gewohnte Lebensumfeld, wurde bravourös erfüllt: 90,4 % der Patient:innen, die vor dem Krankenhausaufenthalt eigenständig zu Hause lebten, konnten nach der Entlassung wieder in ihr eigenes Umfeld zurückkehren.
Die durchschnittliche Verweildauer in einer akutgeriatrischen Station betrug dabei für den Großteil der Patient:innen (35,6 % der Frauen und 32,1 % der Männer) zwischen 15 und 21 Tagen. In fast 60 % der Fälle erfolgte die Aufnahme erfreulicherweise bereits innerhalb von zwei Wochen nach dem ursächlichen Akutereignis.
Methodische Validierung und Zukunftsorientierung: SNOMED CT
Der aktuelle Bericht setzt auch methodisch neue Maßstäbe. Die Geschlechtsunterschiede werden im Bericht kontinuierlich analysiert. In der Ausgabe 2025 erfolgte nun erstmals eine strikte statistische Validierung mittels angepasster Tests und der Berechnung von Effektstärken, um die klinische Relevanz von Unterschieden noch präziser herauszuarbeiten.
Ein wegweisender Schwerpunkt für die Zukunft der Dokumentation liegt zudem in der fortschreitenden Digitalisierung und Standardisierung. Um die im Benchmarking-System (CDS-BARS) erfassten Daten langfristig international vergleichbar, interoperabel und für moderne, KI-gestützte Analysen sowie Forschungsprojekte nutzbar zu machen, werden zentrale Datenfelder schrittweise der medizinischen Terminologie SNOMED CT zugeordnet. Dies schafft ein wichtiges Fundament zur Einbindung geriatrischer Versorgungsdaten in den zukünftigen europäischen Gesundheitsdatenraum (European Health Data Space).
Akutgeriatrie Bericht 2025
Der vollständige Akutgeriatrie-Bericht 2025 steht hier zur Verfügung.