LIFE Forschungsbereich

Klimawandel und Tourismus

Der Tourismus stellt in vielen Regionen einen zentralen Wirtschaftszweig mit einer hohen direkten und indirekten Wertschöpfung dar. Gleichzeitig gehört der Tourismus zu den wetter- und klimasensitivsten Wirtschaftsbereichen.

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Das touristische Angebot ist durch die jeweiligen Stärken der Regionen geprägt. Diese sind jedoch einem klimawandelinduzierten Veränderungsprozess unterworfen. Nur jene Akteurinnen und Akteure, die sich bereits frühzeitig mit dieser Thematik auseinandersetzen und dementsprechend agieren, können Chancen nützen und die Herausforderungen meistern.

Die Schwerpunkte unserer Forschungsaktivitäten im Bereich Klimawandel und Tourismus liegen daher auf:

  • der systematischen Analyse und Modellierung der Wetter- und Klimasensitivität auf der Ebene von Tourismusregionen sowie einzelnen Tourismusbetrieben (Berechnung des spezifischen Klimarisikos).
  • der Erstellung von qualifizierten Maßnahmenbündeln zur Mitigation und Adaption von Klimarisiken, um die Resilienz von Regionen und Unternehmen zu steigern.
  • der Bereitstellung von kundenspezifischen Klima-Services zur Unterstützung des laufenden Monitorings, der kurzfristigen wie auch langfristigen betrieblichen Dispositionen und regionalen Tourismuspolitik sowie der Bewertung von klimaabhängigen Investitionsprojekten.

Die von LIFE entwickelte Toolbox WEDDA® bietet standortbezogene Wetterrisikoanalysen, die Erstellung von wetterbereinigten Erfolgskennzahlen sowie laufende Nachfrageprognosen (Umsatz, Besucher/innen). Die Erweiterung WEDDA-4CPI (WEDDA for climate proof investment) hilft bei der Bewertung von 'klimasicheren' Investitionen.

Tourismusforschung

Um die kurz-, mittel- und langfristigen Perspektiven des Tourismus zu untersuchen, hat LIFE in den vergangenen Jahren einen Tourismusschwerpunkt etabliert. Mit einem Set aus qualitativen und quantitativen Methoden, gestützt auf hochaufgelösten sozioökonomischen Daten, können Szenarien der Tourismusentwicklung erstellt und Entwicklungspotenziale, aber auch Risiken identifiziert werden. Wichtige Tätigkeiten des Instituts auf diesem Gebiet sind daher

  • Modellierung von Klimaimpacts
  • Quantifizierung von Wetterabhängigkeit von touristischen Angeboten.

Im Sinne eines interdisziplinären Forschungsansatzes können unterschiedliche Analyseebenen miteinander kombiniert werden, um ein integratives Gesamtbild zu entwickeln. Dazu zählen beispielsweise Fragestellungen rund um Tourismusnachfrage und -angebot, Verfügbarkeit von Arbeitskräften, Mobilität, Verwaltung und Politik, Natur und Umwelt sowie der Modellierung von Klimawandelfolgen.

Klimawandelfolgen und –Risiken

Zur quantitativen Bewertung von Klimawandelfolgen und -risiken hat LIFE eine Reihe an Risikomaßen basierend auf finanz- und versicherungsmathematischen Methoden entwickelt. Mithilfe des Weather Value at Risk (VaR), der die Höhe des wetter- bzw. klimabedingt zu erwartenden Schadens bzw. Verlusts innerhalb eines bestimmten Zeitraums für eine vordefinierte Eintrittswahrscheinlichkeit angibt, können wetter- und klimainduzierte Risiken quantifiziert werden. Mittels statistischer und mathematischer Abhängigkeitsmodellierung werden Wirkungszusammenhänge identifiziert, wobei dieses Wissen in weiterer Folge als Grundlage für den Aufbau eines kosteneffizienten Risikomanagementsystems genutzt werden kann.

Mobilität, Freizeit und Tourismus

Das Mobilitätsverhalten im Bereich von Freizeitaktivitäten und im Tourismus ist in den Standardansätzen der Verkehrsmodellierung noch unterrepräsentiert. Im Zuge der agentenbasierten Verkehrsmodellierung wird bei LIFE daran geforscht, diesen Teilbereich der Mobilität detailliert zu modellieren, um auf dieser Grundlage verbesserte Mobilitätskonzepte vor allem für Tourismusregionen erstellen zu können.

Skitourismus und Albedo

Der Wintertourismus stellt besonders in den alpinen Ländern Europas einen wichtigen Wirtschaftszweig dar. Es ist davon auszugehen, dass durch den fortschreitenden Klimawandel in Zukunft eine weitere Temperaturerhöhung, besonders in den Alpen und hier in den Wintermonaten, zu beobachten sein wird. Demzufolge kann auch die Anzahl der Tage mit natürlicher Schneebedeckung in Summe weiter abnehmen, was negative Folgen für den Skitourismus nach sich ziehen kann.
Die Energiebilanz unserer Erde wird aber nicht nur durch die Sonne und die Veränderung der Treibhausgaskonzentration im Laufe der Zeit beeinflusst, sondern auch durch die Veränderung des Reflexionsgrades der Erdoberfläche selbst.

 

Was verbirgt sich hinter Albedo?

Die sogenannte Albedo einer Oberfläche ist das Ausmaß, in dem sie das Licht der Sonne direkt reflektiert. Je nach Farbe und Helligkeit kann sich somit eine Veränderung der Landnutzungsfläche positiv (kühlend) oder negativ (wärmend) auf den Klimawandel auswirken.
Beim Vergleich von Grünlandflächen mit schneebedeckten Flächen im Winter, z.B. durch die Produktion von technischem Schnee - vorausgesetzt dieser wird mit überwiegend erneuerbarem Strom hergestellt - könnte der Albedo-Effekt sich "positiv" auf den Klimaeinfluss solcher Gebiete auswirken und könnte so den generell negativen Klimaauswirkungen des Skitourismus entgegenwirken. Dieses Thema ist Teil der wissenschaftlichen Untersuchungen im Bereich Landnutzung, Landnutzungsänderung und Klimawandel.

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